Prozess: 56-Jährige sticht mit Messer auf ihren Mann ein

SCHALKSMÜHLE - Über ein blutiges Beziehungsdrama verhandelt seit gestern die neunte große Strafkammer des Landgerichts Hagen. Zum Auftakt gestand die 56-jährige Beschuldigte, dass sie ihrem 65-jährigen Ehemann am 22. Dezember vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in Schalksmühle mit einem Messer gut sechs Zentimeter tief in den Nacken gestochen hatte.

„Ich bin so froh, dass er noch lebt“, sagte die 56-Jährige zum Prozessauftakt. Dass Staatsanwalt Bernd Maas, keine Anklage-, sondern eine „Antragsschrift“ verlas, machte deutlich, dass die Beschuldigte bei der Messerattacke aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung mutmaßlich im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte.

Im Verfahren geht es deshalb vor allem um die Frage, ob die Schalksmühlerin in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden muss.

In ihrer wiederholt von Tränen unterbrochenen Aussage berichtete die 56-Jährige von einer schwierigen Beziehung, in der sie unter den fortgesetzten „Sticheleien“ ihres Ehemannes gelitten habe. Streit habe es vor allem über ihre zeitweilig mit im Haushalt lebende Schwester gegeben, die der 65-Jährige im Dezember schließlich aus der Wohnung warf.

Kurz danach, gut eine Woche vor der Messerattacke, schrieb die Beschuldigte ihrem Mann einen liebevollen und um eine bessere gemeinsame Zukunft bemühten Brief, auf den er positiv reagierte. Doch die Konflikte kamen zurück: „Die ganze Woche, die so schön war, zerplatzte“, beschrieb die 56-Jährige ihre Empfindungen, als ihr Mann kurz vor der Tat laut über eine Trennung nachdachte.

In der Nacht zum 23. Dezember griff sie zu einem großen Küchenmesser und stach auf ihren Mann ein. Die Beschreibung dieses Geschehens gewährte einen Einblick in die psychotische Persönlichkeitsstörung, von der sich die Täterin wie ferngesteuert fühlte: „Als ich auf meinen Mann einstach, habe ich gedacht, das bin gar nicht ich selbst – als hätte ich mir selber zugeguckt.“ Anschließend rief sie selbst die Rettungskräfte: „Ich wollte ihn nicht töten, ich wollte ihn nur bestrafen.“

Eine überraschende Sicht auf die Ereignisse präsentierte anschließend das 65-jährige Opfer der Attacke: „Wir haben eine gute Ehe geführt bis Dezember vorigen Jahres“, sagte er im Zeugenstand und nannte einen Grund dafür, dass es seit den ersten Anzeichen der Erkrankung seiner Frau wenig Probleme gegeben habe: Durch Medikamente, die seine Frau auch regelmäßig genommen habe, sei die Psychose gut in Schach gehalten worden.

Kurz vor dem blutigen Abend habe es jedoch Probleme gegeben. Zwar sei seine Frau daraufhin sofort zum Arzt gegangen, doch der Medikamentenspiegel habe nicht schnell genug korrigiert werden können. Dass der Stich durch die Beschädigung einer Arterie sehr leicht tödlich hätte enden können, machte einer der behandelnden Ärzte deutlich. Das Opfer zitierte ihn: „Zwei Millimeter tiefer und Sie wären nicht mehr hier.“ - Thomas Krumm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare