Schalksmühle hat einen Klimaschutzmanager

So klimaneutral wie das Kiepenlisettken einst bei der Arbeit: So wünscht sich der neue Klimaschutzmanager Hadi Fleger die Zukunft der Gemeinde Schalksmühle.
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So klimaneutral wie das Kiepenlisettken einst bei der Arbeit: So wünscht sich der neue Klimaschutzmanager Hadi Fleger die Zukunft der Gemeinde Schalksmühle.

Der neue Klimaschutzmanager der Gemeinde Schalksmühle, der am 1. September seinen Dienst angetreten hat, sieht auf den ersten Blick mehr nach Manager aus als nach Klimaschutz. Schwarzes Jackett, weißes Hemd, hochseriös, so gar nicht nach „Öko“.

Schalksmühle – Gestatten: Hadi Fleger, 31 Jahre alt. Angetreten, um die Volmegemeinde in Klimaschutzfragen in die Zukunft zu führen. Gekommen, um zu bleiben.

Noch wohnt Hadi Fleger, der aus dem Iran stammt und seit 2014 in Deutschland lebt, im Bochumer Stadtteil Langendreer und pendelt zur Arbeit. „Es sind ja nur gut zwei Wochen gewesen zwischen Entscheidung und Antritt“, sagt Bauamtsleiter Ralf Bechtel bei der Vorstellung seines neuen Kollegen, der in Bechtels Fachbereich untergekommen ist. „Aber wir suchen gerade eine Wohnung“, erklärt Fleger. Seine Frau ist Hochzeitsfotografin, man hat sich erst einmal Lüdenscheid als neuen Wohnort ausgeschaut. „Ich will mit meinen vielen Kilometern auf der Autobahn nicht der Grund für einen hohen CO2-Ausstoß sein“, sagt Fleger. „So ein ökologischer Fußabdruck ist für einen Klimaschutzmanager auch nicht erlaubt“, pflichtet ihm Bechtel bei und lacht.

Teheran, Bochum, Schalksmühle: Das Leben geht mitunter seltsame Wege. Fleger hat in der Hauptstadt des Iran seinen Bachelor-Abschluss gemacht in seinem Umwelt-Studiengang. 150 Studenten in seinem Jahrgang und Fach an der Universität von Teheran, Fleger war der Beste von ihnen, erhielt ein Stipendium im Ausland und begann, die deutsche Sprache zu lernen. Sieben Jahre ist das her. Er hatte sich für ein Master-Studium im Bereich Umwelttechnik und Ressourcen-Management an der Ruhruniversität in Bochum entschieden. Am Ende schloss er dies mit der Note 2,3 ab und arbeitete zunächst als Berater im Bereich der erneuerbaren Energien.

Und nun also Schalksmühle. Was macht ein Klimaschutzmanager? „Wir haben ja nun das Klimaschutzkonzept als Basis und darüber auch die dreijährige Förderung des Managers, der nun die Aufgabe hat, die Maßnahmen auch entsprechend umzusetzen“, erläutert Ralf Bechtel. Zu 85 Prozent trägt der Bund die Kosten – bei Kommunen, die im Haushaltssicherungskonzept sind, sind es sogar 100 Prozent. Bechtel geht davon aus, dass in diesen drei Jahren der Klimaschutz eher noch mehr Gewicht bekommen wird als weniger und die Arbeit des Managers auch danach weitergehen wird.

Schalksmühle kein Spätstarter in Sachen Klimaschutz

Schalksmühle ist in Sachen Klimaschutz kein Spätstarter. Schon seit 1993 gehört die Kommune dem internationalen Klima-Bündnis (27 Staaten, 1800 Kommunen) an, das 2020 seinen 30. Geburtstag feierte. 14 Jahre länger als zum Beispiel der große Nachbar Lüdenscheid ist die Kommune Schalksmühle in diesem Bündnis dabei. Als Lüdenscheid 2007 beitrat, da hatte in Schalksmühle das Geschirrmobil, das bei Veranstaltungen zur Auflage gemacht worden war, um Einweggeschirr den Garaus zu machen, bereits seine allerbesten Zeiten hinter sich.

Als sich dann acht Kommunen des Kreises zusammenschlossen und vom Kreis geführt Klimaschutzkonzepte erarbeiten ließen, war die Volmegemeinde auch dabei. 262 Seiten dick ist das Konzept für Schalksmühle. Es liegt nun auf dem Tisch, bereit zur Umsetzung. Auf der Internetseite der Gemeinde ist nachzulesen, welche Ansätze es enthält. Hadi Fleger findet, dass das eine gute Grundlage für seine Arbeit ist. „Hier gibt es für mich als Klimaschutzmanager richtig gute Möglichkeiten“, sagt er, „ich habe das Konzept mit großem Interesse gelesen. Und es gibt ja schon sehr gute Beispiele, die LED-Nachrüstungen zum Beispiel.“

Es wird nun für Fleger darum gehen, Maßnahmen zu priorisieren und durch die Politik Mittel dafür in den nächsten Haushalt einstellen zu lassen. Aber es geht Fleger auch um Aufklärung und Motivation, also um Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger oder Schulbesuche. Darum, ein Netzwerk aufzubauen. „Bei der Fridays-for-Future-Bewegung hat man gesehen, dass die Jugend für dieses Thema der Zukunft zu gewinnen ist“, sagt Fleger, „aber wir müssen immer neu motivieren. Und auch aufzeigen, wie es geht, etwas für den Umweltschutz zu tun.“

Neues Logo für Umweltschutz

Ralf Bechtel führt in diesem Kontext als gutes Beispiel der jüngeren Vergangenheit die Energiespar-Detektive an. Auch eine Aktion, um bei der Jugend Hintergrundwissen zu vermitteln. Fleger schwebt zudem ein neues Logo für den Umweltschutz in Schalksmühle vor. Ein Symbol mit Wiedererkennungswert, das im Alltag für die Umweltproblematik immer wieder neu sensibilisieren soll. Es geht ihm um Bürgerbeteiligung. Darum, in den Köpfen etwas zu verändern.

Und Schalksmühle will die Prozesse auch nicht wie auf einer Insel ohne Anschluss zum Festland angehen. Das Netzwerken mit den neuen Kollegen in den Nachbarkommunen wird auch eine Aufgabe für Hadi Fleger sein. Kierspe hat seinen Manager seit Anfang Juli, Herscheid und Neuenrade teilen sich eine Person, die sich um diese Belange kümmert, Nachrodt-Wiblingwerde war auch ganz vorne dabei, als es um Manpower für den Umweltschutz in der Doppelgemeinde ging.

Hadi Fleger ist zwar allein in einem Fachbereich, der so speziell noch nie verankert war in der Kommune, aber ganz allein ist er eben doch nicht. Ralf Bechtel, der bisher Umweltthemen betreute, steht ebenso an seiner Seite wie die Kollegen in den anderen Kreiskommunen. Gemeinsam auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität.

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