Falsche Polizisten

Plädoyers im Prozess gegen falsche Polizisten - Urteil fällt am Montag

Die Angeklagten kommen aus Schwerte. Unter den Opfern war ein Mann aus Schalksmühle.

Schalksmühle/Hagen - Die Plädoyers sind gehalten – nun steht die 2. große Jugendkammer des Landgerichts Hagen vor der Frage, ob sie vollstreckbare Haftstrafen gegen zwei der vier Angeklagten im „Falsche-Polizisten-Prozess“ verhängen muss. Unter den Opfern war auch ein Schalksmühler.

So hat es Staatsanwalt Axel Nölle beantragt – alle Verteidiger beantragten hingegen Bewährungsstrafen für ihre Mandanten. Für den Jüngsten in der Riege, einen heute 19-Jährigen aus Schwerte, der im Zeitraum der Betrugstaten an älteren Leuten seinen 18. Geburtstag feierte, beantragte der Staatsanwalt eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. 

Er hielt ihm vor allem den Umfang des angerichteten Schadens vor: Bei den sieben Taten, an denen er beteiligt war, wurden insgesamt 250 050 Euro erbeutet. Als einziger Angeklagter sei er „innerhalb der Struktur der Bande aufgestiegen“ und habe an seinem letzten Coup von der Türkei aus mitgewirkt.

Trotz Festnahme weitere Straftaten

Dass der junge Mann zwischenzeitlich bereits von der Polizei festgenommen worden war, hielt ihn nicht von weiteren Straftaten ab. „Die Vorführung hat ihn offenbar nicht nachhaltig beeindruckt“, bedauerte der Staatsanwalt. Mit dem Urteil solle die Einziehung von 7500 Euro von dem 19-Jährigen angeordnet werden. Dessen Anwalt riet von einer solchen finanziellen Überforderung ab. Er hielt eine Bewährungsstrafe für ausreichend: „Er ist ein Junge, der hier ängstlich und nervös seine Angaben gemacht hat“, argumentierte er mit einer eklatanten Unreife seines Mandanten. „Das Zittern ist echt. Die Angst, die er hier gezeigt hat, ist real.“ 

Der 19-Jährige habe unter einem unglaublichen Druck gestanden und Angst um seine Familie gehabt. „Willfährig hat er den Hintermännern in der Türkei Gehorsam geleistet.“ Der zweite Kandidat für eine vollstreckbare Haftstrafe ist der älteste Angeklagte, der mit seinen 40 Jahren definitiv nicht mehr nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wird: Er transferierte das erbeutete Geld in die Türkei und war als Helfer der Betrüger an einem Gesamtschaden von rund 250 000 Euro beteiligt. 

Da das Geld bei ihm nur eine sehr kurze Verweildauer hatte, sei ihm dieser Schaden nicht in voller Höhe anzulasten, erklärte der Staatsanwalt und beantragte die Einziehung von 7000 Euro. Obwohl er an Betrugstaten mit einer Schadenssumme von mehr als 225 000 Euro beteiligt war, hat der dritte in der Riege gute Chancen auf eine Bewährungsstrafe. 

Drogen und Spielsucht

Der 22-Jährige habe sowohl seine Drogenproblematik als auch seine Spielsucht in Angriff genommen und sich gewandelt, begründete der Staatsanwalt das beantragte Strafmaß von zwei Jahren. Sein Anwalt stellte ihn als einen Weisungsempfänger dar, der als Fahrer für die Geldabholer an den eigentlichen Betrugstaten nur am Rande beteiligt gewesen sei. Als Zeichen seines guten Willens hatte der Angeklagte 1000 Euro als kleine Schadenswiedergutmachung zur Verfügung gestellt. 

Immerhin 5000 Euro waren es bei seinem 20-jährigen Mittäter, für den eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung beantragt wurde. Der von ihm angerichtete Schaden war vergleichsweise gering, weil er bei drei von vier Betrugsversuchen ohne Beute geblieben war. Das Urteil soll am 9. Dezember ab 9 Uhr im Landgericht verkündet werden.

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