„Salafismus-Bewegung hat das größte Wachstum“

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Pfarrer Torsten Beckmann referierte beim Offenen Gesprächskreis im vollbesetzten Gemeindehaus der Kreuzkirche zum aktuellen Thema „Islamismus und Salafismus in Deutschland“.

Schalksmühle - Gibt es einen Unterschied zwischen Islamisten und Salafisten? Sind alle Salafisten gewaltbereit? Wie sieht es mit der Religionsfreiheit in islamisch geprägten Staaten aus? Zu brandaktueller Thematik nahm Pfarrer Torsten Beckmann am Dienstagabend beim „Offenen Gesprächskreis“ im Gemeindezentrum der Kreuzkirche Am Mathagen Stellung.

Von Monika Salzmann

„Islamismus und Salafismus in Deutschland“ lautete das Thema seines Vortrags, dem sich eine lebhafte, kontrovers geführte Diskussion im rappelvollen Saal anschloss. Weit klafften die Positionen der Diskussionsteilnehmer auseinander.

„Angenehm überrascht, dass so viele gekommen sind“, zeigte sich Pfarrer Beckmann bei seiner Begrüßung. Bekannte Gesichter, aber auch viele, die nicht regelmäßig am Gesprächskreis teilnehmen, mobilisierte das brisante Thema.

Schwerpunktmäßig setzte sich Beckmann mit den radikalen Strömungen im Islam auseinander. Die pauschale Merkel-Äußerung „Der Islam gehört zu Deutschland“ – vom früheren Bundespräsident Christian Wulff bereits 2010 in einer Rede zum Tag der deutschen Einheit geprägt – differenzierte er: „Die Moslems, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Der Kirche sei an einem friedlichen Miteinander gelegen. Wenn man den Dialog führe, müsse man jedoch darauf achten, das eigene christliche Profil nicht zu vernachlässigen. Dass es mit der viel zitierten Religionsfreiheit in islamistisch geprägten Ländern nicht weit her ist, machte er am Weltverfolgungsindex 2015 klar. „Von 50 Ländern, die aufgeführt sind, sind 43 islamistisch geprägt.“ Weltweit seien Christen die am meisten verfolgte Religionsgruppe.

Dass die meisten der rund vier Millionen in Deutschland lebenden Muslime nicht organisiert seien, sei ein Problem. Vor diesem Hintergrund sei es schwierig, einen Ansprechpartner zu finden, der den Großteil der Muslime im Land vertritt.

Göttliches Recht überall durchsetzen

Islamismus und Salafismus seien ein Teilbereich des Islam – mit wachsendem Einfluss und weltweit auf Expansionskurs. Der Islamismus leite seine politischen Ziele aus der Religion ab und wolle erreichen, göttliches Recht in allen Bereichen des Lebens durchzusetzen.

Innerhalb des Islamismus stelle der Salafismus, dem in Deutschland rund 7000 Personen zugerechnet werden, eine besonders radikale Gruppierung dar. „Der Salafismus ist die Bewegung mit dem größten Wachstum und dem größten Radikalisierungspotential.“

Anliegen von Salafisten sei es, den Islam der Gründergeneration der Religion, der „rechtschaffenden Altvorderen“, wieder zum Leben zu erwecken. Besonders jungen Menschen auf der Suche nach Orientierung imponiere diese Form des Islam. „Die meisten deutschen Konvertiten schließen sich salafistischen Bewegungen an.“ Äußerliches Absetzen der Salafisten von der Gesellschaft und ihre starke Internetpräsenz thematisierte der Pfarrer.

Mit Entschiedenheit verwahrte er sich in der Diskussion dagegen, Allah und den Gott der Bibel gleichzusetzen. Zwischen Jesus und Mohammed gebe es große Unterschiede. Offener Dialog: Ja, Islamfeindlichkeit: Nein. „Aber begründete Islamkritik muss möglich sein.“ In manchen Großstädten sei die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, bereits weit fortgeschritten. „Wir können nicht akzeptieren, dass Parallelgesellschaften entstehen.“

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