Bäcker Cramer ist zufrieden

Handgemachtes im Trend: In der Krise wird mehr Brot verkauft

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Karl-Ernst Cramer denkt auch mit 65 Jahren noch lange nicht ans Aufhören und ist weiter mit Eifer in der Backstube aktiv.

Schalksmühle – Viele Einzelhändler haben es schwer in der Corona-Krise. In der Bäckerei Cramer ist die Situation nicht so. Da läuft das Geschäft.

Der Duft des frisch gebackenen Kosakenbrots steigt einem beim Gang in die Backstube der Bäckerei Cramer direkt in die Nase. Es ist 10 Uhr, der Chef Karl- Ernst Cramer und sein Angestellter Martin Langescheid haben bereits sechs Stunden Arbeit hinter sich und sind weiterhin bester Laune.

„Es macht mir einfach großen Spaß. Und solange ich diesen nicht verliere, werde ich auch weitermachen“, erklärt der 65-jährige Cramer, der bereits seit 1970 die Geschicke der Bäckerei in seinen Händen hält. Bei der Bäckerei an der Schalksmühler Bahnhofstraße wird noch alles von Hand gemacht, auch in der Zeit der Corona-Krise hatte Cramer gut zu tun, wenngleich einige seiner Auftraggeber wegfielen. 

Ausgefallene Feiern, aber mehr Brot verkauft 

„Viele Feiern sind ausgefallen und Gaststätten, die wir sonst beliefern, hatten geschlossen. Aber wir konnten zumindest unser Geschäft öffnen und haben unseren Verkaufsraum coronafest gemacht. Wir hatten als einer der ersten Läden bereits Spuckschutz und haben uns mit der Situation arrangiert. In dieser Zeit des Lockdowns haben wir mehr Brot verkauft als zuvor“, sagt der stets gut gelaunte Chef, der seine Wohnung direkt über der Bäckerei hat. „Da habe ich zumindest immer kurze Wege und kann auch noch abends schnell den Sauerteig für den nächsten Morgen ansetzen.“ Doch auch wenn viele Handgriffe perfekt sitzen und das Team Cramer/Langescheid optimal eingespielt ist, brauchen sie in gewissen Jahresphasen auch noch Unterstützung. „Teilweise geht es nicht ohne Aushilfen. Wir können nicht alles zu zweit erledigen.“ Gerade in den Weihnachtswochen wird Hilfe benötigt. Eine von Cramers Aushilfen machte vor 22 Jahren ihre Gesellenprüfung in seiner Bäckerei. 

„Wir hatten immer viel Glück mit unseren Gesellen. Allerdings ist seit einiger Zeit zu beobachten, dass sich immer weniger junge Leute für das Handwerk interessieren“, so der Chef, der für dieses Jahr zumindest wieder eine Ausbildungsstelle an eine junge Frau vergeben konnte. Ans Aufhören denkt der Junggeselle weiterhin nicht, dafür bereitet ihm der Beruf zu viel Spaß. Mit Ausnahme eines Leistenbruchs vor elf Jahren weist der Innungsbäcker keine Krankheitstage auf. „Da war ich für eine Woche außer Gefecht gesetzt, aber ansonsten war ich nie krank. Die Ausfalltage kann ich wirklich an einer Hand abzählen.“ 

Abends wird Vorarbeit geleistet 

Dies gilt auch für seinen Angestellten Martin Langescheid, der bereits seit 27 Jahren Morgen für Morgen an der Seite von Cramer steht. Bei seiner letzten Auszubildenden hatte Cramer in Bezug auf das Thema Zuverlässigkeit keine guten Erfahrungen gemacht. Sie meldete sich ständig krank, sodass die Ausbildung kurz nach der Probezeit beendet wurde. Mit einem Blick auf sein selbst gemachtes Brot verfliegen derlei negative Erlebnisse in seinem Berufsleben. „Ich finde diesen Beruf wirklich toll. Man ist kreativ und sieht nach dem Backen direkt, was man gemacht hat.“ Inspirationen holt sich Cramer auch ab und an im Urlaub. „Da gehe ich schon zum Bäcker und wenn mir etwas Gutes auffällt, probiere ich es aus.“ Einen Brotfavoriten hat der 65-Jährige nicht, aber „am liebsten esse ich irgendetwas mit Körnern. Ich brauche schon etwas zwischen den Zähnen. Genauso gehört für mich am Nachmittag ein Stück Kuchen und der Kaffee dazu“. 

Russischer Zupfkuchen, sämtliche Streuselkuchen oder Puddingteilchen – Cramer hat viele Leckereien in seinem Sortiment. Die „süßen Versuchungen“ für die Woche werden an einem Tag vorbereitet und dann in der Kühlung gelagert. „Alles andere wäre zu aufwendig. Bei Großbetrieben läuft das anders ab, aber wir können nicht täglich neue Puddingteilchen produzieren für die Tagesmenge, die wir verkaufen.“ Um 12 Uhr ist das Tagwerk von Cramer erledigt. Zumindest bis es am Abend wieder in die Backstube geht

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