62 Polizeieinsätze binnen kurzer Zeit am Linscheider Berg

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Schalksmühle - 62 Einsätze verzeichnete die Polizei im Herbst 2016 binnen eines kurzen Zeitraums am Linscheider Berg. Jetzt stand der Verursacher vor Gericht, Anklagen gibt es gleich ein rundes Dutzend.

Vermieter und Nachbarn müssen hörbar aufgeatmet haben, als ein 53-jähriger Schalksmühler vor etwa zehn Wochen aus einer Wohnung am Linscheider Berg auszog. 62 Einsätze habe die Polizei wegen des Angeklagten innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums im Herbst 2016 gehabt, bestätigte ein Beamter im Amtsgericht Lüdenscheid, wo sich der 53-Jährige wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Stromdiebstahl sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unter Alkoholeinfluss verantworten muss. Schon die Verlesung eines runden Dutzends von Anklagen mit zumeist mehreren Vorfällen dauerte geraume Zeit.

„Irgendwann war er weg. Er hat zu mir gesagt, er begibt sich in Therapie“, sagte jener Nachbar, der neben dem Vermieter am intensivsten von der Dauerrandale betroffen war. Seit diesem Auszug herrscht im Haus offenbar tiefer Friede oder doch zumindestens jene friedliche Koexistenz, ohne die man es nicht aushalten kann in einem Mietshaus.

"Es war zunächst ein guter Kontakt"

„Es war zunächst ein guter Kontakt“, erinnerte sich der Nachbar, „das hat sich dann geändert.“ Der 53-Jährige habe einen persönlichen Verlust erlitten, Medikamente genommen und sei immer mehr in den Alkohol abgeglitten. Die Folge waren bösartige Streiche wie herausgedrehte Sicherungen, aufgedrehte Wasserhähne bei gleichzeitig abgebautem Siphon, zertrümmerte Türen, nächtliches Klingeln bei allen Nachbarn und Sperrmüll, der den Hausflur blockierte.

Doch der Zeuge berichtete auch von Schlägen mit der flachen Hand, die ihn im Gesicht trafen. Erstaunlich ruhig erzählte der offenbar recht gutmütige Nachbar von der „zweiten Brille, die mir kaputtgegangen ist“. Beleidigungen vom Typ „Penner“ und „Schwein“ waren an der Tagesordnung. Solche Ausfälle bestätigten auch Polizisten, die den Angeklagten ein ums andere Mal in den Streifenwagen hatten packen müssen. Sie sind einiges gewohnt – das wurde im Gerichtssaal deutlich. Aber Bedrohungen vom Typ „Ich habe Leute zuhause – die kommen bei deiner Familie vorbei“ seien nicht akzeptabel: „Da ist dann irgendwann mal Feierabend.“

Drohung gegen den Vermieter

Sehr mitgenommen von den Ereignissen zeigte sich auch der 76-jährige Vermieter des Angeklagten. Er zitierte den 53-Jährigen mit der Drohung, er wolle dafür sorgen, dass alle Mieter auszögen: „Ich mache so lange weiter, bist du kaputt bist, pleite bist.“ Die fortwährenden Beleidigungen schienen den Vermieter angesichts der Masse schon gar nicht mehr zu interessieren. Aber ein Vorfall, bei dem der Angeklagte versucht hatte, ihn mit einer Bierflasche zu schlagen, ließen ihn schließlich in Tränen ausbrechen.

Der Angeklagte räumte einige Taten ein – jene, deren Ziel der Vermieter oder sein Nachbar gewesen waren, stritt er allerdings ab. Seit Januar befindet er sich in einer Therapieeinrichtung für Suchtkranke. Ob das ausreicht, um eine Wiederholung solcher Taten zu verhindern, weiß derzeit niemand. Richter Thomas Kabus hörte die Zeugen deshalb vor allem, um letztlich zu entscheiden, dass der Angeklagte von einem Gutachter untersucht werden muss. Sollte der Richter nach erneuter Verhandlung zu dem Ergebnis kommen, dass zumindestens weitere „mittlere“ Straftaten zu erwarten sind, könnte der Angeklagte auf die Einweisung in eine geschlossene Klinik und eine Alkoholentwöhnungstherapie hoffen.

Neuer Termin von Amts wegen.

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