„Ich habe mir durch Kiffen den Abschluss versaut“

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Antje Schmidt leitet das Wahlpflichtfach. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ In der Ecke eines Sofas sitzt ein Mann in dunklem T-Shirt. Sein Kopf ist in die Hand gestützt: „Ich habe in eurem Alter mit dem Alkoholtrinken angefangen. Und dann ging es ganz schnell“, sagt der Mann mit leiser Stimme, dann senkt er seinen Blick.

Heute ist er alkoholabhängig und einer von insgesamt zwölf Bewohnern des Hauses Neuer Kronocken in Hagen Hohenlimburg. Dort bekommen wohnungslose, alkohol- oder drogenabhängige Menschen die Möglichkeit, ihre Krankheit zu besiegen und zurück ins Leben zu finden.

Wie die Menschen in der Einrichtung leben, davon konnten sich jetzt Schüler der Verbundschule Löh einen Eindruck verschaffen.

Seit Anfang dieses Jahres gibt es in der Verbundschule ein Wahlpflichtfach Suchtprävention. Unter der Leitung der Suchtkrankenhelferin Antje Schmidt lernen elf Mädchen und Jungen der siebten und achten Klasse alles rund um das Thema Abhängigkeit und deren Folgen.

Neben theoretischen Stunden stellt Schmidt ihren Schülern auch immer wieder suchtkranke Menschen vor, die aus ihrem Leben erzählen. „Das finde ich sehr interessant“, erklärte die 13-jährige Jenny Ortwein. Auch Denise Koeltze (14) zeigte sich von den Erfahrungsberichten beeindruckt: „Ich finde das Wahlpflichtfach gut, weil man so viele neue Dinge lernt.“

Jetzt stand bei den Schülern der Besuch des Hauses Neuer Kronocken auf dem Stundenplan. Für Antje Schmidt, die in der Einrichtung als Pflegehelferin tätig ist, eine Herzensangelegenheit. „Sie haben schon so viel gehört. Aber ich wollte, dass sie auch die Möglichkeit bekommen, sich einmal eine Einrichtung wie diese hier anzusehen“, erklärte Schmidt, die ihren Kollegen im Haus und der Schulleiterin der Verbundschule, Daniela Schröder, für deren Unterstützung sehr dankbar ist.

Für die Bewohner des Hauses war der Besuch der Schüler eine willkommene Abwechslung. Bereitwillig führten sie die Mädchen und Jungen in zwei Gruppen durch die Räume. Das Haus gehört zum sozialtherapeutischen Einrichtungsverbund Heimathof von Bethel.regional. Aufgenommen werden Menschen, die alkoholkrank oder abhängig von sogenannten leichten Drogen wie Cannabis und Speed sind. Henning Ebbinghaus, Sozialpädagoge im Haus Neuer Kronocken, ist verantwortlich für die Hälfte der Klienten. Seine Kollegin Annette Hein kümmert sich um die übrigen Betroffenen. Ebbinghaus freute sich über den Besuch der Schüler: „Es ist schön, dass ihr euch dafür interessiert. Gerade bei illegalen Drogen merkt man nicht gleich beim ersten Mal eine körperliche Abhängigkeit. Die Gefahr ist, dass es einem gefällt. Dann kommt die psychische Abhängigkeit. Ich kann euch nur raten, probiert es gar nicht erst aus!“

Nach dem Rundgang durch das Haus kamen die Schalksmühler mit den Bewohnern schnell ins Gespräch, erfuhren viel über deren Leben. „Ich finde es wirklich interessant hier. Ehrlich gesagt, habe ich mir Menschen mit Alkoholsucht anders vorgestellt. Man kann gut mit ihnen reden“, zog der 14-jährige Dieter Rittinghaus ein positives Fazit vom Besuch des Hauses. „Drogen und Alkohol sind nicht gut für uns. Das nehme ich von diesem Tag auf jeden Fall mit nach Hause“, sagte Elisa Schorre. Diese Erkenntnis hätte sich auch einer der Bewohner gewünscht. „Ich kann euch nur ans Herz legen, die Schule gut zu machen. Ich habe mir durch das Kiffen den Abschluss versaut. Das wurmt mich heute noch. Deshalb, bitte, bitte, macht eure Schule fertig“, gab der Mann den Schülern mit auf den Weg. ▪ jape

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das durch eine Spende auf folgendes Konto:

Stadtsparkasse Wuppertal, Bankleitzahl: 330 500 00, Kontonummer: 60 60 61, Verwendungszweck: Antje Schmidt, Schulprävention

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