Käferbefall: Wald und Markt in Schalksmühle leiden

+
Die Schädlinge haben auch in diesem Jahr wieder deutliche Spuren im Holz hinterlassen. 

Schalksmühle - Ein recht düsteres Bild zeichnete Revierförster Hubertus Bierkoch bei seinem Vortrag zum Borkenkäferbefall und zu der Holzmarktentwicklung in der Gemeinde auf. „Gott sei Dank ist es bei uns noch nicht so gravierend wie in Halver oder Lüdenscheid“, so der einzige Hoffnungsschimmer, den der Wald-Experte geben konnte.

Sein Sachstandsbericht im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und Umwelt am Montag trug die Überschrift „Unsere Herausforderung: Der Borkenkäfer“. Die Ausführungen verdeutlichten, dass der Schädling ein Problem in den 19 heimischen Forstbetriebsgemeinschaften und damit auch in Schalksmühle darstellt – und das schon bereits seit 2018. 

Sorge bereitet dem Förster vor allem das massive Auftreten des Buchdruckers und des Kupferstechers, die entweder den dick- oder den dünn-borkigen Bereich von Fichten, aber auch anderen Hölzern, befallen. Schaden am Lagerholz verursachen hingegen der Gemeine Fichtenbock und die Holzwespe, die sich im Holzkörper einnisten. 

Vierte Brut im November

Gerade in 2018 habe man sehen können, was der Klimawandel mit den Insekten anstelle. Im November stellten die Förster fest, dass der Buchdrucker zu dieser Zeit eine vierte Brut angelegt hatte. „So etwas ist in der Forstwirtschaft so noch nicht bekannt gewesen“, erklärte Hubertus Bierkoch. Laut Lehrbuch gebe es nur bis zu drei Bruten im Jahr. Der Befall sorgt bis heute in NRW für rund 13 Millionen Festmeter Schadholz. 2018 waren es deutschlandweit noch zwölf Millionen Festmeter. Auch die Holzwirtschaft in Schalksmühle ist davon stark betroffen. „Wir sind Teil des Gesamtmarktes. Die Auswirkungen müssen wir gemeinsam bewältigen.“ 

Der Käferbefall hat teilweise flächige Räumungen von Fichten zur Folge. 

Bei einer Mitgliedsfläche der Forstbetriebsgemeinschaft von rund 1600 Hektar (ha) erfolgt ein Jahreseinschlag von 8000 Festmetern (Fm). Das entspricht einer Nutzung von fünf Fm/ha. In 2019 rechnet man mit einem Mengenumsatz von rund 10 000 Festmetern. Diese Ernte ist rund 25 Prozent über dem normalen Hiebsatz. „Die Erlöse des Holzesverkaufs decken gerade soeben die Holzerntekosten, von Geldverdienen kann man da nicht mehr sprechen. Der Export ist das Ventil, um die überschießenden Massen noch einer hochwertigen Verwendung zuzuführen. Schließlich ist die Verarbeitung des Rohstoffs Holz von sehr hoher Bedeutung für die CO-2-Speicherung und Konservierung“, erklärt Bierkoch. Die Förster können den Befall nur noch detailliert erfassen, die befallenen Bäume auszeichnen, Rückegassen am Einstieg markieren und die Vermarktung festlegen. Beauftragte Unternehmen fällen dann die schadhaften Hölzer. 

Saubere Waldwirtschaft

Im Rahmen einer sogenannten sauberen Waldwirtschaft wird bruttaugliches Material entnommen, das Holz zeitnah abgefahren oder vor Ort direkt zu Hackschnitzeln verarbeitet. Zudem finden regelmäßige Kontrollen auf Befallsherde und Pflege der Nützlinge sowie eine Begiftung der Holzpolter statt. Der Blick in die Zukunft verheißt für den heimischen Wald nichts Gutes, so Hubertus Bierkoch. „Auch in 2020 wird wahrscheinlich nicht wirtschaftlich gearbeitet werden können. Im Juni werde man weiteren Befall im Holz sehen.“ Die Zeit für die erste Brut des Schädlings werde bis März/April angelegt sein. 

Einen möglichen Ausweg kann Hubertus Bierkoch derzeit nicht erkennen. Handeln können er und seine Kollegen nur unter der Devise „je schneller und eher eingegriffen werden kann, desto besser“. Das eingeschlagene, befallene Holz muss, so schnell es geht, raus aus dem Wald, damit gesunde Bäume nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Und wenn es zwingend erforderlich ist, dann müsse zum Schutz der Bestände auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

 Das Fazit des Wald-Experten unter seinem Vortrag lautete: „Wir müssen uns der Herausforderung stellen. Wir sind auf die Unterstützung der Waldbesitzer angewiesen. Die Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz versuchen alles, um sie bestmöglich zu unterstützen und ihren Wald zu erhalten.“ Er fordert, dass man Chancen auf einen Umbau zu artenreichen Mischwäldern mit klimaangepassten Baumarten nutzt und sich heute Gedanken macht, wie der Wald morgen aussehen soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare