Gerüchteküche um Mediziner

"Das ist existenzbedrohend" - Arzt kämpft gegen Shitstorm

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Der Allgemeinmediziner Michael Maicher wehrt sich gegen scharfe Kritik aus dem Internet.

Schalksmühle - Die Praxis des Allgemeinmediziners Michael Maicher an der Hälverstraße steht derzeit massiv in der Kritik. Mangelnde Präsenz des Arztes, schlechte Praxisorganisation und unfreundliche Mitarbeiterin – die Liste der Vorwürfe, die an vielen Stellen, vor allem aber im Internet, geäußert werden, ist lang.

Es kursiert außerdem das Gerücht, er würde den Standort in Schalksmühle aufgeben. Im Gespräch mit unserer Redaktion nimmt der Mediziner Stellung zu den Anschuldigungen. Vorgeworfen wird dem Arzt, dass seine Praxis ständig geschlossen sei und es auch telefonisch kein Durchkommen gäbe. Dem widerspricht Michael Maicher ausdrücklich. In der Hochphase der Corona-Krise habe man sich an die Anweisungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gehalten und etwa Termine nur am Telefon vergeben. Das sei eine gute Sache gewesen. So habe man in einem vorherigen Gespräch die Patienten besser nach Dringlichkeit selektieren können. „Wir haben aber keine Akutfälle, die bei uns vor der Tür standen, wieder nach Hause geschickt“, betont der Arzt, der das Verhalten mancher Patienten nicht verstehen kann. Teilweise hätten sie die Vorschriften sogar ignoriert und seien direkt zur Praxis gekommen. 

Auch den Vorwurf, es würde organisatorisch etwas in seiner Praxis falsch laufen, lässt der Facharzt für Allgemeinmedizin nicht im Raum stehen. Bei 2000 Patienten, die er von seinem Vorgänger Dr. Jürgen Killburger übernommen hat, sei die Belastung für das Team sehr hoch – auch für den Arzt. Die Menge an Patienten sei eher von zwei Ärzten zu bewältigen. „Wir haben deshalb strukturell umorganisieren müssen. Dafür haben wir einen Shitstorm bei Facebook hinnehmen müssen.“ Dies sei eine schwierige Situation für alle – gerade für seine Mitarbeiterinnen. „Wer möchte sich den ganzen Tag über beschimpfen lassen. Wir gehen an unsere Grenzen.“ Der Plan sei es gewesen, einen weiteren Arzt anzustellen. Aber durch Corona seien viele abgesprungen. Und die Kommentare bei Facebook hätten auch die letzten möglichen Kandidaten verschreckt.

Die Corona-Krise fordert Umstrukturierungen.

Schalksmühler Arzt tritt Schließungsgerüchten entgegen

Den Schließungsgerüchten möchte Michael Maicher ebenfalls entgegentreten. Angeblich soll seine Praxis zum 31. August geschlossen werden und alle Mitarbeiterinnen seien bereits gekündigt. Die Begründung: Er werde eine Anstellung als Chefarzt im Kreiskrankenhaus Rotenburg an der Fulda annehmen. Zwar bestätigt Michael Maicher, dass er dort als Spezialist für Lungenerkrankungen arbeitet, er dies aber als Rückversicherung während der Corona-Krise mache. Er vergleicht dabei seine Praxis mit einem Einzelhandelsgeschäft, das während der Pandemie keine Einnahmen hatte. Man müsse sich mit Dingen auseinander setzen, die so nicht geplant waren. „Gut, dass sich mich abgesichert habe.“ 

Michael Maicher erklärt, dass seine Patienten nicht von der zweiten Beschäftigung beeinflusst gewesen seien. In Rotenburg habe er nicht mehr als acht Stunden pro Woche und nie während der Praxiszeiten in Schalksmühle gearbeitet. Den Shitstorm bezeichnet der Arzt hingegen als „existenzbedrohend“. 30 Jahre habe Dr. Killburger eine stabile Praxis geführt. Es sei nicht leicht, nach einem Jahr neue Strukturen aufzubauen. Durch die Internet-Kampagne gegen ihn müsse er nun auch über eine mögliche Aufgabe der Praxis nachdenken. Nun sei er gezwungen, Lösungswege zu finden. Dazu hat er auch schon ein Gespräch mit Bürgermeister Jörg Schönenberg geführt.

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