Tankstellen-Prozess

Tankstellen-Überfall: Zeugen angehört

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Schalksmühle/Hagen - Tankstellen-Prozess geht am Landgericht Hagen in die nächste Runde. Zeugen wurden verhört.

Eher verstärkt hat sich am zweiten Verhandlungstag des Tankstellenraubes der Verdacht, dass der 22-jährige Angeklagte am 7. Oktober auch der Räuber in der Total-Tankstelle gewesen sein könnte. „Ich war mir sicher, dass er das war“, erinnerte sich die 29-jährige Kassiererin an ihren ersten Eindruck, nachdem sie die Messerklinge am Hals gespürt und zwei kleine Schnittwunden bekommen hatte. „Er war öfters als Stammkunde da.“ 

Trotz teilweiser Vermummung habe sie einen kurzen Blick auf das Gesicht des Täters werfen können. „Man kennt das Gesicht. Ich habe ihn ja oft gesehen.“ Aus der Beobachtung, dass die Klinge sich „sehr fein“ angefühlt hatte, schloss sie auf ein Teppichmesser in der Hand des Räubers, der mit etwa 500 Euro entkam. 

Die 29-Jährige gab ihren Job trotz des Überfalls nicht auf: „Ich bin immer noch ein bisschen nervös“, erklärte sie auf Nachfrage. „Die ersten zwei, drei Wochen waren hart.“ Albträume hätten sie gequält, und sie habe sich nicht mehr vor die Tür getraut. Merkwürdig mutet die Zeit des Überfalls an: Um 17 Uhr waren zahlreiche Kunden auf dem Tankstellengelände und im Verkaufsraum. 

Zeugen haben Angeklagten gesehen

Und so gab es einen weiteren Zeugen, der sich während der polizeilichen Vernehmung noch einigermaßen sicher gewesen war, dass er den Angeklagten am Tatort gesehen hatte. „Ich kenne ihn von früher – von der Schule“, begründete er die Bekanntschaft, die aber nie den Rang einer engeren Freundschaft erreicht habe. Nun bemühte der Zeuge sich offenkundig, seine spontane Gewissheit zu relativieren. Die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt wies ihn darauf hin, dass er den Angeklagten bei der Polizei als die Person benannt hatte, die er wiedererkannt haben wollte. „Das ist eine Person, die mir in den Kopf kam“, erklärte der Zeuge seine damalige Aussage. 

Auch seine Beobachtungsmöglichkeiten schränkte er gegenüber früheren Angaben ein: Bei der Polizei hatte er noch zu Protokoll gegeben, dass ihm die Augen des Täters aufgefallen seien. Nun behauptete er, die Augen bei der momentanen Begegnung gar nicht gesehen zu haben. Zusammenfassend distanzierte er sich von seinem spontanen Eindruck: „Ich kann jetzt nicht sagen, dass er es war.“ Er habe der Polizei auch schon in der ersten Vernehmung gesagt, dass die Nennung des Namens des Angeklagten „nur eine Vermutung“ gewesen sei. 

Nach einem Hinweis seines Vaters, dass die Polizei ihn suche, hatte sich der 22-Jährige auf der Polizeiwache Lüdenscheid gemeldet. „Er hat nicht den Eindruck gemacht, dass er überrascht war von dem Tatvorwurf“, erinnerte sich ein Polizeibeamter an jenen Abend. Letztlich habe sich der Beschuldigte überhaupt nicht zum Tatvorwurf geäußert. Seit jenem 7. Oktober befindet sich der 22- Jährige in Untersuchungshaft.

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