„Nie wieder Krieg“

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„Nie wieder Krieg!“, mahnt Manfred Trimpop, der die Erinnerungsstücke an seinen früh verstorbenen Familienangehörigen vor Jahren von seinem Vater zur Aufbewahrung erhielt.

Schalksmühle - Die Eintrittsstelle der Kugel, die den jungen Friedrich August Trimpop in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs tötete, ist auf der Ledertasche, in der der Schalksmühler Briefe und persönliche Notizen aufbewahrte, deutlich zu sehen. Seitlich streifte das tödliche Geschoss den kleinen Tornister, den sein Nachkomme Manfred Trimpop zum Gedenken an den gefallenen Bruder seines Großvaters bis heute aufbewahrt.

„Wäre die Kugel in der Mitte eingeschlagen, hätte er vielleicht überlebt“, mutmaßt der Schalksmühler, der anhand des sinnlosen Todes seines Familienangehörigen vor 100 Jahren mit Nachdruck die Forderung „Nie wieder Krieg!“ formuliert. 

Stellvertretend für millionenfaches Leiden und Sterben sei an dieser Stelle an das Schicksal des Friedrich August Trimpop, der am 11. September 1918 – exakt zwei Monate vor Ende des Ersten Weltkriegs – an den Folgen einer Verwundung starb, erinnert. „Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren zu Ende gegangen ist“, betont Manfred Trimpop. „Und es ist wichtig, sich darauf zu besinnen, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholen darf.“ 

In dieser kleinen Ledertasche, die an der Seite die Eintrittsstelle der tödlichen Kugel zeigt, bewahrte Friedrich August Trimpop Briefe und persönliche Notizen auf.

Über den Lebenslauf seines Urgroßvaters, der damals mit seinem Zweitgeborenen den Hoferben verlor, die Briefe und Recherchen mithilfe der Deutschen Kriegsgräberfürsorge verfolgte Manfred Trimpop die Lebensspuren des Gefallenen. Die 100 Jahre alte Tasche mit den persönlichen Notizen übergab ihm sein Vater vor Jahren zu treuen Händen. „Zwei Monate vor Ende des Krieges war jeder Tod umsonst“, reflektiert der Schalksmühler nachdenklich. „Da war bereits alles entschieden.“ 

Friedrich August Trimpop, der wie unzählige andere nicht aus dem Krieg zurückkehrte, musste 20-jährig sein Leben für Kaiser und Vaterland lassen. Sechs Tage vor seinem 21. Geburtstag starb er in einem französischen Lazarett einen einsamen Tod. Ein Brief seiner Schwester Elisabeth mit guten Genesungswünschen hatte ihn noch wenige Tage vor seinem Tod erreicht. Auch dieser Brief, fein säuberlich in Sütterlinschrift geschrieben, befindet sich noch unter den Briefen, die sich im Familienbesitz erhalten haben. 

Das Soldatenfoto befand sich unter den persönlichen Unterlagen, die an Friedrich August Trimpop (links vorn) – Erbe des Hofes Mesekendahl – erinnern.

Geboren wurde Friedrich August Trimpop am 17. September 1897 auf dem Hof Mesekendahl. Das Wildgehege, das heutzutage ein beliebtes Ziel für Familienausflüge ist, gab es damals noch nicht. Wie aus den Lebenserinnerungen von Manfred Trimpops Urgroßvater und einer Todesanzeige hervorgeht, war Friedrich August Trimpop Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Winkeln. Als Soldat war er als Schütze bei der 3. Flugabwehr MG Abteilung 918 in Frankreich stationiert. 

Wie es ihm erging, welche Gräuel, welche Entbehrungen er erlitt, lässt sich nur vage erahnen. Bei Chambry erlitt er die Verletzung, von der er sich nicht mehr erholte. Sein Grab liegt auf dem Kriegsgräberfriedhof Montaigu I. Block 5, Grab 168, hat Manfred Trimpop herausgefunden. Anstelle des Gefallenen übernahm letztlich Hermann Trimpop, Manfred Trimpops Großvater, nach dem Krieg das Hoferbe in Mesekendahl.

Weitere Schicksalsschläge Weitere Schicksalsschläge erfuhr die Familie, als zwei weitere Söhne Jahre später nicht mehr aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrten. „Es ist wichtig, sich an die Historie und das Ende der Weltkriege zu erinnern“, findet Manfred Trimpop. „Man muss dafür kämpfen, dass es keinen Krieg mehr gibt.“ Ein Besuch des Grabes von Friedrich August Trimpop, um einen Kranz niederzulegen, ist seitens der Familie geplant. Angesichts vermehrter Debatten um die Aufhebung des Friedhofszwangs plädiert Manfred Trimpop eindringlich dafür, Friedhöfe als Orte der Erinnerung zu erhalten.

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