An der Grundschule Spormecke

Die einzige Sprachpatin in Schalksmühle - mehr Bedarf ist aber da

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Es ist ihre Zeit: Einmal in der Woche kommt Elvira Plate in die Spormecke Grundschule, um durchs Spielen die Sprache beizubringen.

Schalksmühle - Elvira Plate ist Sprachpatin an der Spormecke Grundschule und momentan noch die einzige in Schalksmühle. Wir waren bei einer Stunde mit ihrem Patenkind dabei.

Um 8.30 Uhr beginnt an jedem Mittwoch die gemeinsame Stunde von Elvira Plate und der achtjährigen Naja. Für die Zweitklässlerin kommt sie mit einer Tasche voller Spiele in die Spormecke Grundschule. Im Foyer sind die beiden dann für sich, während die anderen Schüler in ihren Klassenräumen sind. 

Najas Muttersprache ist Arabisch. Vor einigen Jahren kam sie nach Deutschland und lernt seitdem die Sprache. Um den größeren Förderungsbedarf von Kindern wie Naja zu decken, führte das Kommunale Integrationszentrum (KI) das Sprachpaten-Projekt ein. Die Ehrenamtlichen sollen einmal in der Woche jeweils eine Stunde mit ihrem Patenkind verbringen, Treffpunkt ist die Schule. 

Anders als der übliche Deutschunterricht

Aber anders als in einem üblichen Deutschunterricht geht es in dieser gemeinsamen Zeit ums miteinander sprechen und spielen. Die Sprache soll auf diese Weise nebenbei gelernt und geübt werden. Als sich Naja und Elvira Plate zum ersten Mal begegneten, war Naja noch sehr „einsilbig“, wie die Schalksmühlerin sagt. „Aber mittlerweile redet sie ganz viel und erzählt mir, was sie alles erlebt und wie sie sich fühlt.“ 

Mit Wimmelbüchern, Memory und Kartenspielen wird nebenbei die Sprache gelernt.

Die beiden sitzen an diesem Mittwoch im Foyer – es ist lichtdurchflutet von den Panoramafenster und alles, was in der Ferne zu sehen ist, sind Felder und Wälder. Auf dem Tisch am Fenster liegt ein Poster ausgebreitet, ein sogenanntes Wimmelbild, zum Thema Supermarkt. 

In der einen Ecke sind Kinder zu sehen, die aus Versehen einen Dosenstapel umstoßen, an der Kasse sitzt die Verkäuferin und beim Bäcker zeigt ein Kind auf das Brot, das es kaufen möchte. Ganz versteckt ist auch ein Dieb zu erkennen, der eine Flasche in seinen Mantel steckt. Viel zu sehen und zu entdecken – vor allem viel zu reden. Schon bei der Beschreibung des Bildes lernt Naja Wörter, lernt, Verben zu beugen und sich mit der deutschen Sprache zu unterhalten. 

Es gibt zu wenig Sprachpaten

Die beiden lachen viel und verstehen sich gut. „Es kommt mir immer vor wie ein Spiel“, sagt Plate. Das ist es auch, aber eines das gezielt für die Sprachförderung entwickelt wurde. Eines dieser Spiele wurde vom Kreis gestellt, alle anderen – zum Thema Wohnen, Stadt und Schule – organisierte der Förderverein der Schule. Denn nicht nur Naja braucht mehr Unterstützung, aber es gibt zu wenig Sprachpaten. 

„Ich bin noch einmal dran“, sagt Naja. Ihr macht das Spiel sichtlich Spaß. Ob Kartenspiele, Memory oder Bücher lesen. Sie spielt gerne mit ihrer Sprachpatin, sagt sie. Wo genau Najas Schwierigkeiten liegen, erfährt die 65-Jährige von der Klassenlehrerin. Sie versucht, spielerisch Schwerpunkte zu setzen, um Naja so zu helfen. Bewusst merkt Naja das nicht – sie hat einfach nur Spaß und genießt sichtlich die Zeit, die sie mit ihrer Sprachpatin hat. 

Als es zur großen Pause klingelt, scheinen beide überrascht. „Die Zeit ist schon wieder rum – sie vergeht immer wie im Flug.“ Sie räumen auf und die Spiele kommen wieder in den Stoffbeutel von Elvira Plate. „Bis nächste Woche“, ruft Naja noch und läuft in ihre Klasse zurück. „Naja ist ein sehr liebes Mädchen“, sagt Plate. 

Elvira Plate findet ihre Aufgaben als Sprachpatin spannend.

In den wöchentlichen Treffen lerne sie sie immer besser kennen und passt sich ihren Vorlieben an. „Sie mag am liebsten Bewegungsspiele.“ Nur still sitzen und etwas erklärt bekommen, sei nicht ihre Art zu Lernen. Also spielen sie auch mit einem Ball. Bei jedem Wurf wird ein Verb gebeugt – ich werfe, du wirfst, sie wirft, wir werfen. „Es ist immer wieder spannend“, sagt Plate. „Man muss nur flexibel sein und aufs Kind eingehen.“ 

Seit 15 Jahren liest sie im Kindergarten vor

Seit 15 Jahren liest sie im Kindergarten Märchen vor und merke dort, dass Kinder häufig nicht zuhören, weil sie die Sprache nicht verstehen. Für sie sei das traurig zu sehen und sie entschied sich zu helfen. Dass sie Sprachpatin werden möchte, war ihr sofort klar, als sie zum ersten Mal darüber las. 

Beim Projekt des KI wurde sie in Wochenendseminaren ausgebildet. „Ich wollte immer Lehrerin werden“, sagt sie. Als Sprachpatin hat sie jetzt die Chance ergriffen, Kinder gezielt zu fördern. Sie selbst hat drei Enkel, die in Frankreich leben. Und wenn sie sich sehen, wird der Spieß umgedreht. „Sie bringen mir dann mit Spielen Französisch bei und dann verliere ich meistens“, lacht sie. Aber auch Naja gewinnt meistens, sagt Plate – „weil sie es will“ – da ist sich Plate sicher.

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