Kuriosen Straßennamen auf der Spur

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Wer in Sonnenscheid auf viel Sonne hofft, der liegt richtig. Doch nicht immer ist die Herleitung kurioser Straßennamen so einfach. Teilweise muss man dafür tief im Fluratlas recherchieren, um an Ergebnisse zu gelangen.

Schalksmühle - Sonnenscheid, Am Schwarzen Paul oder Haue – mit Sicherheit wissen die Wenigsten, wo die Namen der Straßen herkommen. Teilweise sind die Bezeichnungen sehr kurios und die entsprechende Herleitung bringt manchmal erstaunliche Dinge zu Tage.

Hans Spenner, der 2. Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, hat sich die Mühe gemacht und zu einigen Straßen Recherche betrieben. Ein Blick in den Westfälischen Fluratlas hat einige Treffer ergeben. So heißt es dort zum Beispiel zur Straße Am Rauhen Stück, dass sie auf wildem, unbestelltem Land errichtet wurde. Der Boden war uneben, hart und rissig. Er war mit Büschen bewachsen und dem Wind ausgesetzt. Klingt nicht sehr wohnlich, doch mittlerweile kann man sich in der beschaulichen Straße sehr wohl niederlassen. 

Der Westfälische Fluratlas ist für den 2. Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatverein, Hans Spenner, ein wichtiges Nachschlagewerk.

Eher altertümlich klingt hingegen der Name Dorfsteige. Es ist nicht schwer, zu erraten, dass hier ein steiler Anstieg zwischen zwei Wegen gemeint ist, der vermutlich – so nehmen es die Archivare an – in alten Zeiten mit Stufen verbunden war. Heutzutage muss man die Straße nicht mehr zu Fuß meistern, mit dem Auto ist es bequemer. 

Wenn man die Bezeichnung Sonnenscheid hört, dann wird einem sofort warm ums Herz und man kann die Sonnenstrahlen spüren. Und tatsächlich haben die Menschen dort etwas mehr von dem glühenden Himmelsgestirn, denn laut Überlieferung wurde die Ortschaft an einer Wasserscheide an der Sonne zugewandten Seite gebaut. 

Fliehburg mit Aussicht 

Bei dem Namen Zur schönen Aussicht denkt man an eine idyllische Landschaft mit viel Grün und blauem Himmel. Tatsächlich ist die Aussicht dort atemberaubend. In vergangenen Zeiten herrschten aber andere Bedingungen. Dort soll laut Überlieferung einst eine sogenannte Fliehburg, ein Palisadenwall, gestanden haben, hinter dem sich die Einwohner zurückzogen und von dem aus man die Feinde gut sehen konnte. 

Zur Schönen Aussicht – dort kann man einen guten Blick auf die heimische Landschaft werfen. Früher stand dort eine Fliehburg, aus der man Feinde beobachten konnte.

Wer denkt, dass Am schwarzen (oder schwatten) Paul mal ein besonders dreckiger Bürger wohnte, der irrt sich. Dort waren früher Nass- und Feuchtwiesen bedingt durch die Volme. Die Pferde trugen Moorschuhe, damit sie nicht einsinken konnten. 

Auch bei der Straße Haue kommt man schnell auf die falsche Fährte. Dort wurden nicht etwa freche Bengel verhauen. Es handelt sich um einen Rodungsnamen für ein Waldstück. 

In früherer Zeiten muss Am Rauhen Stück die Umgebung sehr wild ausgesehen haben. So sagt es die Überlieferung.

Der Roggenhagen hingegen lässt sich leichter herleiten. Es handelte sich nämlich einfach um Ackerland, auf dem Roggen angebaut wurde und das vor einem Wald lag. 

„Die Menschen waren bei der Namensgebung früher pragmatischer. Entweder sie benannten sie nach dem ersten Bauherren oder einfach nach den örtlichen Begebenheiten“, erklärt Bernardine Holthaus, die Leiterin des Archivs des Geschichts- und Heimatvereins an der Volmestraße.

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