Jörn Schönenberg blickt zurück

Jahresrückblick: Bürgermeister appelliert auf „Rücksicht und Solidarität“

Jahresrückblick in Schalksmühle
+
Rückschau und Blick in die Zukunft: Was hat Schalksmühle und das Kiepenlisettken auf dem Rathausplatz in 2020 bewegt und was wird im neuen Jahr wichtig sein?

Das auslaufende Jahr war vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt. Auch in Schalksmühle hat das Virus deutliche Spuren im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und auch kulturellen Bereich hinterlassen. Doch es gab auch weitere Themen, die in der Gemeinde von Bedeutung waren und es auch in 2021 seien werden. Bürgermeister Jörg Schönenberg wirft im Gespräch mit Martin Meyer einen Blick zurück, aber auch nach vorne.

Herr Schönenberg, welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Schalksmühle genommen? Welche Bereiche sind am stärksten betroffen?
In der Gemeinde gibt es viele Bereiche, die betroffen sind. Das sind zum einen im Besonderen Familien mit ihren Kindern. Ich denke da an die Kita-Einrichtungen und an die Schulen. Mit Blick auf den ersten Lockdown im März und auf den momentanen zweiten, der nun noch größer ist, sind das große Herausforderungen – auch vor dem Hintergrund der fehlenden Sozialkontakte. Vieles geht nicht mehr, die Spielplätze waren geschlossen, die Schwimmhalle ist zu, die Sportvereine haben ihren Betrieb zeitweise eingestellt. Das Leben ist sehr stark eingeschränkt.
Ich denke aber auch an die Älteren. Auch bei ihnen ist das Hauptproblem das Fehlen der sozialen Kontakte. Bestimmte Personengruppen in unserer Gesellschaft leiden stark unter der Krise. Zudem gibt es wirtschaftliche Folgen, die man insbesondere trotz aller Hilfen beim Einzelhandel, aber auch in der Gastronomie und bei einzelnen Unternehmen, die im globalisierten Bereich tätig sind, sieht. In solchen Situationen entstehen Ängste, gerade bei Mitarbeitern in Kurzarbeit. Das Ganze ist ein Paket, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Über die Schulden, die unter dem Strich dabei herauskommen, müssen wir dann zu gegebener Zeit sprechen.
Wo werden wir die Folgen der Pandemie auch im nächsten Jahr noch spüren?
Die Folgen werden wir im nächsten Jahr in allen Bereichen spüren. Nach dem 10. Januar wird nicht alles im grünen Bereich sein. Wir werden darüber sprechen können, wenn die Werte besser sind, ob bestimmte Lockerungen möglich sind. Aber wir werden den gesamten Sport- und Kulturbereich aber auch die Gastronomie weiterhin in abgespeckter Form erleben. Viele Schalksmühler Unternehmen haben in 2020 noch von der Auftragslage aus dem Vorjahr gelebt. Wie sich das entwickelt, muss man ebenfalls abwarten.
Ich glaube, viele setzen ihre Hoffnung auf die Impfung. Aber diese Hoffnung wird sich noch nicht in dem Maße in 2021 erfüllen, wie es sich der eine oder andere wünscht. Da muss man einfach Realist sein. Dass bedeutet, dass wir auch im neuen Jahr mit den Folgen der Pandemie, wenn auch in abgeschwächter Form, leben müssen. Wie stark die Folgen sind, hängt von den Werten ab. Und die stehen im Zusammenhang mit unserer eigenen Disziplin.
Was können wir aus der Krise lernen? Gibt es positive Aspekte?
Wir können sicherlich aus der Krise als Gesellschaft bei Themen wie soziales Miteinander und Rücksichtnahme viel lernen. Als positiven Aspekt würde ich die gelebte Gemeinschaft in Schalksmühle nennen. Wenn ich sehe, wie unter anderem soziale Organisationen, Feuerwehr oder DRK ihre Pflichten trotz Pandemie ehrenamtlich erfüllt haben oder sich andere um ihre Mitmenschen gekümmert haben, oder wenn ich sehe, wie sich unsere kirchlichen Vertreter vor Ort und einzelne Vereine eingebracht haben, dann zeigt sich, dass die Gemeinschaft funktioniert. Ich glaube, dass, wenn wir die Krise überstanden haben, wir aus ihr als gestärkte Gemeinschaft hervorgehen werden. Es gibt immer Menschen, die in einer Krise stärker verlieren als andere. Dann stellt sich die Frage, wie solidarisch wir sind. Man muss dann denen helfen, die besonders unter der Krise gelitten haben. Das zeichnet auch eine Gemeinschaft aus.
Was hat die Gemeinde neben Corona in 2020 geprägt?
Verbunden mit der Krise hat es einen großen Schub in Sachen Digitalisierung und Homeoffice gegeben. Ob in den Schulen oder im Rathaus, viele ging vorher nicht und ist jetzt doch möglich.
Zudem gab es allgemeine Themen, die etwas untergegangen sind. Der Ortskern wurde fertiggestellt, der Breitbandausbau hat begonnen. Die Vermarktung der Grundstücke in Stallhaus läuft gut. Wir haben die Planungen für die Kitas Löh und in Dahlerbrück vorangebracht. Wir haben die vorbereitenden Maßnahmen zum OGS-Ausbau an der Grundschule Spormecke gemacht. Bei der Gestaltung des Friedhofs Wippekühl sind die ersten Umsetzungen erfolgt. Ich denke an das Tourismus-/Mobilitätskonzept, und wenn ich mir den Glörpark in Dahlerbrück angucke, da kommt ja noch etwas aus dem Leader-Bereich.
