Premiere der „Feierabendkirche“

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Pfarrer Torsten Beckmann (von links), Pastor Armin Rogge, Pastor Fred Ritzhaupt und Pfarrer Dirk Pollmann gestalteten den Gottesdienst in der Erlöserkirche.

Schalksmühle - Mit Glockengeläut pünktlich um 18 Uhr – wie früher gemeinhin üblich – läuteten Christen aus der Volmekommune am Montag den Feierabend ein. Erstmalig kamen Gläubige aus der evangelischen, katholischen und Freien evangelischen Gemeinde (FeG) in der Erlöserkirche zur „Feierabendkirche“ zusammen.

Auch Flüchtlinge ließen sich zu dem besonderen Gottesdienst in stimmungsvoller Atmosphäre einladen. Besinnlich-meditativ ging es in Liedern, Ansprachen, Gebet und Zeit der Stille zu. In Form einer Taizé-Andacht feierten die Gläubigen ihren etwas anderen Gottesdienst, der zur Ruhe kommen und über wesentliche Dinge des Lebens nachdenken ließ.

Geistliche aus allen beteiligten Gemeinden waren in die Ausgestaltung des Gottesdienstes eingebunden. „18 Uhr – Feierabend. Früher war das so“, erklärte Pfarrer Dirk Pollmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück, der in seiner Begrüßung auf das schicksalsträchtige Datum 9. November einging. „Für Deutsche, für Deutschland ist das ein besonderer Tag.“ Dennoch würde der Tag häufig vergessen, wie er festgestellt habe.

Auf den 9. November 1918 – Abdankung des Kaisers und Ausrufung der Republik – und den 9. November 1938, der als Reichspogromnacht in die Geschichte einging, kam er zu sprechen. Vom Mauerfall am 9. November 1989 baute er zum 9. November 2015 eine Brücke. „Wieder fallen Mauern. Menschen kommen zu uns.“

Erinnerungen an „sehr politischen Tag“

Mit Psalm 91 rief sein Amtskollege, Pfarrer Torsten Beckmann vom zweiten Pfarrbezirk, in die Stille. Den „sehr politischen Tag“ 9. November machte auch Pastor Fred Ritzhaupt von der FeG zum Kernthema seiner Ansprache. Von jahrelanger Hetze gegen Juden, die 1938 im Brand Hunderter von Synagogen und Verhaftung von rund 30 000 Juden mündete, war die Rede. „Nur wenige fanden den Mut, dagegen aufzustehen.“

Damals habe keine Einheit unter den Christen geherrscht. Anders 1989, als diese Einheit vorhanden war. „Wenn Einheit unter Christen ist, geschieht Unglaubliches.“ Mit Blick auf 2015 und die Flüchtlinge, die ins Land kommen, mahnte er: „Wir können es uns nicht mehr leisten, getrennt voneinander zu bleiben.“ Zum „Zusammenstehen, damit wir helfen können, wie es uns als Christen ansteht“ machte er Mut. Auf Persisch und Arabisch legte die iranische Christin Hengameh Goldari Zeugnis ihres Glaubens ab.

timmungsvolle Atmosphäre

Großen Anteil an der stimmungsvollen Atmosphäre des Gottesdienstes in der von Kerzen erleuchteten Kirche hatten die Lieder, die Rolf-Edgar Gerlach (Klavier) und FeG-Jugendreferent Sebastian Göpfert anstimmten. Taizé-Lieder und Instrumentalklassiker wie Bachs „Air“ brachten innerste Saiten zum Klingen. Den abschließenden Segen sprach Pastor Armin Rogge von der katholischen Pfarrei Christus König.

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