Handydaten im A45-Mord analysiert

HAGEN/SCHALKSMÜHLE - Wo hielten sich die Angeklagten in der Nacht des Mordes an Iptehal A. und in den Tagen davor auf? Trafen sie sich, kommunizierten sie miteinander, und lassen sich über die Geodaten ihrer Handys möglicherweise Bewegungsprofile erstellen? Und was lässt sich über die letzten Stationen im Leben der Iptehal mithilfe ihres Handys herausbekommen?

Das Gericht will diese Fragen mithilfe jener Ermittler klären, die die Verbindungsdaten und Ortungen der Handys der Angeklagten ausgelesen haben. Dabei wurde aber auch am Dienstag wieder deutlich, dass die Ortung eines Handys nicht automatisch die Anwesenheit seines Besitzers beweist. Handys und SIM-Karten werden weitergereicht und verliehen, und ihre Ortung sagt dann gar nichts mehr über den Standort des ursprünglichen Eigentümers aus.

Der Fall: Mit einem Kopfschuss wurde die 20-jährige Iptehal A. am 31. August 2008 auf dem Rastplatz Sterbecker Siepen an der A45 getötet. Im Januar 2010 wurde der Cousin des Opfers wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt. Nun müssen sich auch zwei Onkel, der Bruder und die Mutter der Frau wegen Mordes verantworten.

Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass die Handy-Daten und der Überblick über die mutmaßlichen Bewegungsmuster der Angeklagten einen relevanten Beitrag zur Beweisaufnahme leisten können. Bei aller gebotenen Vorsicht deuten die Handy-Daten doch auf eine Tatbeteiligung des „finnischen“ Onkels der Iptehal hin. Er ist der Vater des wegen seiner Tatbeteiligung zu 14 Jahren Haft verurteilten Cousins der Ermordeten.

Zudem gibt es einzelne Details, die aufhorchen lassen – vor allem durch die Auswertung des am Tatort gefundenen Handys der Toten. So sprach Iptehals Mutter besorgte Nachrichten auf die Mailbox ihrer Tochter, als diese bereits einige Stunden tot war: „Warum rufst du nicht an und bist einfach so gegangen?“ Einen Tag später rief die Mutter erneut an: „Hallo, ich mache mir Sorgen um dich.“

Sollten diese Anrufe aus einer echten Besorgnis heraus getätigt worden sein, hätte die Mutter in die mutmaßlichen Mordpläne nicht eingeweiht gewesen sein können. Sollte die Besorgnis nur geheuchelt gewesen sein, wäre das Ganze ein perfides Ablenkungsmanöver von ihrer Mitschuld. Dass sich die Mutter erschüttert über Iptehals Tod gezeigt hatte, hatte allerdings auch der Leiter der Mordkommission berichtet, der ihr die Nachricht persönlich überbracht hatte.

Für wie gefährlich die Leiterin des Frauenhauses Iserlohn, in das Iptehal sich geflüchtet hatte, die Situation der 20-Jährigen hielt, machte ihr Anruf am Tag nach dem Mord deutlich: „Ich habe mir große Sorgen gemacht.“ - thk

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