Andreas Mischnick entwickelt neuartiges Verfahren zur Gewinnung von Bioöl

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Andreas Mischnick vor einem der Tanks in der Halle des Unternehmens in Demen.

Schalksmühle- Die Geschichte von Andreas Mischnick, Betreiber des Seniorenparks Reeswinkel, und seinem zweiten beruflichen Standbein klingt fast, als stamme sie aus einem Filmdrehbuch mit Happy End.

Bei seinem Afrika-Aufenthalt in den 1980er-Jahren begann Mischnick – bis dahin ohne besondere chemische und physische Vorbildung – sich für Ölpflanzen und deren Pressung zu interessieren. Mittlerweile ist daraus ein Unternehmen entstanden, das mit einem völlig neuartigen Verfahren mit Hilfe elektromagnetischer Wellen aus Abfallprodukten vornehmlich aus Rapsmühlen, sogenanntem „Schleimstoff“, reinstes Bioöl gewinnt und für dessen Gebrauchsmuster sich mehrere große Konzerne interessieren. 

„Das Projekt hat eine unglaubliche Dimension erreicht. Mittlerweile decken wir 35 Prozent des deutschen Schleimstoffmarktes ab. Wir haben sieben Lastzüge, die täglich für uns in ganz Deutschland unterwegs sind, um das Material aus den Mühlen zu holen. Die ganze Arbeit der vergangenen Jahre hat sich mehr als gelohnt“, sagt Andreas Mischnick stolz und zufrieden. 

Zeit des intensiven Einlesens

Doch der Reihe nach: Während seiner Afrika-Zeit begann Mischnick, der Soziale Arbeit und Theologie studiert hat, als völlig Fachfremder die Beschäftigung mit Ölpflanzen und den daraus herstellbaren Produkten. „Schon damals habe ich mir gesagt, dass es doch ein Verfahren geben muss, welches nicht so viel Wärme und Energie benötigt, um auch aus den Abfallprodukten noch Öl gewinnen zu können“, erinnert sich Mischnick. 

Also begann der Schalksmühler, sich intensiv einzulesen, chemische Fachliteratur geradezu zu verschlingen („heute würde ich sagen, in meinem Spezialbereich einen sehr hohen Wissensstand erreicht zu haben“) und hatte anfangs fachkundige Unterstützung von einem befreundeten Chemiker aus Dallas, der sofort an Mischnick und seine Idee glaubte. „Als wir den ersten Versuch in den USA gestartet haben, hat es sofort geklappt“, sagt Mischnick, der fortan endgültig Feuer und Flamme war. 

2011 wagte er den entscheidenden Schritt, gründete die Kingdom Oil & Energy und errichtete in Demen bei Schwerin, wo ein großer Schleimstoffhändler seinen Sitz hat, eine Versuchsanlage. Statt staatlichen Fördermitteln setzte er seine Altersvorsorge ein, entwickelte, zeichnete und baute die komplette Anlage selbst und hat bis heute rund 1,2 Millionen Euro investiert. 

Bei seinem neuartigen Verfahren arbeitet Mischnick nicht mit Wärme, sondern erreicht eine Abspaltung der Moleküle mit Radiowellen im Mikrowellenbereich. „Wir bringen die Moleküle ins Drehen, sodass sich die leichten von den schweren trennen und auch die Fremd- und Giftstoffe eliminiert werden“, erklärt Mischnick. Dabei heraus kommen Fettsäuren und reinstes Bioöl, das beispielsweise in der Kosmetik und Medizin eingesetzt wird, aber auch Bestandteil des Bio-Sprits E10 ist. Die Reststoffe können zudem in Biogas-Anlagen verbrannt werden. 

„Mittlerweile verarbeiten wir bis zu 200 Tonnen biologische Abfälle pro Woche, machen daraus rund 60 Tonnen reinstes Öl. Wir bekommen dafür die Bioabfälle aus Mühlen in ganz Deutschland, Abfälle aus Tierfutterfabriken und von Sonnenblumen aus der Ukraine“, erzählt er. 

Drei Jahre, bis alles ausgereift war 

Deshalb erwartet der Unternehmer, dass sich die hohen Investitionskosten bis zum Ende dieses Jahres amortisiert haben werden. Denn: „Die Anlage ist absolut ausgereift, arbeitet profitabel. Das Verfahren, das wir entwickelt und mittlerweile immer weiter verfeinert haben, ist wirklich sensationell.“ Bis zu diesem Punkt war allerdings viel Durchhaltevermögen und Entwicklungsenergie gefragt. Zwar floss das erste Öl bereits drei Monate nach Inbetriebnahme der Anlage. „Bis alles ausgereift war, sind drei sehr arbeitsintensive Jahre vergangen“, sagt Mischnick. 

Mittlerweile gibt es baugleiche Anlagen in Spanien, Tschechien und Belgien als Joint-Venture-Projekte. Noch größer in den Ölmarkt einsteigen möchte der Schalksmühler allerdings nicht: „Ich wollte nur beweisen, dass meine Idee funktioniert. Das habe ich geschafft. Jetzt verkaufe ich meine Gebrauchsmuster an das große Unternehmen, welches am meisten Interesse zeigt.“ 

Dass nach Jahrzehnten endlich das Ziel erreicht ist, hat für Mischnick einen einfachen Grund: „Wenn ist etwas anfange, halte ich durch. Das habe ich in Afrika gelernt. Viele andere hätten wohl aufgegeben.“

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