Bildungsinitiative: Experte gibt Tipps

Bildungsinitiative: Der Reformpädagoge Holger Butt berichtete am Freitagabend über die Individualisierung des Lernens. - Wieschmann

SCHALKSMÜHLE -  Das Zeugnis heißt Logbuch und Noten gibt es erst ab der Klasse acht: Das ist der Schulalltag an der Winterhuder Reformschule in Hamburg, an der Holger Butt unterrichtet. Mit einem Vortrag über die Individualisierung des Lernens hat der 60-jährige Pädagoge am Freitagabend das Veranstaltungsprogramm der Bildungsinitiative Schalksmühle eröffnet.

Von Jari Wieschmann

„Wir freuen uns, dass so viele Zuhörer den Weg in das pädagogische Zentrum gefunden haben“, so die beiden Vorsitzenden der Bildungsinitiative, Anja Krause und Judith Schnepper. Auch Bürgermeister Jörg Schönenberg und Schulentwickler Achim Körbitz hörten interessiert zu, was der Experte aus der Hansestadt zu sagen hatte. Seit zehn Jahren arbeiten die Lehrer an der ehemaligen Gesamtschule nach einem neuen Unterrichtsmodell. Ein Konzept, das möglicherweise auch für die geplante Primus Schule genutzt werden kann. „Mittlerweile ist aus unserer Einrichtung mit mehr als 1000 Schülern ein großer Tanker geworden“, so Butt. Dennoch gehe es darum, eine Leidenschaft zu entwickeln: „Jeder braucht ein bis zwei Dinge, die ihn begeistern und anspornen, um jeden Tag aufs Neue in den Unterricht zu gehen“. In der Winterhuder Reformschule geschieht dies durch Werkstätten, in denen Theater- oder Musikprojekte realisiert werden oder durch so genannte Herausforderungen. Innerhalb von drei Wochen hätten Schüler die Alpenüberquerung von Garmisch nach Bozen gemeistert. Das Ziel: Verantwortung übernehmen, Grenzen austesten und sich erproben. Das dahinter stehende Lernkonzept veranschaulichte Holger Butt durch einen kleinen Test. Anhand der Methode „Lesen durch Schreiben“ sollte jeder Teilnehmer seinen Namen formulieren. Wie zu erwarten, löste jeder die Aufgabe in seinem eigenen Tempo. „Trotzdem sollen die Schüler jederzeit das Gleiche lernen. Das kann nicht funktionieren und das wissen alle“, so Holger Butt. Aufgabe der Schule sei es, einen Rahmen für das individualisierte Lernen zu schaffen. An der Winterhuder Reformschule wird dies durch Teams realisiert. Klassenverbände gehören der Vergangenheit an, Aufgaben werden zu Bausteinen und anstatt eines starren Lernplans gibt es Planungsgespräche. Zudem können die Schüler jeden Tag darüber entscheiden, welche Schwerpunkte des Lernens sie setzen wollen.

Zusammenfassend bezeichnete Holger Butt diesen Ansatz als eine Pädagogik der Ermöglichung. „Da wir nicht wissen, welche Kompetenzen in der Zukunft wirklich gefragt sind, kann Schule immer nur ein Angebot sein. Wir öffnen einen Fächer und hoffen, dass für möglichst viele Schüler das passende dabei ist.“ War der Einstieg in die Methode des individualisierten Lernens zunächst ein theoretischer, wird Holger Butt am Freitag, 4. April, ein zweites Mal nach Schalksmühle kommen, um über das Lernen im Team zu sprechen. Dann werden zudem Schülerinnen und Schüler über ihre persönlichen Erfahrungen berichten.

Die Vortragsreihe der Bildungsinitiative wird bereits am Dienstag, 28. Januar, mit dem Thema „Kinder gewinnen und wie!“ fortgesetzt. Karin Präger und Gabriele Spang von der evangelischen Fachschule Osnabrück werden darüber referieren, wie der Übergang aus der Kita in die Primarstufe gestaltet werden kann. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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