Renitenter Nachbar schweigt

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Justitia hat mit dem Fall des Schalksmühlers viel zu tun.

Schalksmühle  - 21 Anklagepunkte arbeitet das Amtsgericht Lüdenscheid gegen einen 54-jährigen Schalksmühler ab, der seine ehemalige Wohnumgebung am Linscheider Berg monatelang in Angst und Schrecken versetzt haben soll.

Zu den Vorkommnissen befragt, wählt der Angeklagte zumeist aus zwei Antworten: „Da weiß ich nichts von“ und „Das habe ich nicht gemacht“. Zwischen einem und zwei Promille habe der 54-Jährige im Blut gehabt, wenn die Beamten ihn bei den ständigen Einsätzen pusten ließen, berichtet eine Polizeibeamtin am zweiten Verhandlungstag. Wegen der Vielzahl der Einsätze könne sie sich nicht mehr an alle erinnern, räumt sie ein und erinnert als Einsatzgründe einen „Sperrmüll-Krieg“, Stromklau und Sachbeschädigungen. Gegenüber den Beamten selber habe sich der Angeklagte zumeist kooperativ verhalten. Ein paar Beleidigungen halte man auch aus, aber irgendwann sei Schluss gewesen. 

Um nicht den Überblick über die vielen Anklagepunkte zu verlieren, hat Richter Thomas Kabus manche Zeugen mehrfach geladen. So können jene Vorfälle nacheinander abgearbeitet werden, bei denen immer wieder die gleichen Zeugen befragt werden müssen. Ein 37-jähriger Nachbar wurde deshalb für alle Verhandlungstage geladen. Er erlebte einiges mit dem Angeklagten: „Er hat mir das Gesicht teilweise zerkratzt, aber ich bin nicht so schmerzempfindlich. Ich stecke ein bisschen was weg.“ Ein Schlag ins Gesicht, der es bis in die Anklage schaffte, habe nicht wehgetan – nur seine Brille sei kaputtgegangen. „Es war nicht die erste Brille, die er kaputtgemacht hat.“ Die angeklagte Körperverletzung wandert daraufhin in die immer größer werdende Ablage mit dem Titel „vorläufig eingestellt“. 

Weiterhin Randale am Linscheider Berg

Anfangs sei das Verhältnis zum Angeklagten gut gewesen – er habe ihm sogar bei zwei Umzügen geholfen, berichtet der Zeuge. Durch den Alkohol-Konsum des 54-Jährigen sei es aber immer schlechter geworden. „Ich wollte ihn nicht schwer belasten.“ Nun reiche es aber. Richter Thomas Kabus macht den Zeugen auf seine Wahrheitspflicht aufmerksam. Der 37-Jährige macht klar, dass das Problem mit dem renitenten Nachbarn weit über die Anklage hinausging. Ständige Ruhestörungen, mitten in der Nacht herausgeschraubte Sicherungen, im Haus verteilter Spermüll, Sachbeschädigungen und weitere gegen ihn und andere gerichtete Aktivitäten des Angeklagten hätten ihn aber veranlasst, immer wieder die Polizei zu rufen. 

Neuigkeiten vom Linscheider Berg deuten an, dass sich der Angeklagte auch von dem laufenden Strafverfahren überhaupt nicht beeindrucken lässt: Zwischen dem ersten und zweiten Verhandlungstag sei der Randalierer erneut am Linscheider Berg gewesen und habe „sieben Scheiben an drei Häusern kaputtgemacht“, berichtet der Zeuge.

Zur Fortsetzung der Verhandlung am Dienstag sind erneut sieben Zeugen ins Amtsgericht geladen.

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