Online-Blumenhandel: Chance statt Konkurrenz

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Monika und Klaus Rössler sehen den Online-Handel, Supermärkte und Tankstellen nicht als Konkurrenz. Wenn anderswo günstige Blumen angeboten werden, könne sich ein Florist auf hochwertigere Sträuße und Arrangements spezialisieren.

Schalksmühle - Ein Geburtstag, ein Jubiläum oder ein besonderer Feiertag stehen an, aber eine Sache fehlt noch: der Blumenstrauß. Wenn es etwas Einfaches sein soll, können auch Schalksmühler schon lange auf Sträuße aus dem Supermarkt oder der Tankstelle zurückgreifen. Aber schadet das den lokalen Floristen? Klaus Rössler, dessen Familie die Schalksmühler seit mehr als 70 Jahren mit Blumen versorgt, findet nein. Der Grund dafür ist denkbar einfach.

„Floristik ist Handwerk“, sagt Rössler. Mit Supermärkten und Tankstellen müssten sich er und seine Kollegen daher erst gar nicht messen. Und tatsächlich haben Blumenhändler einen entscheidenden Vorteil: Sie können die Kunden individuell beraten und auf besondere Wünsche oder Anlässe eingehen. Mindestens zweimal die Woche fährt Rössler dafür zum Großmarkt nach Dortmund. „Die Gärtner schneiden ihre Blumen auf dem Feld und ich kaufe sie einen Tag später ein. Frischer geht es nicht“, sagt er. „Vernünftige Qualität, saisonale und regionale Ware, das geht nur vor Ort. Das kann auch das Internet nicht.“ 

Schon lange vor Fleurop und Co. online 

Auch den Online-Blumenhandel sieht der Geschäftsinhaber nicht als Konkurrenz an. Ein Grund, warum er so entspannt bleiben kann, ist, dass Fleurop – einer der größten Online-Blumenhändler – mit den Floristen vor Ort zusammen arbeitet. So verschicken die Rösslers über das Netzwerk Blumengrüße in Schalksmühle, Halver, Breckerfeld und Rummenohl.

Online waren Blumen von Rössler übrigens schon lange vor Unternehmen wie Fleurop, Blume2000 und Floraprima. In den 90er-Jahren habe der computeraffine Rössler mit einem Freund den Blumenhandel online gehen lassen. Bestellungen wurden dann über das bereits bestehende, aber noch offline agierende Fleurop-Netzwerk weitergeleitet. Angewiesen ist Rössler jedoch laut eigener Aussage nicht auf den Online-Handel: „Das ist ein Service, den man mit anbietet. Es ginge aber auch ohne.“ 

Online waren Rösslers schon vor Unternehmen wie Fleurop, dem Netzwerk gehören die Schalksmühler aber ebenfalls schon lange an. Trotz allem sei das Geschäft nicht vom Online-Handel abhängig.

Diese entspannte Haltung hatte aber auch Rössler nicht immer. „Als Obi und andere Baumärkte mit den Gartencentern anfingen, haben wir alle gesagt ,Wir werden alle sterben!‘“ Als die Supermärkte Blumen in ihr Sortiment aufgenommen hatten, habe es genau dieselbe Reaktion gegeben. Und Zahlen zeigen: Ganz unbegründet war diese auch nicht. So sei laut dem Bundesfachverband Deutscher Floristen (FDF) die Zahl der Blumengeschäfte in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Viertel zurückgegangen. Anfang des Jahres waren es noch zwischen 10 000 und 12 000 Geschäfte. So dramatisch, wie das klingt, sieht es Klaus Rössler nicht. „Es haben nur die zugemacht, die sowieso nicht überlebt hätten.“ 

Schöne Arrangements, ein plätschernder Brunnen im Hintergrund und Dekoration passend zur Jahreszeit gibt es nur beim Floristen vor Ort. Auch der persönliche Service ist ein entscheidender Vorteil.

„Immer nach der Zeit richten“ 

Insgesamt würden den Floristen zwar besonders die Topfpflanzen durch große Gartencenter abgenommen, schlimm sei das allerdings nicht. Auch auf den Verkauf von günstigen Blumen in Supermärkten habe man sich einstellen können. „Man kann zum Beispiel günstige Blumen aus dem eigenen Sortiment herausnehmen“, erklärt er und fügt hinzu: „Man muss sich immer nach der Zeit richten, dann passt das schon.“

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