ADAC-Chef: „Salamitaktik hat Image sehr geschadet“

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Klaus Erbstößer, Vorsitzender des ADAC-Ortsclubs Schalksmühle, kritisiert das Vorgehen des Automobilclubs.

Schalksmühle - Was der ADAC während der vergangenen Wochen an negativen Schlagzeilen quer durch alle Medien abgeliefert hat, ist auch ihm sauer aufgestoßen: Klaus Erbstößer, seit 38 Jahren Vorsitzender des ADAC-Ortsclubs Schalksmühle.

Nach wie vor im ehrenamtlichen Einsatz für den Club glaubt er , dass der riesige Imageschaden bei einigermaßen differenzierter Betrachtungsweise über kurz oder lang durchaus reparabel ist.

In Schalksmühle haben die von der Münchner ADAC-Zentrale zu verantwortenden Skandale keinen Schaden angerichtet. Alle 127 Mitglieder des Ortsclubs sind nach Aussage von Klaus Erbstößer bei der Stange geblieben.

Aber natürlich sei der Diskussionsbedarf nie so intensiv gewesen wie in den zurückliegenden Wochen. Denn die finanzielle Ausstattung der ADAC-Basis durch den Dachverband sei alles andere als üppig. Die jährliche Zuwendung durch den ADAC Westfalen ordnet Klaus Erbstößer als „nicht gravierenden Obolus“ ein.

So liegt es auf der Hand, dass sich auch die Mitglieder des Schalksmühler Ortsclubs verwundert die Augen gerieben haben, als sie mit den Schlagzeilen über Amtsmissbrauch und Geldverschwendung durch Spitzenfunktionäre des Hauptvereins konfrontiert wurden.

Insgesamt eine schwere Kost für Klaus Erbstößer, der seit mehr als 50 Jahren Mitglied im Verein des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs ist. Gleichwohl räumt er ein, dass es durchaus blauäugig sei, den ADAC nach wie vor als „gemeinnützigen Verein“ zu definieren, der sich ausschließlich an den Interessen seiner Mitglieder orientiere. Niemand könne ignorieren, dass sich der zu einem gigantischen Wirtschaftsunternehmen mit 2,5 Milliarden Euro Jahresumsatz entwickelt habe. Klaus Erbstößer: „Eine derart große und komplexe Organisation kann meiner Auffassung nach nicht weiter von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt werden. Zudem sollte sich der ADAC wieder auf das Kerngeschäft beschränken.“

Erbstößer weiß, wovon er spricht. Denn tatsächlich wird das Milliardenunternehmen ADAC von einem siebenköpfigen Präsidium ehrenamtlich geleitet. Und dass die Latte von Skandalen und Ungereimtheiten nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangt ist, schreibt Klaus Erbstößer der Organisationsstruktur des ADAC zu. Mit mehr als 30 Tochterunternehmen mische der Automobilclub munter in diversen Wirtschaftszweigen im In- und Ausland mit.

Auf Kernaufgaben zurückbesinnen

Dieses Konglomerat von profitorientierten Wirtschaftsunternehmen unter dem Dach des ADAC verlange schon ein gehöriges Maß an Fantasie ab, daraus die eigentliche satzungsgemäße Aufgabe des Automobil-Clubs abzuleiten. Nämlich in erster Linie die Interessen des Kraftfahrzeugwesens und des Motorsports wahrzunehmen und zu fördern. Genau das sind laut Erbstößer jene Kernaufgaben, die für mehr als 90 Prozent der ADAC-Mitglieder ausschlaggebend für ihren Beitritt waren und bis heute sind.

Dass der ADAC aufgrund der Enthüllungen rund 200 000 Mitglieder verloren hat, hält Erbstößer für bedauerlich, aber durchaus verkraftbar.

Der riesengroße Imageverlust könne nur behoben werden, wenn der ADAC wieder näher an die Basis heranrücke. „Die Salamitaktik hat dem Image sehr geschadet“, äußert sich Klaus Erbstößer. Der Ortsclub-Vorsitzende wird sein ehrenamtliches Engagement aber fortsetzen. Basisarbeit eben. - En

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