Rolf Engelkamp vermittelt als Schiedsmann zwischen Streithähnen

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Seit 2010 ist Rolf Engelkamp in Schalksmühle als Schiedsmann tätig. Um zu Beginn einer Verhandlung das Eis zu brechen, reicht der 68-Jährige gern aus der thematisch passenden Box süße „Streitschlichter-Stückchen“.

Schalksmühle - „Ich habe mein Ohr bei beiden Parteien. Das Wichtigste ist, dass ein Vergleich erzielt wird. Niemand soll als Verlierer nach Hause gehen“, sagt Rolf Engelkamp. Der 68-Jährige ist Schiedsmann. Getreu dem Leitspruch „Schlichten statt Richten“ löst er im Schiedsamtsbezirk I Konflikte unter Bürgern. Anfang Mai wurde der Schalksmühler für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Die meisten seiner Fälle drehen sich um Nachbarschaftsangelegenheiten. Eine falsche Bepflanzung oder Ärger um den Gartenzaun können beispielsweise Gründe für einen ausgewachsenen Streit sein. Sind die Kampfhähne zerstritten, hilft oftmals der Gang zum Schiedsmann. Bereits in seinem Beruf als Lehrer an der Grundschule Löh beschäftigte sich Rolf Engelkamp mit dem Thema Streitschlichtung.

Er war in der Lehrerausbildung tätig und entwickelte Streitschlichtermodelle sowie Konzepte für runde Tische. „Über die Kommunikation kommen wir ganz anders an die Interessenlage und Bedürfnisse der Beteiligten heran“, sagt der Pensionär, dessen Ruhestand 2010 begann. Über seine frühere Arbeitskollegin Ulli Rottschy, die in Halver als Schiedsfrau tätig ist, wurde Engelkamp auf den vakanten Schiedsmannposten in der Volmegemeinde aufmerksam.

„Es gibt da viele Parallelen zu meiner früheren Tätigkeit und ich habe ein Interesse an der Lösung von Fällen. Das ist auch immer eine Herausforderung.“ In den meisten Schiedsamtsfällen kontaktiert zu Beginn einer der Beteiligten Rolf Engelkamp. „Dass beide Seiten auf mich zu kommen, kommt sehr selten vor.“ Der Antragssteller schildert zunächst den Sachverhalt, damit Engelkamp prüfen kann, ob der Streit in sein Aufgabengebiet fällt. „Meist steckt hinter jedem Ärger noch ein anderes Ärgernis. Es gibt fast immer eine Vorgeschichte.“ Als nächstes kontaktiert Engelkamp den Antragsgegner. „Ich bereite denjenigen dann darauf vor, dass er bald ein amtliches Schreiben erhalten wird und schildere vorab, was der Antragssteller verlangt. Dass man die Beteiligten im Vorfeld kontaktiert, ist eigentlich nicht üblich. Ich finde das aber wichtig, um Dampf aus dem Kessel zu nehmen.“ Da ein Streit meist nie nur eine Seite hat, hört sich der Schiedsmann auch die Schilderungen des Antragsgegners an. Im Anschluss wird ein Verhandlungstermin vereinbart.

Die Gespräche finden in den meisten Fällen in einem Büro im Rathaus statt. Um den Amtscharakter aber etwas zu mildern, reicht Engelkamp zu Beginn immer ein paar Süßigkeiten – aus der thematisch passenden Box mit der Aufschrift Streitschlichter-Stückchen. „Das bricht das erste Eis.“ Zu den Verhandlungen kommen die Beteiligten in der Regel mit einem Beistand. „Da rate ich auch zu, weil bei so einem Termin eine gewisse Aufregung da ist.“

Bei den Verhandlungen tritt Rolf Engelkamp gern gemeinsam mit seiner Halveraner Schiedsamtskollegin Ulli Rottschy auf. „Die Kombi Frau und Mann hat sich bewährt. Frauen hören aus einem Gespräch ganz andere Dinge heraus. Ich bin eher der praktische Typ und gemeinsam bekommen wir die sachliche und die emotionale Ebene in den Griff.“ Innerhalb der Verhandlungen ist Engelkamp „auf der Lauer nach Berührungspunkten“. Die Menschen hätten eigentlich meist dieselben Interessen, nämlich in Frieden miteinander zu leben. „Wenn dann ein Packende gefunden ist, also eine Möglichkeit, dass beide Seiten aufeinander zugehen, hat man schon fast gewonnen.“

Beide Seiten müssen Zugeständnisse machen

 Bei der Lösung des Streits sei es für ihn am wichtigsten, dass beide Seiten Zugeständnisse machen. „Beide Seiten sollen das Gefühl haben, gewonnen zu haben. Das ist der Nachteil an einem Gerichtsverfahren: Da gibt es das Urteil und es gibt einen Verlierer. Wenn man aber einen Vergleich erreicht, hat das den Vorteil, dass beide Seiten im Anschluss auch wieder miteinander können.“ Manchmal sei es auch hilfreich, die Problemlösung zu vertagen.

„Anders als bei Gericht, können die Beteiligten noch einmal drüber schlafen, bevor sie sich auf etwas einigen.“ Ist eine Lösung gefunden, die für alle annehmbar ist, wünscht sich Engelkamp, dass sich die Streithähne die Hände reichen. „Bei den Konflikten geht es immer auch um verletzte Gefühle. Sich die Hände zu reichen, bedeutet auch, den anderen an sich heran kommen zu lassen.“

Schnelle Konfliktlösung

Ein Streitfall kann durch das Schiedsamt geschlichtet werden, wenn es sich um Strafsachen (zum Beispiel Beleidigung, leichte Körperverletzung oder Sachbeschädigung) oder um bürgerlich-rechtliche Streitigkeiten wie Nachbarschaftskonflikte handelt. Das Ziel ist es, Konflikte nicht immer vor Gericht zu bringen, sondern durch das Schiedsamt deutlich kostengünstiger und schneller lösen zu lassen.

Bei der Antragsstellung erhebt der Schiedsmann zunächst einen Gebührenvorschuss in Höhe von 70 Euro. Schiedsmänner werden für fünf Jahre vom Rat der Gemeinde gewählt und vom Amtsgericht bestätigt. Während Rolf Engelkamp in Schalksmühle für den Schiedsamtsbezirk I zuständig ist, betreut Wolfgang Zander den Bezirk II. Die Schiedsmänner sind unter folgenden Rufnummern erreichbar: Rolf Engelkamp, Tel. 0 23 55 / 63 80; Wolfgang Zander, Tel. 0 23 55 / 90 33 41.

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