An der Bahnhofstraße steht die letzte Telefonzelle

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Laut Auskunft der Gemeindeverwaltung gibt es in Schalksmühle noch eine aktive Telefonzelle, und zwar die in unserem Bild an der Bahnhofstraße. Die Telekom hat aus Kosten-Gründen zahlreiche andere Standorte abgebaut.

Schalksmühle - Um heute noch eine Telefonzelle zu finden, muss man entweder sehr lange suchen oder einfach Glück haben. Im Zeitalter von Smartphones sind Fernsprecher und Telefonzellen immer seltener geworden. In Schalksmühle gibt es noch genau eine Anlage.

Das neue Jahr 2018 war erst wenige Stunden alt, da rückte die Löschgruppe Hülscheid der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle zur Mittagszeit zum eigenen Gerätehaus an der Spormecke aus. Die Polizei hatte um Hilfe gebeten, die Überreste der an der Ecke Spormecke/Kreisstraße 36 (Klagebachstraße) stehenden öffentlichen Telefonzelle der Deutschen Telekom weg zu räumen (wir berichteten). Die über den dortigen Wanderparkplatz weit verteilten Einzelteile wurden von den Wehrleuten zusammengelesen. 

In der Silvesternacht wurde die Telefonzelle an der Spormecke zerstört.

Dieses geschilderte Schicksal ereilt viele Telefonzellen in der Region. Sie werden oft Opfer von Vandalismus oder Naturgewalten. Im Gemeindegebiet gibt es derzeit nur noch einen Standort in der Bahnhofstraße, erklärt Sabrina Knappe, Mitarbeiterin des Fachbereichs Zentrale Dienste der Gemeinde. Alle anderen Zellen seien abmontiert. 

Die anderen Standorte seien in der Vergangenheit sukzessive abgebaut worden, da laut den der Gemeinde vorliegenden Unterlagen die Vorhaltung der Telefonzellen für die Telekom aufgrund laufender Unterhaltungskosten einerseits geringem bis hin zu teilweise gar keinem Umsatz andererseits unwirtschaftlich war, so Sabrina Knappe weiter. Die letzten Zellen standen in Mollsiepen, In der Lieth, Strücken und auf dem Rathausplatz. 

Spormecke wichtiger Standort 

„Wir wissen um die geringen Nutzungshäufigkeiten der Anlagen. Doch wir müssen auch Kompromisse aushandeln“, erklärt die Gemeindemitarbeiterin. Trotz des vermehrten Wunsches des Anbieters nach dem Abbau bestimmter Zellen muss die Verwaltung auch ihre Anliegen durchsetzen: Etwa an der Grundschule Spormecke, die vor der Zerstörung der Zelle ein wichtiger Standort für die Kinder war. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder Grundschüler bereits ein Smartphone besitzt.“ Dort soll, so die Auskunft der Telekom, als Ersatz für die kaputte Zelle ein sogenanntes Basistelefon eingerichtet werden, welches für eine Notrufalarmierung genutzt werden kann.“ 

„Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, sagt Andre Hofmann, Pressesprecher bei der Deutschen Telekom. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen nimmt dementsprechend ab.“ Es gebe aber immer noch Orte mit einer hohen Nutzung von Telefonzellen, etwa Flughäfen oder Bahnhöfe. Bundesweit betreibt die Deutsche Telekom noch insgesamt rund 20 000 Anlagen. 

Rückbau hat finanzielle Gründe 

Dass das Unternehmen sein Netz an öffentlichen Fernsprechern zurückbaut, hat auch finanzielle Gründe, denn der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung. Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände habe die Telekom aus diesem Grund vereinbart, dass sie Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen darf, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen. Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort festhalten wolle, werde über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon gesprochen. Die Gemeinden würden immer von der Telekom informiert, es werde nichts einfach so „über Nacht“ abgebaut.

Hintergrund und Aufruf

Alte Telefonstationen werden fachgerecht entsorgt beziehungsweise Ersatzteile daraus gewonnen. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, eine alte Telefonzelle von der Telekom zu kaufen. Informationen über Preise und Konditionen gibt es unter info@telekom.de.

Die Redaktion möchte in diesem Zusammenhang die ehemaligen Telefonzellen im Gemeindegebiet einmal in Erinnerung rufen. Wer kann sich denn noch an die alten Standorte in Schalksmühle erinnern? Gab es auch Fernsprecher in den Außenbezirken? Wenn ja, wo standen sie? Wer verbindet sogar besondere Erlebnisse mit den gelben Telefonhäuschen in seiner Heimat? 

Und falls jemand eine ausrangierte Telefonzelle erworben hat, wie wird diese genutzt? Per Telefon unter Rufnummer 02353/922186 oder per E-Mail an schalksmuehle@mzv.net sammelt die Redaktion die Erinnerungen der Leser.

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