Schalksmühle ohne Pestizide: Bald Einigung?

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Schalksmühle - Das Thema „Pestizidfreie Kommune“ beschäftigt die Politik bekanntlich seit längerer Zeit. Nun ist in der Diskussion eine Klärung eine Sicht.

Bereits im vergangenen Jahr landete das Thema auf den Tischen im Ratssaal. Anfang Dezember beschlossen die Mitglieder des Gemeinderats, dass 

  • der Bauhof ab sofort schrittweise auf allen kommunalen Flächen (Kulturland sowie Nichtkulturland) keinerlei chemisch-synthetische Pestizide (Pflanzenschutzmittel) verwendet, 
  • private Dienstleistungsunternehmen, die einen Pflegeauftrag für öffentliche Flächen haben, verpflichtet werden, auf Pestizide zu verzichten, 
  • bienen- und insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte initiiert und angelegt werden, 
  • Bürger über die Bedeutung von Biodiversität in Schalksmühle informiert und gleichzeitig Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern aufgezeigt werden. 

Ursprünglich sollte auch beschlossen werden, bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung ein Pestizidverbot im Pachtvertrag zu verankern. Zu diesem Punkt konnte letztlich keine Einigung erzielt werden, da die möglicherweise von einer Regelung Betroffenen massiv Einwände vorbrachten. Deshalb sollte der fehlende Punkt für einen Grundsatzbeschluss im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und Umwelt beraten und Gespräche mit allen Parteien geführt werden. 

So trugen ein Vertreter des Landwirtschaftsvereins und Pächter gemeindlicher landwirtschaftlicher Flächen und eine Landschaftsökologin ihre Anliegen vor. Auf Anregung von Bürgermeister Jörg Schönenberg sprach sich der Hauptausschuss dafür aus, Gespräche in einem Arbeitskreis zu führen und Ideen zu einem ökologischen, gemeinschaftlichen Pilotprojekt auf gemeindlichen Landwirtschaftsflächen zu entwickeln. 

In diesem Jahr fanden dazu zwei Termine statt. Beteiligt waren Sigrid Pomaska, Sprecherin BUND-Ortsgruppe Schalksmühle, die Landschaftsökologin Linda Froese aus Lauenscheid, zwei Landwirte, die größere, landwirtschaftliche Flächen von der Gemeinde gepachtet haben, Bürgermeister Jörg Schönenberg und Ralf Bechtel (Fachbereichsleitung technisches Bauamt). 

Glyphosatfreie Ackerflächen

Folgender Konsens konnte erzielt werden: Für Ackerflächen wird eine glyphosatfreie, für Grünland (Mähwiese) eine pestizidfreie Bewirtschaftungsweise festgelegt. Bei Grünland (Weide) einigte man sich auf eine grundsätzlich glyphosatfreie Bewirtschaftungsweise. Darüber hinaus dürfen auch andere Pestizide nicht flächig ausgebracht werden. 

Eine selektive Behandlung mittels Rückenspritze (ohne Glyphosat) zur Bekämpfung von Disteln ist zulässig, wenn der Einsatz mindestens 14 Tage vorher bei der Gemeinde angezeigt wird, die den geplanten Einsatz dann umgehend den örtlichen BUND-Vertretern weiter melden. Die wiederum prüft, ob im Einzelfall alternative Bekämpfungsmethoden möglich sind, und diese dann auch mit eigenen Akteure durchführen wird. 

Ausnahmen müssen weiterhin möglich sein

Eine Ausnahme im Interesse der Sicherheit und Hygiene – zum Beispiel die Rattenbekämpfung und Wespennester an Kindertagesstätten und Schulen – müssen auch weiterhin möglich sein, betonen die Beteiligten. Ebenso darf höherrangiges Recht nicht tangiert werden. Außerdem kam man zu dem Schluss, Gemeinschaftsprojekt zwischen BUND und Vertretern der Landwirtschaft als vertrauensbildende Maßnahme auf die Beine zu stellen. 

Die Verwaltung schlug vor, für dieses Projekt eine bestehende rund 5500 Quadratmeter große Obstwiese in Heedfeld südwestlich des Friedhofes zu nutzen. Diese befindet sich im Besitz der Gemeinde. Hier besteht die Möglichkeit, zusammen mit Schulen sowie Kindergärten und dem örtlichen Imkerverein ökologische Projekte zu initiieren und so auch eine Einbindung der Bevölkerung zur weiteren Sensibilisierung für das Thema zu erreichen. Die Ortsgruppe Schalksmühle des BUND möchte zusammen mit interessierten Landwirten Vorschläge entwickeln, die mit der Verwaltung abgestimmt werden. 

In der Sitzung des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen und Umwelt am Montag fasste man den Beschlussvorschlag, dass der Gemeinderat unter Beibehaltung des vorherigen Beschlusses den Ergänzungen zu landwirtschaftlichen Flächen, Ausnahmen und Unterstützung des ökologischen Gemeinschaftsprojektes zustimmt. Der Grundsatzbeschluss soll so feststehen.

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