Inklusion im Schulalltag: Schwierig für alle Beteiligten

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In Sachen gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen soll an der Grundschule Spormecke nicht alles rund laufen. Das beklagt eine Mutter, deren Sohn dort Probleme aufgrund einer sozial-emotionalen Störung hat.

Schalksmühle - Die Landesregierung wolle den Schulträgern in Kürze verbindliche Qualitätsstandards für die sogenannte Inklusion vorgeben, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Das die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen in den Schulalltag nicht einfach ist, wird immer wieder deutlich. Diese Erfahrung hat auch eine Mutter aus Dahlerbrück gemacht.

Noch vor der Sommerpause wird die Regierung Eckpunkte zur Neuausrichtung vorlegen. Dann wird der Sohn der Dahlerbrückerin, deren Name der Redaktion bekannt ist, sein Abschlusszeugnis bekommen und an eine weiterführende Schule wechseln. Seine Mutter ist froh, dass er dann nicht mehr die Grundschule Spormecke besuchen muss. Die Probleme seien zu groß geworden – trotz Begleitung und Sozialarbeit. Der Junge leidet, so die Mutter, unter einer sozial-emotionalen Störung. Er habe Probleme, seine Wut zu kontrollieren. 

Ohne Bedenken eingeschult 

Ralf Gensmann, Leiter der Grundschule Spormecke, nimmt zu den Vorwürfen so weit als möglich Stellung.

„Bei der Aufnahme an der Schule ist man damals davon ausgegangen, dass man mit diesem Problem zurechtkommt“, sagt die Schalksmühlerin. Dass das nicht der Fall sei, habe die Mutter schnell bemerkt. Die Wutausbrüche des Sohnes würden die Lehrkräfte nach Angaben der Mutter überfordern – trotz des Einsatzes einer Integrationskraft. „Die ganze Last wird auf die Inklusionshelfer abgewälzt“, klagt die Frau. Der Junge verbringe deshalb, sagt die Mutter, mehr Zeit vor der Tür als im Klassenzimmer. Die Noten des Sohns seien deshalb auch schlechter geworden. 

Doch nicht nur die Erwachsenen würden immer wieder mit dem Jungen anecken. Auch die Schüler hätten zwischenmenschliche Probleme miteinander. Ihr Sohn werde gemobbt und gereizt. So würden Wutausbrüche provoziert. „Der Junge ist aggressiv, und er schläft nicht mehr.“ Einen Nackenschlag habe der Junge erlebt, als er aufgrund seiner Ausbrüche nach vielem Hin und Her von der Abschlussfahrt nach Wangerooge ausgeschlossen wurde. Als Begründung sei die Gefährdung der Mitschüler angeführt worden. „Das war ein absoluter Einbruch bei meinem Sohn.“ 

Probleme belasten Familie 

Dass der Junge „schwierig“ ist, das sieht die Dahlerbrückerin nach eigener Aussage auch ein. Doch sie wolle ihn nicht in eine stationäre Therapie stecken. „Die Probleme belasten die ganze Familie. Vom Jugendamt wurde uns gesagt, dass sich im häuslichen Bereich etwas ändern muss.“ Zwar erhält die Familie eine Hilfe zur Erziehung, aber das reiche nicht aus. Ihr Sohn wird in Kürze an die Primusschule wechseln, doch die Mutter denkt auch an die Kinder, die nach dem Jungen die Schule besuchen. 

ZUm Wohl aller Beteiligten 

Zu den Vorwürfen nimmt Ralf Gensmann, Leiter der Grundschule Spormecke, Stellung. Zu einem laufenden Verfahren wolle und darf er keine Auskünfte geben – zum Schutz aller Beteiligten und gerade zum Wohl des Jungen. Die Eltern hätten großes Vertrauen, dass die Grundschule dieser Aufgabe nachkommt. „Für mich gehört so etwas nicht in die Öffentlichkeit. Da habe ich Angst vor einem Shitstorm. Doch meine Tür steht immer offen.“ 

Er ist – trotz der großen Anstrengungen, die die Fachkräfte Tag für Tag aufbringen müssen – davon überzeugt, dass an „seiner“ Schule das gemeinsame Lernen funktioniert. Er sei ein großer Verfechter der Inklusion. Zumal Gensmann vom Fach ist: Vor seiner Tätigkeit an der Spormecke leitete er acht Jahre lang die mittlerweile geschlossene Förderschule an der Susannenhöhe in Halver.

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