Streuner Charly findet ein neues Zuhause

Zusammen mit seinen neuen Frauchen Johanna und Tochter Janka Vormann (von links) und der Münsterländer-Hündin Kea lebt Charlie jetzt in Heedfeld. ▪ Clever

SCHALKSMÜHLE ▪ Er hat sein Leben als Vagabund aufgegeben. Vorbei sind die Zeiten, in denen er kreuz und quer in der Gemeinde auf- und abtaucht und sich als Schalksmühler Nessie einen Namen macht – der Phantom-Hund Charlie hat seine große Liebe und ein Zuhause in Heedfeld gefunden.

Wie ein Blitz schießt Charlie durch den Garten und verfolgt Kea. Die fünfjährige Münsterländer-Hündin hechtet hinter einem Stock her. Doch der Rüde ist schneller und trägt das Objekt der Begierde stolz mit sich. Charlie fühlt sich pudel- oder besser „yorkshirewohl“. Denn: Er hat sich ein Zuhause gesucht und bei Familie Vormann in Heedfeld eines gefunden.

Monatelang sorgte Charlie für Gesprächsstoff. Zahlreiche Schalksmühler sahen und fotografierten ihn mal in Heedfeld, mal im Dorf und kurze Zeit später in Mollsiepen. Er ließ sich von zahlreichen Menschen füttern und forderte dieses auch ein. Doch nie hat er jemanden nah an sich rankommen lassen. Vorher nahm er reißaus. Rannte wie ein Teufel. Mit einer Lebendfalle versuchte auch das Tierheim Dornbusch den kleinen Kerl einzufangen – erfolglos. „Je länger er draußen ist und sich selbst durchkämpft, desto wilder wird er“, sagte damals Anna-Lena Pieper, Leiterin des Tierheims im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch Charlie ist anders und hat sich nun ein Zuhause gesucht – wegen der Liebe.

Anfang Oktober. Johanna Vormann geht mit ihrer Hündin Kea spazieren. Charlie gesellte sich dazu, ging mit. Am Tag darauf ist er wieder dabei. Er spielt mit der Hündin. Lässt das Frauchen aber nicht nah an sich herankommen. Einige Tage später kommt er mit zum Haus in Heedfeld und übernachtet im Carport. Hier fühlt er sich wohl und kommt Nacht für Nacht wieder. Einige Tage später klettert er durch den Zaun in den Garten und legt sich zum Schlafen auf die Terrasse. Am Nachmittag steht die Terrassentür offen, Charlie schleicht rein, krabbelt unter die Hand von Johanna Vormann, die auf dem Sofa sitzt. Er lässt sich kraulen und geht wieder.

„In der Nacht wurde ich von einem lauten Bellen wach. Ich ging runter und öffnete die Tür. Draußen saß Charlie – ich ließ die Tür offen und er kam rein“, sagt Johanna Vormann. Der Rüde kuschelte sich zu Kea ins Körbchen. Inzwischen lebt der Rüde, den Vormann Oskar nennt, seit zwei Wochen bei ihr. Läuft ohne Leine herum und kommt dennoch zurück zum Haus. Ein bisschen Wasser und eine Bürste haben aus dem kleinen Streuner einen adretten kleinen Kerl gemacht. „Eigentlich wollte ich nie einen kleinen Hund haben – aber Oskar kann ich nicht weggeben. Das ist ein tolles Tier“, sagt Vormann. Der Rüde, dessen Alter die Tierärztin auf rund zwei Jahre schätzt, spitzt seine Ohren, als er Oskar hört und rennt zu Johanna Vormann und wartet darauf, dass sie ihn auf den Arm nimmt. Er lässt sich genussvoll krabbeln. „An dem Hund ist wirklich kein schlechtes Haar dran. Oskar hat noch nie geknurrt oder sonst was – der ist einfach froh, wenn er dabei sein kann.“ Auch mit der Katze von Tochter Janka Vormann versteht sich Charlie gut, Impf-Termine beim Tierarzt sind auch problemlos. Inzwischen ist der Streuner auch offiziell ein Hund der Volmegemeinde, wo er registriert ist.

„Wir sind froh, dass die Geschichte so gut ausgegangen ist“, sagt Anja Wolf, Leiterin des Fachbereiches für öffentliche Ordnung. Denn: Einen kalten Herbst oder Winter hätte der Rüde draußen wohl nicht überlebt. ▪ Matthias Clever

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