"Fischräuber" an der Volme in Schalksmühle

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Der Kormoran dezimiert den Fischbestand in der Volme.

Schalksmühle - Pro Jahr setzen die Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) „Saubere Volme“ in ihrem Zuständigkeitsbereich des Flusses zwischen der Auffahrt nach Oedenthal bis zur Firma Outokumpu Fische im Wert von 3500 bis 4000 Euro in die Volme ein.

„Unser Ziel ist es dabei, einen selbst erhaltenden Fischbestand in der Volme zu realisieren“, erklärt der Naturschutz- und Gewässerbeauftragte des Vereins, Diplom-Biologe Siegfried Darschnik. Bei diesem Vorhaben macht den Anglern jedoch ein Vogel mit besonders großem Appetit auf Fisch einen Strich durch die Rechnung.

„Im Jahr 1988 gab es in ganz Europa einen Kormoranbestand von nur rund 30.000 Tieren“, erklärt Darschnik. Deshalb wurde er damals zu Recht als „speziell geschützt“ eingestuft. „Bereits im Jahr 1999 wurde das Tier eine Schutzkategorie niedriger (besonders geschützt, Anm. d. Red) klassifiziert, weil es zu dieser Zeit schon mehr als eine Million der Zugvögel in Europa gab“, so der Diplom-Biologe. Heute gebe es Schätzungen zufolge in Europa 2,5 Millionen Kormorane.

500 Gramm Fisch pro Tag

Die brauchen frischen Fisch als Nahrung, und davon nicht wenig. „Ein ausgewachsener Kormoran frisst pro Tag mindestens 500 Gramm Fisch“, stellt Darschnik klar. Die Auswirkungen, die die Tiere auf den Fischbestand in der Volme haben, sind fatal. „Der Äschenbestand ist inzwischen auf Null gesunken, die Bachforellen haben sich auf ein Drittel dezimiert“, so Darschnik. Dabei fressen die Vögel die Fische nicht nur, sondern fügen vielen der Tiere, die sie mit ihrem Schnabel nicht endgültig zu fassen bekommen, Verletzungen zu.

Siegfried Darschnik (links, Naturschutz- und Gewässerbeauftragter des ASV Saubere Volme und Diplombiologe) und Vereinsvorsitzender Wolfgang Enders sorgen sich um den Fischbestand in der Volme.

Um diese für die Volme fatale Entwicklung zu stoppen, stellte der Angelsportverein im Jahr 2013 einen ersten Antrag an die untere Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises auf so genannte „letale Vergrämung“ des Kormorans. „Hierbei schießt man einen oder einige wenige Kormorane ab, um zu erreichen, dass die übrigen Tiere dem Gewässer fern bleiben“, erklärt Wolfgang Enders, Vorsitzender des ASV Saubere Volme.

Alle bisherigen Maßnahmen waren wirkungslos

Eine nicht-letale Vergrämung, die Vertreibung der Tiere lediglich durch Lärm oder ähnliche Maßnahmen ohne die Tötung eines oder mehrerer Exemplare, habe sich als nicht wirkungsvoll erwiesen. „Die Kormorane sind sehr intelligent und lernen schnell, dass ihnen dadurch keine wirkliche Gefahr droht“, erklärt Enders.

Dennoch wurde der Antrag des ASV im Jahr 2014, überwiegend aus zwei Gründen, abgelehnt. „Zum einen ist der Kormoran, wenn auch auf einem niedrigerem Level, noch immer geschützt, obwohl er seine Schutzwürdigkeit aufgrund des inzwischen massenhaften Vorkommens eigentlich längst verloren haben müsste, zum anderen wurde im Bezug auf die Volme auf völlig veraltete Daten zurückgegriffen“, erklärt Siegfried Darschnik.

Bestandserfassung durch das Lanuv

Auf der Grundlage von Daten, die 1996 erfasst wurden, gilt die Volme noch immer als gutes Äschengewässer, wobei jedoch eine neue Bestandserfassung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu einem ganz anderen Ergebnis kommt. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, am 22. September 2015 einen erneuten Antrag auf letale Vergrämung des Kormorans zu stellen“, so Darschnik.

Diese Möglichkeit jenseits des Klageweges hatte der Verein nur, weil sich nach Meinung der Verantwortlichen nach der erneuten Bestandserfassung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) die Sorgen des Angelsportvereins in Bezug auf den Fischbestand in der Volme jetzt untermauern lassen.

Angler warten auf die Erlaubnis

Hoffnungsvoll warten die Angler nun auf die offizielle Unterrichtung des Märkischen Kreises durch das Lanuv sowie die Erlaubnis für eine letale Vergrämung des Kormorans. Diese würde dem Fischbestand in der Volme, so die einhellige Meinung der Mitglieder des Angelsportvereins, eine Chance zur nachhaltigen Erholung bieten und die Bemühungen der Angler, durch einen immer neuen Besatz mit Fischen für ein funktionierendes Ökosystem in der Volme zu sorgen, nachhaltig unterstützen.

Weil die Schutzfrist, in der keine Kormorane geschossen werden dürfen, bereits am 15. März beginnt und bis Mitte September läuft, rechnet Enders damit, erst zum Jahresende mit der Maßnahme beginnen zu können.

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