Poesie und böser Schabernack

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Die vier Autoren Christophe Bossu, Velina van der Gaag, Annette Gonserowski und Edmund Ruhenstroth mit Konzertgitarrist Andreas Koch.

Schalksmühle  - „SommerSinn“ lautete das Motto einer musikalischen Lesung mit vier Mitgliedern des Hagener Autorenkreises Ruhr-Mark im Rahmen des Kulturfestivals „Lampenfieber“ der vier „Oben an der Volme“-Kommunen.

Das Bauernhaus Wippekühl lieferte am Mittwoch das passende Ambiente für die Veranstaltung, bei der die lyrischen Texte der Autoren im Mittelpunkt standen und von der poetischen Musik des Konzertgitarristen Andreas Koch begleitet wurden.

Nachdenkliche, romantische und melancholische, aber auch humorvolle Lyrik erwartete die Zuhörer, die es sich bei Getränken oder einem Snack an den Tischen bequem machten. Im Anschluss an eine von Andreas Koch dargebotene Canción des lateinamerikanischen Komponisten Leo Brouwer startete die Vorsitzende des Autorenkreises Ruhr-Mark, Annette Gonserowski, mit ihrer Lesung. „Ich schreibe nur, wenn ich traurig bin“, erklärte die Autorin und betonte, dass ihre Gedichte deshalb oft über einen melancholischen Unterton verfügen.

Aber es waren durchaus auch optimistische Texte dabei. So beschwor Gonserowski „Sonnenträume“, erzählte von bunten Luftballons, die in den Sommerhimmel steigen und unter deren buntem Horizont die Seele frei wird. Sie ließ sich auf poetische Weise auch über das Meer aus, das dem aufmerksamen Betrachter „silberne Augenblicke“, zum Beispiel in Form eines springenden Fisches, bescheren kann. „Frieden und Krieg“ war dagegen das Thema eines Gedichtes, das in eine von Andreas Koch einfühlsam gespielte Version des Titelstücks aus dem Film „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“) überging.

Der Franzose Christophe Bossu, der seine Texte fast ausschließlich in deutscher Sprache verfasst, leitete seinen Vortrag mit einem französischen Text aus dem 16. Jahrhundert ein, der die Grundlage für das Lieblingslied von Kaiser Karl V. bildete. Nachdem er den Text in Mittelhochfranzösisch sowie in deutscher Übersetzung vorgetragen hatte, lieferte Andreas Koch die passende Gitarrenmusik dazu. Zwei beschwingte Schmetterlingsgedichte sowie das nachdenkliche „Schweigen im Wald“ folgten. Darin regte Bossu den Spaziergänger dazu an, schweigend den Stimmen des Waldes zu lauschen und die Geheimnisse von dessen Bewohnern zu ergründen, die frei von Hintergedanken sind. Der „Wortewind“, Titel von Bossus aktuellem Buch, wehte auch auf seiner Lesung im Bauernhaus elegant durch die Reihen der gespannten Zuhörer.

Der zweite Teil der Lesung begann nach einem von Andreas Koch interpretierten Gitarrenwerk von Niccolò Paganini mit Velina van der Gaag und ihren lyrischen Werken. Sie schreibe vor allem Natur- und Liebesgedichte, so die Autorin, und denke darin über den Sinn des Lebens nach. „Mit dir unterwegs sein, mitschwingen, mitsingen, dich anlächeln“ möchte Velina van der Gaag in ihrem Gedicht „Mit dir“. Aber auch die Schattenseiten des Lebens, die die Autorin in Form einer schweren Krankheit erlebt hat, verarbeitet sie in ihren Gedichten.

Mit jeder Menge schwarzem Humor setzte schließlich Edmund Ruhenstroth einen humoristischen Schlusspunkt unter die abwechslungsreiche Lesung. Da macht einer Ferien auf dem Bauernhof und bekommt Hühner, Schweine und Kühe zum Essen vorgesetzt, die nach und nach das Zeitliche gesegnet haben. Doch dann verstirbt die Oma des Hauses – und dem Feriengast wirds ernsthaft flau im Magen. Ruhenstroth kleidet seinen oft bösen Schabernack in heitere Verse im Stil von Wilhelm Busch und hatte damit das Publikum auf seiner Seite.

Die nächste „Lampenfieber“-Veranstaltung findet in Schalksmühle am Mittwoch, 10. September, ebenfalls im Bauernhaus Wippekühl statt. Dann liest ab 19.30 Uhr der Krimi-Autor Hans Girod aus seinen Bestsellern.

Von Björn Othlinghaus

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