Sechs-Tages-Reise

„Oma“ büxt aus: Rothirschkuh kommt in schlechtem Zustand wieder

Mesekendahl, Schalksmühle, Trimpop
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Wieder zuhause und gesund: Dank Vitamin B ist der „Oma“ wieder ein dichtes Fell gewachsen.

Sechs Tage lang bangt Karl-Friedrich Trimpop um seine „Oma“. Die Rothirschkuh ist aus dem Wildtiergehegen Mesekendahl ausgebüxt.

Schalksmühle – Für seine „Oma“, wie er die 22 Jahre alte Rothirschkuh liebevoll nennt, weicht Karl-Friedrich Trimpop, Besitzer des Wildgeheges Mesekendahl, gerne das Futter ein. Zutraulich wie sie ist, lässt sich die Hirschkuh von Hand von dem Schalksmühler füttern. Ihr großes, aufregendes Abenteuer, eine mehrtägige Reise außerhalb des Geheges, hat einen glücklichen Ausgang genommen.

Sechs Tage musste Trimpop um das Tier bangen, weil es aus unerklärlichen Gründen aus dem Wildgehege entlaufen war. „Ich habe eine Planwagenfahrt gemacht“, erzählt er. „Und als ich wiederkam, waren alle Stalltüren offen.“ „Oma“, die sich nach einer Zahn-OP zur besseren Versorgung im Stall befand, war nach diesem Vorfall verschwunden – und die Aufregung groß.

Nach er Zahn-OP viel abgenommen

Nach der Operation hatte das Tier, das nur noch einen Backenzahn besitzt, im Rudel immer mehr abgenommen, weil die anderen Tiere schneller am Futter waren und „Oma“ nicht genug abbekam. Im Stall, von den anderen ungestört, wollte der Wildgehege-Besitzer die Hirschkuh wieder aufpäppeln. Fünfmal am Tag bekam sie eigens eingeweichtes Futter. „Damit sie gucken konnte, habe ich ihr sogar ein Lichtfenster im Stall eingerichtet“, erinnert sich Karl-Friedrich Trimpop.

An dem Abend der Planwagenfahrt konnte sich niemand erklären, warum die Stalltür offen und „Oma“ verschwunden war. „Keiner hatte das Tier gesehen.“ Schnell war klar, dass sich die betagte Rothirschkuh außerhalb des Geheges befinden musste. Ein erster Hinweis auf das ausgebüxte Tier tauchte noch am gleichen Abend auf einer Wildkamera in Autobahnnähe Richtung Wiblingwerde auf. Kurze Zeit danach wurde es im Bereich Lenscheid-Kreuzbuche gesehen. „Der Bauer, dem das Grundstück gehört, und der Jagdpächter waren mit Feuer und Flamme bei der Suche dabei“, erinnert sich Karl-Friedrich Trimpop, der unermüdlich nach dem geschwächten Tier suchte, an tatkräftige Unterstützung.

Abgemagert und voller Zecken landete die „Oma“nach ihrer abenteuerlichen Reise wieder im Stall des Wildgeheges Mesekendahl.

Bis auf zwei Meter konnte er sich der „Oma“ nähern, bevor sie sich erneut ins Unterholz flüchtete. Mit Futter, einer Fangvorrichtung und viel Geduld gelang es Trimpop zu guter Letzt, die „Oma“ wieder einzufangen. „Wichtig war mir, dass das Tier an der Stelle bleibt“, erläutert er sein Vorgehen. Mehrere Tage versorgte er das entlaufene Tier mit Futter. „Oma“, die sich die Stelle merkte, kam tagtäglich zur Futterstelle zurück.

„Oma“ ist wieder eingefangen

Letztlich gelang es, sie mit einer aus einem Tarnnetz und einer Holzlattung gebauten Fangvorrichtung einzufangen. Glücklich wieder daheim im Gehegestall, päppelte Trimpop das Tier mit viel Liebe und Geduld auf, versorgte die davongetragenen Schürfwunden und entfernte mehr als 100 Zecken, die sich die Hirschkuh bei ihrem sechstägigen Ausflug eingefangen hatte.

Inzwischen hat „Oma“ wieder merklich zugenommen und dank Vitamin B auch wieder ein dichtes Fell. Längst tollt sie mit ihren Artgenossen wie früher im großen Gehege herum. Allerdings spitzt sie sofort die Ohren, wenn Karl-Friedrich Trimpop ihren Kosenamen ruft. Mit der Hand lässt sie sich von ihm füttern und zeigt nicht die geringste Scheu.

Von Hand lässt sie sich von Wildgehege-Besitzer Karl-Friedrich Trimpop füttern.

Noch heute muss der Schalksmühler schmunzeln, wenn er an die irritierten Blicke von Besuchern zurückdenkt, die zufällig ein Gespräch über die „Oma“ und klein geschnittenes, eingeweichtes Brot mitbekamen. „Was müssen die wohl gedacht haben, wie es bei uns zugeht?“, meint er amüsiert. Schließlich konnten die Besucher nicht wissen, wer die „Oma“ ist.

Ein dickes Dankeschön geht an Rico Scholz und Jonas Gürtler sowie Ioannis Manolis, die maßgeblich am glücklichen Ausgang des unfreiwilligen Abenteuers beteiligt waren.

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