Verleihung am 2. Dezember

Ein Schalksmühler ist für Deutschen Zukunftspreis 2015 nominiert

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Ralf Bornefeld, Ingenieur aus Schalksmühle, ist mit der Entwicklung eines neuen Radarchips für die Automobilindustrie für den Deutschen Zukunftspreis 2015 nominiert.

Schalksmühle/München - Der Radarchip ist nur wenige Millimeter groß, die Bedeutung des High-Tech-Teilchens für die Sicherheit im Straßenverkehr dafür um ein Vielfaches größer

Mit dieser neu entwickelten Technologie soll die Zahl von fast 26 000 Verkehrstoten auf den Straßen der Europäischen Union im Jahr 2014 weiter deutlich gesenkt werden. Entwickelt hat den Radarchip der Schalksmühler Ingenieur Ralf Bornefeld mit seinen Kollegen Walter Hartner und Rudolf Lachner sowie einem mittlerweile 100-köpfigen Team der Infineon Technologies AG. Jetzt wurde das Trio für den Deutschen Zukunftspreis 2015 nominiert.

24 Projekte wurden für den mit 250 000 Euro dotierten Preis vorgeschlagen, drei schafften es in die Finalrunde, darunter die neue Radartechnologie für Autos von Bornefeld und seinem Infineon-Team. „Wir sind stolz in der Finalrunde zu sein, für uns ist das eine große Ehre“, sagte der gebürtige Schalksmühler, der mittlerweile in München lebt, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Entscheidung am zweiten Dezember

Am 2. Dezember wird der Deutsche Zukunftspreis für Technik und Innovation von Bundespräsident Joachim Gauck zum 19. Mal verliehen. Neben Bornefeld und seinen Forscherkollegen mit dem Radarchip haben es ein Team mit 3D-Druck im zivilen Flugzeugbau und eine Forschergruppe, die ein neuartiges Medikament gegen Lungenhochdruck entwickelt, in die Finalrunde geschafft. „Alle drei sind ganz tolle Entwicklungen, die ich absolut auf Augenhöhe sehe. Ich traue mich deshalb nicht einzuschätzen, welches Projekt am Ende den Preis gewinnt“, sagte Bornefeld.

Sicherer unterwegs mit Radarsensoren

Die Radartechnologie von Bornefeld, Hartner und Lachner soll das Autofahren noch sicherer machen. So können die im Fahrzeug eingebauten Sensoren beispielsweise Fußgänger erkennen, den toten Winkel überwachen, den Autofahrer bei zu geringem Abstand warnen oder sogar eine automatische Notbremsung durchführen.

Ralf Bornefeld leitet bei Infineon das Geschäftsgebiet „Sensoren für Automobilanwendungen“.

Das Besondere an den Radarchips von Infineon sind zwei Innovationen in der Fertigungs- und Gehäusetechnologie. „Damit haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dass sich Radarsensoren kostengünstig herstellen lassen und so auch für Autos der Klein- und Mittelklasse rentabel werden“, erklärte Bornefeld.

Zahl der Chips von bis zu neun auf zwei reduziert

Beim Material setzten die Forscher auf Silizium-Germanium, so dass sich erprobte Fertigungstechnologien nutzen lassen, die bei der Massenproduktion von Prozessoren seit Langem im Einsatz sind. „Das senkt die Herstellungskosten von Radarsensoren deutlich“, so Bornefeld. Zudem fassten der Schalksmühler und sein Team die Sende- und Empfangsfunktionen des Sensors von einstmals bis zu neun auf jetzt nur noch zwei Radarchips zusammen und entwickelten für diese ein robustes Gehäuse, das die weitere Verarbeitung beim Systemhersteller für das Auto einfacher und billiger macht. Die Sensoren für Sicherheitssysteme lassen sich damit so kostengünstig herstellen, dass sie auch für Kleinwagenkäufer attraktiv geworden sind.

„Schon 1998 wurde erstmals ein Abstandsregelautomat in einen Mercedes der S-Klasse eingebaut und kostete rund 5000 DM. In 2009 waren dank unserer Radarchiptechnologie die Zusatzkosten für einen Radarsensor auf etwa 1000 Euro gesunken und damit war er auch für die Mittelklasse verfügbar. Mittlerweile kostet ein radarbasierter Notbremsassistent für beispielsweise einen Smart einen Aufpreis von nur noch etwa 250 Euro“, sagt Bornefeld.

Schon zehn Millionen Chips verkauft

In den vergangenen fünfeinhalb Jahren hat Infineon zehn Millionen dieser neu entwickelten Radarchips verkauft. Allein in den kommenden zwölf Monaten rechnet das Münchener Unternehmen mit weiteren zehn Millionen Chips, die weltweit abgesetzt werden. Im Rahmen der Preisverleihung am 2. Dezember werden auf der Gala in Berlin die drei Projekte mit Einspielfilmen und einer kurzen Fragerunde nochmals vorgestellt, ehe Bundespräsident Gauck den Sieger bekannt gibt. „Bis dahin bleibt es also spannend, auch wir erfahren vorher nichts“, sagte Ralf Bornefeld.

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