Im negativen Sinne war für mich prägend, dass kulturell trotz aller Bemühungen vieler unterschiedlicher Akteure letztendliche alles am Boden liegt. Man hat versucht, das eine oder andere auf den Weg zu bringen. Aber das altbekannte Kulturprogramm, wie wir es kennen, hat in vergangenen Jahr nicht stattgefunden.
Hat die Kommunalwahl einen neuen Weg in Schalksmühle vorgegeben?
Zum einen muss die Kommunalwahl verarbeitet werden. Eine Bewertung käme aber noch zu früh. Man hat dort neue Entwicklungen gesehen, es gibt neue Gesichter. Wir werden sehen, wenn der Alltag einkehrt, ob dann die reinen Sachentscheidungen wieder im Fokus stehen. Wichtig ist, dass das Miteinander mit Respekt verfolgt wird. Das andere ist eine Sache von Persönlichkeiten. Ob mir das als Bürgermeister gefällt oder nicht, spielt keine Rolle. Die Welt verändert sich überall. Wir müssen uns aber bei den Sachthemen einig sein. Es mussten bislang immer Mehrheiten gefunden werden.
Über was haben Sie sich in 2020 am meisten gefreut und geärgert?
Am meisten habe ich mich über die Solidarität und den Gemeinschaftssinn, die ich hier in Schalksmühle gespürt und erlebt habe, gefreut. Im Bezug auf die Arbeit freut es mich, dass ich mich auf das Team in der Verwaltung und in den Außenstellen verlassen kann. Als Bürgermeister alleine ist man relativ wenig. Man braucht eine gute Mannschaft.
Geärgert habe ich mich über diejenigen, die sich, vorsichtig ausgedrückt, unbedacht nicht an die Spielregeln der Corona-Zeit nicht gehalten haben. Es geht hier um eines der wichtigsten Güter, die Gesundheit. Da erwarte ich bei allem Verständnis für gewisse Dinge, dass man Rücksicht übt und solidarisch miteinander umgeht.
Welchen Einfluss wird der Klimaschutz auf das gemeindliche Leben in 2021 nehmen?
Für mich hat er der Klimaschutz eine ganz immense Bedeutung. Ich mache das am Wald fest und sage jedem Schalksmühler „Geh’ bitte spazieren.“ Dort wo früher Wälder standen, ist heute die Fichte kaputt oder schon verschwunden. Corona hat vieles überdeckt. Doch das Thema Klimaschutz wird uns viel stärker tangieren, als dem einen oder anderen zur Zeit bewusst ist. Gerade die jungen Leute haben uns vor der Pandemie ganz stark daran erinnert und teilweise sogar wachgerüttelt. Der Klimaschutz geht aber nicht die Jugend alleine etwas an. Er muss unser aller Ziel sein, denn die Auswirkungen spüren wir überall, wenn wir uns die Talsperren, den Regen und die Stürme angucken. Man kann davor nicht die Augen verschließen. Die Natur zeigt, dass sie leidet. Klimaschutz fängt im Kleinen an, das heißt beim Bürger, bei der Kommune und geht weiter über alle staatlichen Stellen. Als Gemeinde müssen wir eine Vorbildfunktion haben. Der Klimaschutz muss dann auch mit den entsprechenden Ressourcen, auch im personellen Bereich, verankert sein. Wir haben schon immer ein bisschen Klimaschutz betrieben. Aber wenn er ganzheitlich angegangen werden soll, dann muss ich jemanden haben, der dort auch seine Akzente setzt. Das kann man nicht nebenbei machen.
Wer die Auswirkungen, wie auch bei Corona, leugnet, dem kann ich auch nicht helfen. Sie sind doch deutlich. Das sonst regnerische Sauerland ist so trocken wie noch nie. Wann haben wir den letzten richtigen Schnee gehabt? Mal sehen, ob wir, auch angesichts des Borkenkäfers, in ein oder zwei Jahren überhaupt noch von Wäldern sprechen. Man muss über dieses Thema nicht mehr diskutieren, sondern sich ihm stellen.
Welche anderen Dinge werden in 2021 für Schlagzeilen sorgen?
Eine Rolle spielen werden die Sanierung der Sporthalle Löh, die Entwicklung der Dritten Orte, das Vorantreiben des Breitbandausbaus und die Weiterführung des OGS-Ausbaus. Der Neubau der Kita Löh soll in 2021 fertig werden. Und ich habe schon den Bauantrag für die Erweiterung der Kita Dahlerbrück unterschrieben.
Was wünschen Sie sich für 2020?
Ich wünsche mir, dass die Menschen die Pandemie gut überstehen, dass sie in sicheren Arbeitsverhältnissen sind und dass wir die Werte in einem vernünftigen Rahmen halten. Letztendlich wünsche ich mir, dass für viele ab der zweiten Jahreshälfte ein Stück weit Normalität einkehrt und im privaten Bereich Gesundheit für meine Nächsten und für mich selbst. Für Schalksmühle wünsche ich mir, dass wir als Gemeinde keinen Stillstand haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare