Klimawandel

Mit Pilz gegen die Trockenheit - Innovative Idee soll Primus-Schulgarten retten

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Gegen die Trockenheit: 19 Schüler der Lerngruppe Jupiter erlebten während des Vertretungsunterrichts eine besondere Lehrstunde in Sachen Pflanzenbewässerung.

Erneut mussten die Meteorologen einen trockenen Sommer vermelden – eine Entwicklung, die nicht zuletzt Landwirte und Gärtner vor große Probleme stellt, fehlt mit dem Wasser doch die Quelle des Lebens für Flora und Faune. Wie eine Lösung für den heimischen Garten aussehen könnte, erfuhren jetzt 19 Schüler der Lernstufe 2 an der Primusschule.

Schalksmühle - Der Corona-bedingte Vertretungsunterricht der Lerngruppe Jupiter beinhaltete am Montag nämlich eine besondere Überraschung. Zusammen mit Lehrerin Claudia Dossow ging es in den benachbarten Schulgarten, wo die Schüler schnell feststellen mussten, dass auch dort die Trockenphasen der vergangenen Monate den Bäumen und Pflanzen nicht gut getan haben. Dies hat die Lehrkraft, die 2019 die Verantwortung für das Gartenareal übernommen hat, schon vor längerer Zeit festgestellt. Bei einem Ausflug an den Rand des westlichsten Ruhrgebiets in der zurückliegenden Woche stieß sie auf eine mögliche Lösung für das Wasserproblem.

„Ich bin auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort auf etwas Interessantes gestoßen“, erklärte Claudia Dossow den Schülern, die sich mit ihr vor allem um die Apfelbäume im Schulgarten Sorgen machen. „Mein Mitbringsel soll der Natur nur einen kleinen Schubs geben, damit sie sich selber helfen kann.“ 

Mitbringsel: Primusschullehrerin Claudia Dossow präsentierte den Schülern einen speziellen Wurzelpilz.

Die Firma Terrafit aus dem süddeutschen Maroldsweisach stellte auf der Schau einen besonderen Wurzelpilz vor. Der Mykorrhiza soll, wenn er an die Wurzel eines Baumes gebracht wird, mit dem Gehölz eine Symbiose eingehen. Diese Partnerschaft versorgt der Pflanze mit mehr Nährstoffen und vor allem mit Wasser. Der Pilz ernährt sich hingegen von Kohlehydraten aus dem Baum. 

Die Apfelbäume, so wünscht es sich Claudia Dossow, sollen so belebt werden. Sie bekam, nachdem sie den Verantwortlichen der Firma vom Schulgarten der Primusschule erzählte, eine Pilz-Probe geschenkt. „Im nächsten Jahr haben die Bäume vielleicht schon viel mehr Blätter und tragen ordentlich Früchte.“ Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, mussten auch die Schüler mit anpacken. Mittels eines schweren Hammers und eines Stecheisens trieben sie bei ihrem Ausflug in den Garten rund um die Stämme der Bäume 30 Löcher in die Erde. In diese steckten sie kurze Schlauchstücke, die mit Pilzsporen gefüllt waren. In gut acht Wochen ist es erforderlich, dass die Bäume mit Naturdünger, den die Lehrerin ebenfalls in Kamp-Lintfort kostenlos erhielt, versorgt werden.

Was ist der Mykorrhizapilze?

Mykorrhizapilze liefern der Pflanze Nährsalze und Wasser. Dafür erhalten sie einen Teil der bei der Fotosynthese entstehenden „Abfallprodukte“, darunter Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphat oder Mineralstoff. Im Gegensatz zu anderen Bodenpilzen fehlen vielen Mykorrhizapilzen Enzyme zum Abbau komplexer Kohlenhydrate. Deshalb sind sie auf die Versorgung durch die Pflanze angewiesen. Zudem erhöhen sie auch die Trockenresistenz der Pflanzen. Wegen ihrer Fähigkeit, Nährstoffe direkt an die Wurzeln von Nutzpflanzen zu liefern, wird derzeit untersucht, ob sich die Pilze als Ersatz für Mineraldünger einsetzen lassen.

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