Wie soll es weitergehen?

Probleme mit Wanderweg: Unterbrechung nach 100 Jahren

Sie empfehlen eine Ausweichroute: Ortwin Schmidt und Jürgen Weber (links) stehen kurz vor der Aufgabe des S-Wegs.
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Sie empfehlen eine Ausweichroute: Ortwin Schmidt und Jürgen Weber (links) stehen kurz vor der Aufgabe des S-Wegs.

Schalksmühle - Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Ein Rundweg, der mitten drin nicht weitergeht. Wir sind den Gründen nachgegangen und haben mit den Verantwortlichen das Gespräch gesucht. 

Auf knapp 47 Kilometern Länge bietet der Schalksmühler Rundwanderweg, der am Wegezeichen S zu erkennen ist, herrliche Aussichten und einmalige Naturerlebnisse. Nicht umsonst hatte der SGV Dahlerbrück, der den Weg gemeinsam mit dem SGV Schalksmühle markiert, ursprünglich eine S-Weg-Wanderung als einen Höhepunkt in seinem Jubiläumsjahr zum 125-jährigen Bestehen des Vereins geplant. Erst kam Corona dem in die Quere, jetzt gibt es weitere Probleme mit dem Wanderweg.

Grund dafür sind laut SGV eine Wegsperrung im Bereich der Bauernschaft Schlöten und eine marode, bei Nässe lebensgefährliche Holztreppe auf dem Weg zur Glörtalsperre gegenüber des Parkplatzes an der K10, die die Stadt Breckerfeld – für diesen Bereich ist sie zuständig – durch Flatterband abgesperrt, aber keine Abhilfe geschaffen hat.

In beiden Fällen seien alle Versuche, befriedigende Lösungen zu finden, bislang ins Leere gelaufen. „Das kann dazu führen, dass wir den Weg aufgeben müssen“, bedauern Ortwin Schmidt, 1. Vorsitzender des SGV Dahlerbrück, und Wegewart Jürgen Weber. „Keiner weiß, wie es weitergeht.“

Kein Durchkommen: Die marode Treppe an der Glör – gegenüber des Parkplatzes an der K10 – ist durch Flatterband abgesperrt. Ein Hinweis auf eine Alternativroute fehlt. Zahlreiche Wanderwege führen dort vorbei.

Im Bereich Schlöten ist nicht nur der S-Weg, sondern auch der L-Weg „Rund um Lüdenscheid“ von der Sperrung des Weges betroffen. „Bekanntlich ist der S-Weg ‚Rund um Schalksmühle‘ mit circa 47 Kilometern die längste, von den SGV-Abteilungen in Schalksmühle und Dahlerbrück markierte Wanderstrecke im Gemeindegebiet Schalksmühle“, führt Ortwin Schmidt aus. „So war es seit 100 Jahren. Leider müssen wir den naturliebenden Wanderfreunden jetzt mitteilen, dass die Strecke unterbrochen ist und nicht durchgängig bewandert werden kann.“

Der jetzige Besitzer habe die Querung seines Grundstücks untersagt. Wie die Nachfrage bei den Eigentümern ergab, soll der Weg in Gartenfläche umgewandelt werden und „ist aufgrund der Nähe zu den privaten Räumlichkeiten als Wanderweg denkbar ungeeignet“.

Versuchen, den Bereich zu umgehen, hätten sowohl der Besitzer des angrenzenden Ackers, der Mais auf seinem Grund und Boden angepflanzt habe („Da ist kein Durchkommen“), als auch der Waldbesitzer der Bauernschaft Horst – trotz mehrfacher Versuche nicht erreichbar – einen Riegel vorgeschoben, bedauert der SGV.

SGV verweist auf Alternativrouten

„Es gäbe die Möglichkeit einer Umgehung über Lüdenscheider Gebiet, allerdings spielt hier der Waldbesitzer nicht mit.“ Grund dafür sei, dass überhaupt kein Weg mehr vorhanden sei, begründet der Waldbesitzer seine Absage an den SGV. Ein vor vielen Jahren bestehender Weg sei zurückgebaut worden und nicht mehr zugänglich.

Die Situation ist vertrackt. „Aus diesem Grund müssen wir auf die aktuelle Streckensperrung hinweisen und die Nutzung von Alternativrouten empfehlen“, bedauert der SGV Dahlerbrück. Entsprechende Hinweisschilder hat Jürgen Weber an der Straße nach Lauenscheid, an der Volmestraße beim Einstieg zur Kleinen Klagebach und im weiteren Verlauf an der Wegekreuzung circa 500 Meter vor dem Ahnritt angebracht. „Schlöten – Horst nicht mehr begehbar. Bitte benutzt Ausweichrouten, zum Beispiel über Lauenscheid“, ist darauf zu lesen.

Von der Unterbrechung des Wanderwegs an der Glör sind nicht nur der S-Weg, sondern auch der X 20 als Hauptwanderweg des SGV, ein neuer Pilgerweg des Bistums Essen, der das Sauerland mit dem Essener Dom verbindet, und örtliche Wanderwege betroffen. Auf wiederholte Anfragen der Gemeinde Schalksmühle, die Treppenanlage zu reparieren, gab es, wie Ralf Bechtel, Fachbereichsleiter Technisches Bauamt, bestätigt, seitens der Stadt Breckerfeld bisher keine Reaktion. Das Ärgerliche: Die Treppe ist abgesperrt, ein Hinweis auf eine Alternativroute fehlt.

Wie der SGV Dahlerbrück nun mit diesem derzeit ausweglosen Problem in der Zukunft umgehen wird, ist nicht entschieden. Sie hoffen nach wie vor auf eine Lösung.

Das steht im Gesetz

Das Landesnaturschutzgesetz und das Landesforstgesetz räumen Erholungssuchenden ein allgemeines Betretungsrecht von Natur und Landschaft sowie Waldgebieten ein. Lediglich in besonders gekennzeichneten Gebieten kann das Betreten des Waldes untersagt werden. Das gilt für Kulturen, Dickungen, Pflanzgärten, Holzeinschlag, Naturschutzgebiete und dergleichen mehr. Sowohl im Wald als auch in der freien Landschaft gilt: Überall da, wo Wege betreten werden dürfen, kann auch ein Weg markiert werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Überall dort, wo niemand gehen darf, darf auch nicht markiert werden. Der Sauerländische Bezirksverein (SGV) gehört zu den markierungsberechtigten Organisationen in NRW. Allerdings darf der SGV keine Wege auf privatem Grund ausweisen und ist auf die Zustimmung der jeweiligen Eigentümer angewiesen.

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