Schalksmühler Christian Breddermann stand vor der Wahl

Warum sich dieser Polizist entschied, Berufsmusiker zu werden

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Christian Breddermann hat sich für den Musikerberuf entschieden.

Schalksmühle - Fragte man Christian Breddermann bislang nach seinem Beruf, konnte er darauf keine präzise Antwort geben, denn der Schalksmühler bewegte sich in zwei unterschiedlichen Welten. Einerseits war der Polizeikommissar im Streifendienst unterwegs und sorgte mit seinen Kollegen für Sicherheit in Hagen und Umgebung.

Andererseits stand der Schalksmühler regelmäßig als Musiker auf der Bühne und ging als Mitglied der Duos Breddermann und „Ich und Du“ auf Tour. Nun hat sich Breddermann jedoch dazu entschieden, seinen Beruf als Polizist für die Musik an den Nagel zu hängen – zu sehr belastete den Vater eines kleinen Sohnes die Doppeltätigkeit. „Musiker und Polizist, das waren und sind meine absoluten Traumberufe“, erzählt Breddermann. 

Ursprünglich war der Schalksmühler in einem völlig anderen Bereich tätig. Nachdem er in der Ganztagsschule Löh den Hauptschulabschluss erlangt hatte, machte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Baumarkt und arbeitete dann in einem Vertrieb für Spannwerkzeuge. „Doch mit dieser Arbeit war ich unzufrieden und hatte bereits am Sonntag Magenschmerzen in dem Wissen, am Montag wieder zur Arbeit gehen zu müssen“, erinnert er sich. Also holte er sein Fachabitur nach und begann im Jahr 2009 den Ehrgeiz zu entwickeln, bei der Polizei zu arbeiten. „Zu dieser Zeit war ich extrem untrainiert, übergewichtig und konnte nicht schwimmen“, sagt er. Breddermann lernte bei der DLRG schwimmen und ist heute ausgebildeter Rettungsschwimmer – eine der vielen Voraussetzungen für Bewerber bei der Polizei. 

Ehrgeiz für den Polizeiberuf

„Beim ersten Einstellungstest in Münster hatte ich noch vier Kilo zu viel auf den Rippen, obwohl ich zuvor schon mindestens 20 Kilo abgenommen hatte“, erzählt Breddermann, „doch der Arzt ermutigte mich, es später noch einmal zu versuchen.“ Beim zweiten Versuch erwies sich der ehrgeizige Schalksmühler dann als topfit, bestand alle Prüfungen und durfte ein dreijähriges Studium an der Fachhochschule Hagen absolvieren.

Danach hatte es Breddermann geschafft – mit unglaublichem Ehrgeiz und Durchhaltewillen hatte er sein Ziel erreicht und arbeitete fortan als Polizeikommissar. „Das ist eine unglaublich spannende und vielseitige Tätigkeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat, obwohl man natürlich auch in viele gefährliche und unangenehme Situationen kommen kann. Oft beschimpfen die Leute dich, und du kriegst alles ungefiltert ab. Aber trotzdem war dies eine Arbeit, die mich motivierte und die ich immer machen wollte.“

Nicht nur am Schlagzeug ist der Schalksmühler musikalisch aktiv.

Doch auch die Musik nahm schon immer einen großen Stellenwert in Christian Breddermanns Leben ein, und die Kollegen hatten Verständnis und waren immer bereit, Dienste für einen Auftritt zu tauschen. „Die Kollegen von der Polizei hatten immer Verständnis für mich und kommen sogar als Besucher zu meinen Konzerten“, freut sich Christian Breddermann. „Sogar der Wachleiter hat mal bei einem Proberaumkonzert von mir vorbeigeschaut.“

Allerdings kam für den Schalksmühler, der in vielen Phasen seines Lebens als Polizeibeamter und Musiker nicht selten die Nacht durchmachte und sich nach eigener Aussage oft fühlte, „als sei ich von einem Trecker überrollt worden“, eines Tages der Punkt, wo er sich zwischen beiden Traumberufen entscheiden musste. „Ich kam zu dem Schluss, dass ich ohne die Polizei durchaus weiterleben konnte, aber auf keinen Fall ohne die Musik.“ 

150 Konzerttermine im kommenden Jahr

Die meisten Menschen in der Umgebung des Schalksmühlers erkannten, dass ebenso wie der Polizist auch der Musiker Christian Breddermann kein Traumtänzer ist. „Mir schwebt nicht der Megaerfolg vor, ich möchte einfach nur Geld mit der Musik verdienen und mein Leben und das meiner Familie damit finanzieren können“, meint Breddermann.

Somit hatten auch die meisten Menschen Verständnis, als er mit dem Gedanken spielte, schweren Herzens den Polizeiberuf aufzugeben, um gänzlich von der Musik zu leben. „Wir haben für das kommende Jahr bereits 150 Konzerttermine festgemacht und sind dabei, nun noch mehr Termine zu vereinbaren.“ So viele Gigs wären mit dem Polizeiberuf, der Schichtdienst erfordert, nicht vereinbar gewesen. 

Da ihm sein Musikerberuf wichtig ist, ist Breddermann, der überwiegend singt sowie an Cajon und Percussion-Instrumenten für den Rhythmus sorgt, auch bereit, Neues dazuzulernen. Derzeit nimmt der Schalksmühler Gesangs- und Klavierunterricht, um sich musikalisch weiterzuentwickeln. Zudem gibt er selbst Musikunterricht und arbeitet mit der Music Store Musikschule in Lüdenscheid zusammen. Durch das höhere Zeitkontingent, das ihm nun zur Verfügung steht, erhofft sich der Musiker nun auch ein höheres Maß an Lebenszufriedenheit.

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