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26-Jährige kämpft für den Erhalt der Natur in Schalksmühle

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Von: Thomas Machatzke

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Linda Froese, Regionalplan, Schalksmühle, Altenhorst, Golsberg
Linda Froese (rechts) im Rahmen der Sitzung des Hauptausschusses im Gespräch mit Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg. Die 26-Jährige aus Lauenscheid kämpft gegen die Neuausweisung eines Gewerbe- und Industriebereiches in Heedfeld und für den Erhalt der Natur in Altenhorst und Golsberg. © Thomas Machatzke

Die Fragestunde für Einwohner im Hauptausschuss, sie wurde am Montagnachmittag im Ratssaal zur Vortragsstunde: Das Wort ergriff Linda Froese. Und das Wort war ein langes, detailreiches Plädoyer gegen die Neuausweisung eines Gewerbe- und Industriebereiches in Heedfeld als Erweiterung des bereits bestehenden Gewerbegebietes.

Schalksmühle – 26 Jahre jung ist Linda Froese, zu Hause seit ihrer Kindheit in Lauenscheid. Bereits ihre Eltern haben gegen die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe in Heedfeld gekämpft. Nun will die studierte Landschaftsökologin, die in einem Start-Up im Ruhrgebiet arbeitet, dort alte Industrieflächen renaturiert, auch kämpfen – für die Erhaltung der Natur im Bereich Golsberg und Altenhorst. Gegen eine Ansiedlung von noch mehr Industrie in diesem Bereich. Auf der Zielgeraden der Beratungen des Regionalplans, zu dem die Fachausschüsse die Stellungnahme der Gemeinde Schalksmühle bereits festgezurrt haben, meldete sich in Person von Linda Froese das Umweltgewissen zu Wort.

Es geht um eine Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte.

Linda Froese

„Es geht um eine Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte“, erklärte Froese im Nachgang ihres Vortrags, den sie als Expertin, aber Privatperson vor den Ratsmitgliedern hielt. Mehrere Parteien hatten Froese im Vorfeld nach ihrer Einschätzung gefragt.

Die BUND-Ortsgruppe Schalksmühle stellte den Vortrag Froeses im Nachgang des Ausschusses im Sozialen Netzwerk Facebook zur Verfügung. „Es geht um einen schwerwiegenden Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet um Altenhorst und Golsberg“, schreibt der BUND hier, „einem der höchsten Punkte in Schalksmühle. Wir haben hier einen wertvollen Komplex aus Grünland, Wald, Acker, Feldgehölzen und Bachtälern – altes, artenreiches Kulturland mit hohem Erholungswert. Der Rotmilan und Fledermäuse finden einen Lebensraum und sogar die bedrohte Feldlerche kann man hier noch trällern hören. Eine solche Fläche für Gewerbeansiedlung zu opfern, ist nicht mehr zeitgemäß und widerspricht allen politischen Zielen zum Klima- und Umweltschutz.“

Linda Froese fragt: „Warum an dieser Stelle?“

Linda Froese hat sich mit der direkten Nachbarschaft ihrer Ortschaft Lauenscheid genau auseinandergesetzt. „Der Gewerbebedarf für die nächsten 15 Jahre wird doppelt so hoch veranschlagt, wie er in den vergangenen 15 Jahren gewesen ist. Ich bin nicht gegen Gewerbe und Ökonomie, aber auf welcher Grundlage geschieht dies?“, fragt Froese, „und warum an dieser Stelle? Der Bereich Golsberg/Altenhorst ist der höchste Punkt der Gemeinde – ein Bereich mit hohem ökologischen Landschafts- und Erholungspotenzial. Die Menschen wollen diese Hochflächen ohne große Steigungen zum Spazierengehen nutzen. Hier sind am Wochenende große Gruppen unterwegs – es ist das Naherholungsgebiet für alle Heedfelder. Wir reden vom höchsten Punkt der Gemeinde, dort weiterbauen zu wollen, das ist sehr fragwürdig.“

Linda Froese, Regionalplan, Schalksmühle, Altenhorst, Golsberg
Anschaulich gemacht: Das Titelblatt der Präsentation von Linda Froese zeigt auf, wie sich die Landschaft in Altenhorst verändern könnte, wenn es hier zu einer Ansiedlung von Industrie kommen würde. © Linda Froese

Froese, die nicht in allen Punkten mit dem Umweltbericht übereinstimmt, plädiert dafür, Alternativen zu suchen. „Wann zieht man die Grenze, und warum nicht jetzt?“, fragt sie. „Die Ressourcen der Erde sind endlich“, hatte sie am Montag abschließend in ihrem Vortrag festgestellt und davon gesprochen, dass es „Zeit für eine politische Revolution“ sei: „Ein Leben ohne Reichtum ist möglich, doch niemals ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen.“

„Wirtschaft oder Klimaschutz“ - falsche Frage

Neben Bürgermeister Jörg Schönenberg, der auf die Ablehnung der Gemeinde eines interkommunalen Gewerbegebietes mit einem bedeutend höheren Flächenverbrauch, zudem auf eine sehr überlegte Planung verwies, nahm auch Klaus Nelius (UWG) in der Beratung über den Regionalplan Stellung zum Vortrag Froeses. Nelius sprach bei der Ausweisung von einer „Reserve, die man nicht einfach nur besiedeln wolle“. Sie solle der Gemeinde die Möglichkeit lassen, den vorhandenen Firmen Angebote zu machen, wenn deren Flächen nicht mehr ausreichen würden. Nelius sprach von einem zwiespältigen Gefühl.

Jan Schriever (FDP) kritisierte, dass die Frage „Wirtschaft oder Klimaschutz“ der falsche Ansatz sei. „Wir müssen das zusammen sehen“, sagte Schriever, „Schalksmühle ist eine reiche Gemeinde, aber gerade dadurch gibt es die Möglichkeiten, in Umweltschutz zu investieren. Wir sollten beides richtig gut machen.“

Wir werden weiter kämpfen, wenn es weitere Schritte geben sollte.

Linda Froese

Der Vortrag von Froese, er wurde ins Protokoll aufgenommen, wird auch dem Regierungsbezirk als Stellungnahme einer Bürgerin zugehen. An der Stellungnahme der Gemeinde Schalksmühle zum Regionalplan, die der Hauptausschuss einstimmig verabschiedete und die nun noch durch den Rat beschlossen werden muss, änderte dies nichts. Die Gemeinde wird für die Ausweisung des Gebietes als Industriestandort votieren. Und Froese, deren Kritik auch darauf abzielte, dass der Regionalplan erst spät öffentlich diskutiert worden sei, bleibt kämpferisch. „Wenn der Regionalplan beschlossen wird, ist das nicht die letzte Instanz“, sagt die Lauenscheiderin, „wir werden weiter kämpfen, wenn es weitere Schritte geben sollte. Und wir haben noch sehr gute Argumente für diesen Kampf.“

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