Nachlassverwalter klärt auf: "Nachfolge sollte glasklar sein"

+
Der Schalksmühler Rechtsanwalt und Nachlasspfleger André Trimpop rät seinen Klienten, für den Ernstfall eine „glasklare“ Nachfolge geregelt zu haben.

Schalksmühle - Wenn ein Familienmitglied verstirbt, dann sind die Menschen nervlich oft am Boden zerstört. Dennoch müssen sie sich mit vielen bürokratischen Angelegenheiten beschäftigen. Nachlasspfleger und Rechtsanwalt André Trimpop gibt einen Überblick, wie man sich auf den Tod aus rechtlicher Sicht vorbereiten kann.

Der Schalksmühler kümmert sich um die Regelung des Nachlasses eines Verstorbenen. Er wird dazu von Amtsgericht Lüdenscheid bestellt. In seiner Berufspraxis erlebt er aber immer wieder Fälle, wo nicht alle Erbangelegenheiten oder andere Sachen geregelt sind. „Zahlreiche Dinge sind zu beachten. Eine Nachfolgeplanung sollte immer glasklar sein. So sollte auch ein Testament sauber sein. Sonst ist das Chaos perfekt. Bei einer vernünftigen Planung kann ein Spezialist helfen.“

Wann ist ein klar geregelter Nachlass wichtig?

Bei großen Vermögen oder Grundstücksbesitz, erklärt der Anwalt. Ohne Testament greift hier die gesetzliche Erbfolge. Deshalb rate ich den Leuten dazu. Das Schreiben über den Nachlass muss irgendwo gut hinterlegt sein. Ein offizielles Testament kann etwa bei einem Notar aufbewahrt werden, ein privates beim Amtsgericht. So können offizielle Stellen im Ernstfall schnell darauf zugreifen.

Sollte man eine Vorsorgevollmacht haben?

Sie ist von Vorteil. Denn sie wirkt über den Tod hinaus. Nach dem Tod stürzt auf die Familien viel ein. So können sie oder der benannte Betreuer schnell agieren. Sie regelt viele Belange, etwa Zugriff auf Konten. Eine solche Vollmacht gilt ab dem Zeitpunkt, wenn ein Mensch nicht mehr handeln kann, aber noch lebt. Sie ist auch für junge Familien gut. Sie gilt nicht nur im absoluten Ernstfall.

Was ist eine Patientenverfügung?

Sie dient der Beachtung und Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechtes eines Patienten im Falle der Handlungsunfähigkeit. Darin wird der individuelle Wille der Person festgelegt. Für Ärzte ist sie von Vorteil, damit keine Zwangsbehandlung entsteht. Sie handeln im Zweifelsfall immer für das Leben. Auch für Familien ist es eine schwierige Situation, über die weitere Behandlung oder Nicht-Behandlung eines Angehörigen Entscheidungen zu treffen. Deshalb muss in der Patientenverfügung der Wille klar formuliert sein. Auch ein Bevollmächtigter sollte darauf achten, ob ein Patient seinen Willen bekundet hat.

Welche Probleme können auftreten?

Wenn Erben Bevollmächtigte sind, dann haben sie auch Zugriff auf alles. Man sollte sich gut überlegen, wen man bevollmächtigt. Dieser Person muss man zu 100 Prozent vertrauen. Man kann aber auch einen Ersatzbevollmächtigten benennen, der im Notfall einspringen soll.

Für den Fall des Todes – was ist zu beachten?

Bestattungsvorsorgeverträge sind von Vorteil. Dabei wird eine bestimmte Summe auf ein Treuhandkonto eingezahlt. Das erleichtert es den Angehörigen, Dinge zu regeln. Das Geld deckt dann die Kosten für die Beerdigung und die Grabpflege ab. Auch hier ist eine fachliche Beratung wichtig, um eine individuell angepasste Lösung zu finden.

Wo sollten wichtige Unterlagen gelagert werden?

Sie sollten bei der Bundesnotarkammer hinterlegt werden, sagt André Trimpop.

Was ist mit dem Sorgerecht im Ernstfall?

Auch das kann geregelt werden. Eine Sorgenrechtsverfügung wirkt ab dem Tod, sie wird in Testamentform aufgesetzt. Darin wird klar geregelt, wer sich um die Kinder kümmern soll. Das muss aber vorher mit der entsprechenden Person besprochen worden sein.

Wie sieht es mit digitalem Nachlass aus?

Passwörter und andere Zugangsdaten sollten für die Hinterbliebenen hinterlegt sein. Teilweise ist es nämlich richtig kompliziert, bei den ausländischen Firmen etwas zu erreichen oder Zugang zu bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare