Lockdown betrifft Schulen, Kitas, Geschäfte & Co.

Von „Vollkatastrophe“ bis Verständnis - Reaktionen auf neue Corona-Regeln

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Noch einen Tag dürfen Geschäfte wie Nicolay-Schuhe und Michél Mode für Sie unter den Hygiene-Auflagen in diesem Jahr öffnen. Ab heute bleiben die Türen dann wegen des harten Lockdowns geschlossen.

Ab Mittwoch gilt der harte Lockdown. Einige Regelung wie für Schulen und Kitas müssen bereits seit Montag umgesetzt werden. Betroffen sind nicht nur die Kinder, auch Einzelhändler müssen bis Januar schließen. Wir haben die Reaktionen aus den verschiedenen Bereichen eingefangen.

Schalksmühle – Martina Sirges von Michél Mode für Sie bezeichnet den harten Lockdown als „Vollkatastrophe“. Ab Mittwoch muss sie ihr Geschäft an der Bahnhofstraße schließen. „Viele Weihnachtsgeschenke werden in den letzten zehn Tagen gekauft“, weiß Sirges – und das sei genau jetzt.

Rückblickend war das ganze Jahr schwierig. Die Modenschau der Mode-Einzelhändler musste im Frühjahr abgesagt werden. „Als wir die Ware eingekauft haben, gab es noch kein Corona“, sagt Sirges. Auch die Modenschau im Herbst ist dem Virus zum Opfer gefallen. Als Alternative bietet Martina Sirges ab Mittwoch Gutscheine an. Die können als Last-Minute-Geschenke dienen und werden auf Wunsch verschickt. Interessenten können sich bei Martina Sirges unter Tel. 01 74/3 14 38 94 melden. Und was ihr am Herzen liegt: „Am Mittwoch oder Donnerstag dekoriere ich noch einmal um.“

Für die neuen Corona-Regeln hat Petra Nicolay von Nicolay-Schuhe Verständnis, wie sie sagt. Aber: „Ich habe das Gefühl, dass alle in Schockstarre sind.“ Sie habe sich im Bekanntenkreis ausgetauscht. „Am Samstag hatten wir gut zu tun“, sagt sie. Und für die Zeit nach Mittwoch gibt es Gutscheine. Eine Telefonnummer finden Kunde dazu im Schaufenster oder auf der Homepage von Nicolay-Schuhe.

Zwischen Präsenzunterricht und Online-Aufgaben

An der Primusschule in Schalksmühle müssen Eltern ihre Kinder mit einer schriftlichen Mitteilung vom Präsenzunterricht abmelden. Laut der neuen Corona-Verordnung betrifft das Kinder der Jahrgänge 1 bis 7. Die Schüler ab Jahrgang 8 müssen nicht mehr in die Schule, für sie findet Distanzunterricht statt.

„Sie werden mit Aufgaben über die Cloud versorgt“, sagt Sekretärin Jessica Bernhardt-Schaefer im Namen von Schulleiterin Astrid Bangert. Denn sie war am Montag vor allem damit beschäftigt, das Vorgehen der Landesregierung umzusetzen. Sie kümmerte sich darum, dass die „Kinder, die kommen, Unterricht erhalten“. Eltern seien außerdem verunsichert und müssten informiert werden.

Der Montag fällt in den Kitas unterschiedlich aus

Im evangelischen Kindergarten Heedfeld war der Montagmorgen ruhig. Das Team hatte bereits am Freitagmittag die Eltern informiert. Die Kinder sollen – wenn möglich – zuhause bleiben, heißt es in den neuen Corona-Regeln. Einrichtungsleiterin Maike Harnisch war am Samstag und Sonntag für einige Stunden im Kindergarten vor Ort, damit sich die Eltern melden können. Fragen wurden beantwortet und Infos weitergegeben. Das Ergebnis: „Die Eltern haben gut mitgearbeitet“, sagt Harnisch. 20 Kinder kamen am Montag in die Einrichtung. Insgesamt besuchen 65 Mädchen und Jungen die Kita.

Die 20 Kinder werden in einzelnen Gruppen von Erziehern betreut. Das restliche Personal befindet sich laut Harnisch im Homeoffice oder nimmt Urlaub. Alles ist also geregelt und funktioniert in der Heedfelder Einrichtung. Traurig ist man im Höhengebiet nur um das abgesagte Krippenspiel. Eltern hätten vorgeschlagen, das einfach im März nachzuholen, sagt Harnisch und hält das nicht für ausgeschlossen. „Hauptsache, die Kinder haben Spaß.“

Letztendlich war es nur ein Appell. Wir hätten es uns konkreter gewünscht.

Kristina Brüdigam, Leiterin der Villa Kunterbunt

Das Telefon klingelt am Montagmorgen häufig in der Kita Villa Kunterbunt in Dahlerbrück. Leiterin Kristina Brüdigam steht den Eltern der Kinder Rede und Antwort. Sie sind zum Teil verunsichert, sagt Brüdigam. Für manche ist die Situation aber auch klar. Einige Kinder bleiben fortan zu Hause, die anderen kommen weiterhin. „Letztendlich war es nur ein Appell“, sagt Kristina Brüdigam. „Wir hätten es uns konkreter gewünscht.“

Am Montag war im Grunde ein normaler Tag, sagt sie. Und auch weiterhin gilt: „Die Türen der Kita bleiben offen.“ In der Dahlerbrücker Kita sind vor allem Kinder von berufstätigen Eltern, aber manche haben auch andere Betreuungslösungen gefunden. „Man kann es nicht verübeln, wenn die Großeltern gefragt werden“, sagt die Leiterin. Aber einfacher wäre es für alle gewesen, wenn es klare Regeln gegeben hätte. Jetzt reagiert jede Familie so, wie es am besten passt.

Die Villa Kunterbunt und die Kita am Wansbeckplatz. beides gemeindliche Einrichtungen, haben noch am Freitag ein Schreiben aus dem Ministerium erhalten, das direkt an die Eltern weitergeleitet wurde, sagt Anja Wolf, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Kultur und Sport im Schalksmühler Rathaus. „Ein Teil der Eltern hat sich direkt daran gehalten“, stellte sie am Montag fest. Einige Kinder blieben zuhause, „etwas mehr als die Hälfte“ waren es am Wansbeckplatz.

Anja Wolf ist „etwas gefrustet“, über die kurzfristige Mitteilung aus Düsseldorf, wie sie sagt. Dennoch würden alle informiert und es werde entsprechend gehandelt.

Eine „eingeschränkte Betreuung“ in den beiden Kitas der Gemeinde bleibt bestehen. „Die Kitas bleiben auf jeden Fall geöffnet“, betont Wolf. Lediglich die Schließung zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt wie geplant bestehen.

Jugendzentrum ab sofort geschlossen

Für das Jugendzentrum (Juz) am Wansbeckplatz wurde am Montag eine Entscheidung getroffen: die sofortige Schließung. Anja Wolf hat das in Absprache mit Juz-Leiterin Kerstin Busse so besprochen. „Wir versuchen, den Online-Kontakt zu halten“, sagt Wolf.

„Die ganze Woche stehen wir zur Verfügung“, wenn die Kinder und Jugendlichen Anliegen haben, sagt Kerstin Busse, die mit ihrem Termin im geschlossenen Jugendzentrum vor Ort ist. Über die Sozialen Medien und das Telefon sind sie erreichbar.

Um trotz der Schließung Kinder zu erreichen, findet die Päckchenaktion weiterhin statt. An jedem Donnerstag können sich Kinder ab 12 Uhr vor dem Geschäft Flora loca ein Päckchen abholen. Spielideen, Leckereien und weitere Tipps können enthalten sein. An diesem Donnerstag, 17. Donnerstag, gibt es wieder Päckchen. Und auch im Januar wird die Idee fortgeführt: am 7. Januar geht’s weiter.

Die Aktion, die aufgrund der Corona-Pandemie entstanden ist, kommt gut an. „Ich finde das so schön“, sagt Busse zu den zahlreichen positiven Rückmeldungen. „Es kommt gut an und ist richtig irgendwie.“ Und das Wichtigste: „Wir erreichen damit 30 Kinder jede Woche.“

Spieleverleih über die Feiertage

Geplant ist außerdem wieder ein Spieleverleih über die Schließungszeit. Dafür können sich Kinder und Jugendliche diese Woche noch im Juz unter Tel. 0 23 55/25 75 melden. Kerstin Busse hat außerdem eine Online-Weihnachtsfeier mit den Jugendlichen geplant. Am Freitag treffen sie sich auf dem Discord-Server und können sich so noch einmal sehen.

Die Schließung über den Jahreswechsel hat das Juz-Team wegen der neuen Corona-Regeln auch gleich verlängert. Frühestens am 12. Januar öffnet das Zentrum wieder – je nachdem, welche Entscheidung in Sachen Corona bis dahin getroffen wurden.

Die ersten Reaktionen der Eltern am Montag: „Sie waren verständnisvoll“, sagt Kerstin Busse. Sie hätten damit gerechnet und fänden die Schließungsentscheidung richtig.

Weniger Sozialkontakte und Existenzängste

„Das hatten wir alle erwartet“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg mit Blick auf den harten Lockdown. Dieser sei in seinen Augen problematisch. „Sozialkontakte werden weiter eingeschränkt“, sagt er. Familien befänden sich zum Teil am Rande ihrer Existenz, hätten wirtschaftliche Sorgen und auch Ängste. Hinzu komme eine „starke Belastung der Familien“ in Bezug auf das Thema Kinderbetreuung. „Die Herausforderungen sind immens“, betont Jörg Schönenberg.

Der Bürgermeister weiß, worauf es nun ankommt: „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“ Man müsse dort helfen, wo die Not am größten sei. Man müsse überlegen, „wie gehen wir da weiter mit um“. Doch Jörg Schönenberg ist überzeugt: „Eigentlich zeigt sich die Stärke einer Gesellschaft in einer Krise.“

Ordnungsrechtlich konnte am Montag im Schalksmühler Rathaus noch nicht viel geregelt werden. „Bislang haben wir noch keine Verordnung bekommen“, sagt Silvia Gonzalez, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste und Soziales, am Montagnachmittag. Es liege nur der Beschluss vor. Demnach sind bestimmte Details zu den neuen Corona-Regeln noch unklar.

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