Corona-Virus

Corona: Arztpraxen bemühen sich um Struktur im Infekt-Chaos

Corona-Test, Infektpatienten, Herbst- und Wintermonate
+
In den Herbst- und Wintermonaten ist es für Ärzte schwierig zu entscheiden, ob sie einen Corona-Test durchführen müssen.

Die Corona-Pandemie hat auch das Alltagsgeschehen in den Schalksmühler Arztpraxen fest im Griff. Mit speziellen Strukturen versuchen die Mediziner, die Herausforderungen zu meistern. Allgemeinmediziner Peter Kopycki gibt einen Einblick in das Praxisgeschehen an der Volmestraße.

Schalkmühle – Gerade jetzt in den Herbst- und Wintermonaten ist das Aufkommen an Infektpatienten auch ohne die Infektionskrankheit Covid-19 hoch. Für Ärzte ist es schwierig, zu entscheiden, wann jemand auch auf das Virus getestet werden muss. „Wir versuchen, uns an die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes zu halten. Doch diese wandeln sich ja stetig“, sagt Peter Kopycki, Arzt in der Gemeinschaftspraxis an der B 54.

Man ist in der Praxis dazu angehalten, weniger asymptomatische Patienten, also Menschen ohne oder kaum spürbare Symptome, zu testen. Ziel der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist es, die Anzahl der Tests zu reduzieren. Die Labore sollen damit entlastet und die Wartezimmer nicht zu „Keimschleudern“ werden. „Das Wartezimmer ist bei uns aber aufgrund der Hygienemaßnahmen weniger ein Problem.“

Das „Hin und Her“ der Vorgaben findet der Schalksmühler Mediziner nicht gut. Es verwirrt Menschen und führt dazu, dass sie falschen Informationen Glauben schenken, sagt er.

Die Corona-App gibt den Ärzten nützliche Hinweise, ob getestet werden muss.

In der Gemeinschaftspraxis testet man großzügig, sobald Symptome wie Halsschmerzen, Atemnot, Fieber, aber auch Probleme mit dem Geschmacks- und Geruchssinn bemerkt werden. Am vergangenen Samstag hat die Praxis im Rahmen einer von der Kassenärztlichen Vereinigung eingeführten Infektsprechstunde die Erfahrung gemacht, dass ein Test sinnvoll ist, wenn die Corona-Warn-App angeschlagen hat. Die Bilanz der „Sonderschicht“ am Wochenende weist einen positiv getesteten Patienten auf, der vorher wenig Symptome hatte. Getestet wurden in den vier Stunden zudem sechs Schüler einer Schule, bei denen die App einen Hinweis gab und sieben Patienten mit Symptomen unterschiedlicher Ausprägung sowie drei Kontaktpersonen.

Unter der Woche gibt die Gemeinschaftspraxis einen gewissen Zeitrahmen vor, in der Patienten, die eine Corona-Infektion vermuten, sich testen lassen können. Damit ist gewährleistet, dass die Abstriche binnen maximal 18 Stunden im Labor ankommen. Auch in der Praxis Lehmkühler geht man ähnlich vor (» Infokasten).

Wir versuchen, es gerecht zu halten. Doch es ist schwierig, den Menschen die Wartezeit zu erklären.

Peter Kopycki Allgemeinmediziner der Gemeinschaftspraxis Lüsebrink

Peter Kopycki betont: „Wir trennen in der Praxis strikt zwischen erkälteten Patienten und welchen mit anderen Beschwerden. Die Erkälteten werden nicht zu den anderen Patienten in das Wartezimmer gelassen.“ Die Betroffenen müssen dann in der Regel draußen warten.“ Einige Erkältete werden draußen vor der Tür recht schnell ungeduldig, ihnen wird die Wartezeit schnell zu viel, sagt Kopycki.

Weihnachtshütte als Teststation

„Wir versuchen, es gerecht zu halten. Doch es ist schwierig, den Menschen die Wartezeit zu erklären.“ Deshalb bemüht sich der Arzt auch um eine Hütte, die sonst auf Weihnachtsmärkten zum Einsatz kommt. Sie soll mit einem Heizlüfter ausgestattet als Teststation und Outdoor-Wartezimmer dienen.

In der Praxis bestehen strikte Hygieneregeln (Maskenpflicht, häufiges Lüften). Seit Anfang November gibt es auch die Möglichkeit einer telefonischen Krankmeldung. Auch die Tests an sich laufen nach bestimmten Vorgaben ab. „Für die Tests brauchen die Patienten zwar keinen Termin. Wir empfehlen aber Patienten mit Erkältungssymptomen dringend, sich vor dem Aufsuchen unserer Praxis telefonisch zu melden.“ Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens versucht man so die Wartezeit zu verkürzen. Und zweitens kann so vorab das weitere Vorgehen abgesprochen werden.

Wo kann ich mich wann testen lassen?

  • Folgende Arztpraxen in Schalksmühle haben sich in die Liste der Abstrich-Praxen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) eintragen lassen und bieten spezielle Zeiten an, zu denen sich auch Beschäftigte in Schulen, Kitas und Kinderpflegeeinrichtungen nach Terminabsprache testen lassen können: Gemeinschaftspraxis Lehmkühler (Mühlenstraße 4, Tel. 0 23 55/12 29, Testzeiten dienstags und donnerstags von 7 bis 8 Uhr) und Gemeinschaftspraxis Lüsebrink (Volmestraße 65, Tel. 0 23 55/90 32 32, Testzeiten täglich von 8 bis 10 Uhr und von 16 bis 17 Uhr). Die Praxis Ursula Altun (Hälverstraße 19, Tel. 0 23 55/32 56) testet symptomatischen Patienten nach telefonischer Absprache zu den normalen Öffnungszeiten. Weitere Infos gibt’s beim Patientenservice, Tel. 11 61 17.

Getestet wird in der Praxis in der Regel mit einem sogenannten Polymerase-Kettenreaktion-Test (PCR). Anspruch auf diesen haben nach Ermessen des Arztes – in der Gemeinschaftspraxis hält man sich an die entsprechenden Empfehlungen des RKI – zum einen symptomatische Patienten, etwa nach Risikokontakten. Zum anderen können Kontaktpersonen erster Ordnung, die etwa nachweislich mindestens 15 Minuten im selben Raum ohne Maske oder Abstand zu einem Erkrankten waren, einen solchen Test durchführen lassen – insbesondere beim Auftreten von entsprechenden Symptomen. Außerdem werden Personen auf diese Art getestet, deren Corona-Warn-App oder das Gesundheitsamt einen Test empfiehlt oder anordnet.

Antigen-Test deutlich günstiger

Neben dem PCR-Test gibt es zwar auch den deutlich günstigeren Anti-Gen-Schnelltest, der Eiweißstrukturen von SARS-CoV-2 nachweist, erklärt der Mediziner. Dieser ist aber hauptsächlich medizinischem Personal oder Personal und Bewohnern aus Gemeinschaftseinrichtungen vorbehalten, erklärt der Schalksmühler Arzt. Er könne auch als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten werden, die Patienten grundsätzlich selbst bezahlen müssen, weil sie nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherungen gehören.

Während bei der PCR-Methode das Ergebnis meist innerhalb eines Tages nach Erreichen des Labors vorliegt („Was sich schnell ändern kann.“), hat man beim Antigen-Test bereits nach 15 Minuten ein Resultat. Der PCR-Test sei aber wohl etwas sicherer, sagt der Allgemeinmediziner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare