Witze reißen zum Beruf gemacht

Sandra Hoyer schreibt Gags für Matze Knop

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Sandra Hoyer hat das Lustigsein zu ihrem Beruf gemacht: Die 42-Jährige ist Comedy-Autorin.

SCHALKSMÜHLE - In der Schule gab es zwar größere Klassenclowns als sie – aber im Gegensatz zu anderen Sprücheklopfern hat Sandra Hoyer das Witze reißen zu ihrem Beruf gemacht. Die 42-jährige Schalksmühlerin ist freie Comedy-Autorin, schreibt heute unter anderem Gags für Matze Knop und fürs Radio.

Nach dem Abitur stellte sich Hoyer die Frage, was sie denn eigentlich gut könne. Die Antwort? „Blödes Zeug machen“, sagt die Schalksmühlerin heute und lacht. Die Blondine mit den schulterlangen Haaren hat sozusagen den Schalk im Nacken. „Ich tendiere zum Lustigsein und fühle mich in fröhlichen Runden wohler.“ Warum das also nicht zum Beruf machen?

Doch bevor Hoyer ihre Karriere als Comedy-Autorin begann, startete sie zunächst bei Radio MK als Redakteurin und Moderatorin durch. Während sie unter der Woche eine Frühsendung moderierte, machte sie am Wochenende mit einem Kollegen Comedy fürs Radio. Über einen Lehrgang kam Hoyer zur RTL-Sendung „SamstagNacht“, wo sie neben dem Radio-Job zwei Jahre lang als freie Autorin arbeitete.

Schließlich wechselte sie zu Radio NRW nach Oberhausen in die Comedy-Abteilung. „Dort habe ich unter anderem für die Kanzler-WG mitgeschrieben. Das Format lief über Jahre sehr erfolgreich“, erzählt Hoyer. Die politsatirische Radio-Serie wurde unter anderem mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet und für den Echo nominiert.

Über diese Tätigkeiten kam sie mit vielen Künstlern in Kontakt, so auch mit Comedian Matze Knop. Hoyer arbeitete unter anderem an Knops aktuellem Tour-Programm „Platzhirsche“ mit.

Künstlern fehlen auf Tour spontane Ideen

Doch warum sind Comedians eigentlich auf Witze von anderen angewiesen? „Ein Künstler braucht viel Inspiration. Wenn man regelmäßige Termine hat und auf Tour ist, fehlen einem oft spontane, zündende Ideen“, erklärt Hoyer. Hier kommen dann Autoren wie sie ins Spiel. „Wir schließen uns dann eine Zeit lang ein, und zu Zweit fällt einem gleich viel mehr ein.“

Heute arbeitet die zweifache Mutter als freie Autorin auch für die Kölner Agentur Spotting Image, die seit Jahren Radiocomedies wie „Global Geiss“ oder auch „Dennis ruft an“ produziert. Dort schreibt Hoyer zum Beispiel für die Serie „Angie, die Queen von Berlin“, die mehr als zehn Sender in ganz Deutschland ausstrahlen.

Um sich Anregungen für das Witze schreiben zu holen, checkt Hoyer jeden Morgen die aktuelle Nachrichtenlage, liest unter anderem die Bild-Zeitung. Oft springe sie ein Thema dann schon direkt an. „Witze setzen ein gesundes Halbwissen beim Publikum voraus. Und bei der Bild kann ich davon ausgehen, dass viele diese Zeitung auch lesen und auf demselben Wissensstand sind.“ Sie selbst kenne sich mit vielen Themen gut aus, egal ob Euro-Bonds, NSA-Affäre oder Promi-Skandale.

Beim Querlesen durch die Nachrichten ist Hoyers Kopf auch auf Querdenken eingestellt. „Man kann die Geschehnisse in der Welt ja auch auf eine kreative Art sehen. Und so passiert das einfach.“ Auch für die Volmegemeinde hätte die Autorin direkt einen Witz parat: „Die Klagebach würde sich als Thema gut anbieten. Von den Baustellen sind ja die meisten Bürger genervt.“

Unter der Woche bearbeitet sie bis zu drei Themen. Zuhause ist die Schalksmühlerin technisch so gut ausgerüstet, dass sie kürzere Stücke direkt einsprechen, schneiden und an die Radiostationen mailen kann. Aber so richtig fertig mit der Arbeit sei sie nie. „Ich nehme auch im Alltag ständig Szenen auf, die ich für Gags verarbeiten kann. Oder ich habe am Wochenende Ideen, die ich direkt aufschreiben muss.“

Humor kann auch gnadenlos sein

An Stellen, wo normale Menschen ins Schmunzeln kommen, zieht Hoyer die Schraube noch enger. „Es gibt Mechanismen, wie man etwas witziger machen kann. Tabuthemen bieten sich da immer an oder auch völlig gegensätzliche Dinge.“ Es käme auch immer gut an, wenn man Prominente auf eine normale Ebene zurückholt, wie eben Kanzlerin Merkel.

Humor könne aber auch gnadenlos sein. Wenn die Leute etwas nicht witzig finden, werde knallhart geschwiegen. „Aber wenn man das Publikum über den eigenen Gag lachen hört, freut man sich sehr.“

Mittlerweile habe sie ein Gefühl dafür entwickelt, was läuft und was nicht. Letztlich versuche sie ihre Gags vor der Abgabe aber noch einmal kritisch zu lesen. „Denn es muss ja das Beste für die Figur sein, für die der Gag geschrieben ist. Die steht im Vordergrund und ihre lustigsten Eigenschaften müssen zur Geltung kommen.“

Comedy sei ein Spiegel der Gesellschaft und man müsse ausloten, was man den Zuschauern und Hörern zumuten könne. „Natürlich gibt es Grenzen. Ein No-Go sind Witze über behinderte Menschen oder generell Gags, in denen es um zu viel Schadenfreude geht.“

Eine Bühnenkarriere käme für die 42-Jährige aber nicht in Frage. Einen kurzen Ausflug auf die Bretter, die die Welt bedeuten, hat sie auch schon hinter sich. Als Putzfrau Helga Paselacki trat sie vor Jahren eine Zeit lang auf. Schnell stellte sie fest: „Ich bin keine Rampensau und sehr zufrieden, wenn jemand anderes diesen Part übernimmt.“

Am 23. und 24. November bietet Sandra Hoyer einen VHS-Kurs zum Thema Handwerk Humor an. Die Kursgebühr beträgt 27,40 Euro. Weitere Informationen unter www.vhs-volmetal.de.

Von Alisa Kannapin

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