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Polizei mit Flaschen beworfen: Umfassendes Geständnis nach lauter Nacht

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Von: Thomas Krumm

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Zwei Männer nach lauter Nacht vor Gericht.
Zwei Männer nach lauter Nacht vor Gericht. © Symbolfoto: Volker Hartmann

Es war eine laute Nacht in Schalksmühle, wegen der nun zwei Männer auf der Anklagebank sitzen. Unter anderem haben sie Polizeibeamte angegriffen.

Schalksmühle/Lüdenscheid – Recht laut muss es in der Nacht zum 6. April 2019 an der Straße Asenbach zugegangen sein: Eine später erstellte Anklageschrift sprach von lauter Musik und Pistolenschüssen. Der Lärm habe „sämtliche Anwohner um den Schlaf gebracht“.

Das Schlimmste sollte aber noch kommen. Als die Polizeibeamten gegen 3.20 Uhr zu jenem Haus eilten, das sie als Quelle des Lärms ausgemacht hatten, wurden sie von einem Balkon aus mit Flaschen beworfen. Zwei Angeklagte mussten sich nun im Amtsgericht Lüdenscheid wegen dieses tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Beleidigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Drogen und Alkohol im Spiel

Ein 27-Jähriger hatte das Haus während des Einsatzes freiwillig verlassen und sich gestellt. Sein Anwalt René Litschner erklärte im Namen seines Mandanten, dass die Anklage zutreffend sei: Ja, sein Mandant habe vom Balkon Flaschen in Richtung der Beamten und der Autos geworfen. „Dann ließ er sich festnehmen.“ Der 27-Jährige habe damals aufgrund mehrerer familiärer Verluste eine „Phase enormen Alkohol- und Drogenkonsums“ durchlebt. Seit einer Drogenentzugstherapie im Jahr 2020 lebe er aber „alkohol- und drogenfrei“. Sein familiäres und berufliches Umfeld habe sich stabilisiert.

Auch Thorsten Merz, Verteidiger des mitangeklagten 28-Jährigen, lieferte im Namen seines Mandanten ein umfassendes Geständnis. „Er war an den Flaschenwürfen und Beleidigungen beteiligt.“ Richter Markus Pohl redete den Angeklagten ins Gewissen: „Haben Sie eine Vorstellung, was passiert, wenn Sie aus 13 Metern Höhe jemanden mit einer Flasche treffen, der keinen Helm auf hat?“

Es waren letztlich auch die einschlägigen Vorstrafen, die das Strafmaß für die beiden Angeklagten in die Höhe trieben: Markus Pohl verurteilte den 28-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die trotz einiger Bedenken zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte 200 Sozialstunden ableisten. Er konnte sich mit dem Urteil abfinden.

Unübliche Strafe für Angeklagten

Anders war die Situation bei dem 27-Jährigen, der von der erfolgreichen Drogentherapie und dem neuen Job bis zu Reue und Einsicht alles bieten konnte, was zu einem nachsichtigen Urteil hätte beitragen können. Das Problem war nicht die neunmonatige Haftstrafe auf Bewährung. Die hätten der Angeklagte und sein Anwalt sofort akzeptiert. Doch der Richter verurteilte ihn darüber hinaus zu einer Bewährungsauflage von 5000 Euro, die in keinerlei vernünftigem Verhältnis zu den Einkommensverhältnissen stand. Eine derartige Bewährungsauflage ist theoretisch möglich, aber in dieser Form völlig unüblich. Und so kündigte der Anwalt des 27-Jährigen an, dass er Berufung gegen das Urteil einlegen werde, um im Landgericht für eine erhebliche Minderung dieser Bewährungsauflage zu streiten.

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