Einen Tag nach dem Hochwasser

Schalksmühle ist hart getroffen: Hochwasser-Tourismus erschwert Arbeit - Feuerwehr rettet Mann

Die Feuerwehr in Schalksmühle ist seit 7 Uhr mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.
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Die Feuerwehr in Schalksmühle ist seit 7 Uhr mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Einen Tag nach dem Hochwasser hat die Feuerwehr weiterhin viel zu tun. Einem 85-Jährigen haben die Wehrleute das Leben gerettet. Aber nicht alle Einsätze verlaufen so positiv. „Hochwasser-Touristen“ behindern die Arbeit der Wehrleute.

Schalksmühle – „Neben einem Auto an der Volmestraße stand ein 85-jähriger Mann. Der wäre von den Fluten mitgerissen worden, wenn wir ihn nicht gerettet hätten“, berichtet Marc Fürst, Perssesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle am Donnerstag, einen Tag nach dem starken Hochwasser.

Bis in die späten Abendstunden waren die Wehrleute unterwegs, um Menschen aus ihren Fahrzeugen zu retten und sie in Sicherheit zu bringen. Zuvor hatten die Wehrleute, die an diesem Tag schon in Hagen zur Unterstützung im Einsatz waren, viele Sandsäcke befüllt und an verschiedenen Gebäuden im Gemeindegebiet ausgelegt – in der Hoffnung, dass diese zum Schutz der Einrichtung dienen könnten.

Das Wasser kam mit voller Wucht

Doch dieser Wunsch wurde in den allermeisten Fällen nicht erfüllt: Entweder das Wasser kam mit solcher Wucht und in einer Höhe, dass die Sandbarrieren nichts nützten, oder es erreichte erst gar nicht die Gebäude. „Ich habe mir auch ein paar Sandsäcke vors Jugendzentrum legen lassen. Aber da wir auf einer kleinen Anhöhe liegen, ist nichts passiert“, freut sich die Zentrumsleiterin Kerstin Busse. Ihren Ferienspaß hat sie aber für den Donnerstag abgesagt, da einige Mitarbeiter und auch Kinder keine Möglichkeit hatten, zur Primusschule oder ins Jugendzentrum zu kommen.

Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle

Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle
Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle
Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle
Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle
Ein Tag nach dem Hochwasser in Schalksmühle

Doch das waren am Mittwoch eher die kleineren Probleme, wie auch Fürst berichtet: „Bei der Firma Falkenroth wurde eine ganze Brücke weggerissen und entlang der Volme sind wohl alle Keller vollgelaufen, da die Volmestraße selbst zu einem reißenden Fluss wurde.“

Kein Verständnis für „Hochwasser-Touristen“

Gerade in dieser Situation kann der Wehrmann überhaupt kein Verständnis für die Menschen aufbringen, die als „Hochwasser-Touristen“ in die Stadt kamen und dort auch die Arbeiten der Wehr behinderten. „Da standen Menschen auf Brücken, die schon überflutet wurden. Keiner konnte sagen, ob die Brücken halten oder ob nicht plötzlich ein entwurzelter Baum angeschwemmt wird und die Schaulustigen gefährdet. Wir mussten dann Kräfte organisieren, die diese Leute aus dem Gefahrenbereich bringen mussten“, erzählt der Pressesprecher.

Die Rathaus-Tiefgarage steht unter Wasser

Dass diese Sorge berechtigt war, zeigt nicht nur die weggerissene Brücke bei der Firma Falkenroth, sondern auch ein Gastank, der in der Volme trieb und im Bereich Strücken von der Schalksmühler Wehr gesichert werden konnte.

Gegen 22 Uhr endeten die Hilfsbemühungen der Ehrenamtlichen am Mittwoch. „Wir haben die Arbeit eingestellt, um unsere Leute zu schützen. Bei Dunkelheit war es einfach zu gefährlich, in dem Überschwemmungsgebiet tätig zu werden“, sagt Fürst. Seit 7 Uhr waren sie am Donnerstag wieder im Einsatz. „Derzeit arbeiten wir uns von einem vollgelaufenen Keller zum nächsten vor“, so Fürst.

Hochwasser in Schalksmühle

Hochwasser in Schalksmühle
Hochwasser in Schalksmühle
Hochwasser in Schalksmühle
Hochwasser in Schalksmühle
Hochwasser in Schalksmühle

Vollgelaufen sind aber nicht nur die Keller von Privathäusern. Betroffen wurden auch Firmengebäude. So ist viel Wasser in die Firma Jung eingedrungen. Und auch bei der Firma Outokumpo steht das Wasser in den Kellerräumen. Dort soll sich ein Gemisch aus 10.000 Litern Heizöl und Wasser gebildet haben.

Bürgermeister bricht Urlaub ab

Ende einer Urlaubsreise: Bürgermeister Jörg Schönenberg war erst am Dienstag mit seiner Frau im Urlaubsort an der Ostsee angekommen – am Donnerstagvormittag ging es weit vor der Zeit über die A1 zurück ins Sauerland. Die Auswirkungen des Unwetters und die Hochwasserschäden in der Volmegemeinde nehmen den Bürgermeister in die Pflicht.

Es geht jetzt um Hilfe und Solidarität in dieser schwierigen Lage.

Jörg Schönenberg, Bürgermeister

„Ich habe am Mittwoch noch bis zum Nachmittag gehofft, dass es vielleicht nicht so schlimm werden wird in Schalksmühle“, sagt Schönenberg. Dann aber kam alles anders. „So schlimm war unsere Gemeinde noch nie betroffen, selbst beim Orkan Kyrill im Jahr 2007 nicht. Ich kann nur allen Helferinnen und Helfern, die am Mittwoch angepackt haben, meinen höchsten Respekt und Dank aussprechen. Gerade die Ehrenamtlichen haben Übermenschliches geleistet, aber auch unser Team im Rathaus hat tolle Arbeit gemacht – alle haben mit angepackt.“ 

Bürgermeister Jörg Schönenberg.

Nach am Donnerstagabend inspizierte der Bürgermeister nach seiner Rückkehr in Schalksmühle mit der Feuerwehr die Orte, an denen das Unwetter besonders stark zugeschlagen hat. Für den Freitag hat er Gespräche mit den Firmen vereinbart, die besonders betroffen sind. „Es geht jetzt um Hilfe und Solidarität in dieser schwierigen Lage“, sagt Schönenberg, „wobei es noch gar nicht absehbar ist, wie lange es dauern wird, diese Schäden zu beseitigen – wenn ich alleine sehe, dass Am Hang oder auch im Höhengebiet an der Lauenscheider Mühle ganze Straßen unterspült worden sind. Wir haben in Schalksmühle so viele kleine Bäche, die zu reißenden Strömen geworden sind…“

Eigentlich hatte der Urlaub an der See, wo sich Schönenberg am Mittwoch noch beim Fahrradfahren bei schönstem Wetter fast einen Sonnenbrand geholt hätte, während seine Gemeinde im Hochwasser unterging, bis zum letzten Juli-Wochenende gedauert. Nun wartet stattdessen ganz viel Arbeit in einer Gemeinde, die vor allem im Tal nicht mehr die ist, die sie noch Anfang der Woche war.

Unwetter im MK

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