Wie geht’s mit dem Jahnsportplatz weiter? - Neue Idee vorgestellt

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Der Jahnsportplatz fristet derzeit ein trostloses Dasein. Jochen Bernsdorf stellt sich dort eine attraktive Sportstätte für jedermann vor.

Schalksmühle  - Die Tage der Holzhäuser auf dem Jahnsportplatz sind gezählt. Doch was passiert mit der Sportanlage, wenn die Hütten verschwunden sind? Zahlreiche Ideen wurden bereits angesprochen. Der Schalksmühler Jochen Bernsdorf hat seine eigenen Vorstellungen.

Nachdem sich die Flüchtlingssituation in Schalksmühle entspannt hatte, sahen die Verantwortlichen keine Verwendungsmöglichkeit für die improvisierten Unterkünfte auf dem Sportareal. Nun möchte sich die Gemeinde von ihnen trennen und sie bis Mitte des Jahres vermarkten. Wie das konkret geschehen soll, steht noch nicht fest. 

Wie es mit dem Areal generell weiter gehen soll, steht ebenfalls noch in den Sternen. „Auch ich habe eine persönliche Vorstellung für die weitere Verwendung des Jahnsportplatzes. Aber wir sollten nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Erst einmal sollten die Häuser vermarktet werden“, sagte Bürgermeister Jörg Schönenberg in einem früheren Gespräch. 

Sinnvoll und für alle Generationen

Auch die Politik hatte bereits Vorschläge für die Zukunft des Platzes gemacht. Die FDP-Fraktion stellt sich dort etwa ein Mehrgenerationenprojekt nach Bauart der Primusschule vor. Ein anderer Vorschlag im Rahmen der Regionale 2025 war, dort ein Gesundheitszentrum zu errichten. Im Internet stoßen Interessierte auf einen Vorschlag des Schalksmühlers Jochen Bernsdorf. Dieser hat das soziale Netzwerk Facebook genutzt und dort seine Idee für eine, so ist es dort zu lesen, „sinnvolle und generationsübergreifende Nutzung des Jahnsportplatzes“ zur Diskussion gestellt. 

Sporttreiben ist auf dem Jahnsportplatz kaum möglich.

Er könnte sich zunächst einmal einen Kiosk inklusive einer kleinen Terrasse oder eines Biergartens zum Verweilen und als Treffpunkt vorstellen. Dort könnten auch administrative Tätigkeiten rund um die Anlage sowie deren Betreuung stattfinden. Direkt angrenzend an die Sitzmöglichkeiten hält der Schalksmühler, der selbst sehr oft sportlich unterwegs sei, eine noch unbestimmte Anzahl von Boule-Bahnen für möglich. Auch eine Spielwiese für Feldspiele (Tauziehen, Fallschirm) mit Grillplatz beinhaltet sein Vorschlag. 

Für Sportbegeisterte sieht seine Idee unter anderem Beachvolleyball, -soccer und -handballfelder vor. Mit der Tribüne gebe es bei Turnieren die richtige Atmosphäre, so Jochen Bernsdorf. Außerdem schlägt er eine Outdoor-Gymnastikfläche vor, die von privaten Gruppen oder von Trainer geleiteten Kursen genutzt werden könnte. Alles soll von einer 400-Meter-Laufbahn umrandet werden. Die vorhandene Weitsprunganlage soll erhalten bleiben – ebenso wie der kleine Bolzplatz, der auch heute noch gut genutzt wird. Zu guter Letzt sieht er den Platz für einen sogenannten aus Lehm gearbeiteten Pump-Track für Mountainbiker am Ende der Anlage. 

Nach eigener Aussage möchte Jochen Bernsdorf über das Internet eine „rege und faire Diskussion“ über die Zukunft des Sportplatzes anstoßen und „ein paar interessierte und engagierte Mitstreiter, die dieses Thema weiterverfolgen“ finden sowie „gemeinsam mit der Verwaltung nach Möglichkeiten der Umsetzung suchen“. Er sei von den Reaktionen der anderen Nutzer „positiv überrascht“ worden. Es habe keine unnötigen Diskussionen oder einen Shitstorm gegeben. 

Keine Alternative in der Gemeinde

Unter #makejahnsportplatzgreatagain veröffentlichte Jochen Bernsdorf seine Idee auf Facebook.

Die Idee kam Jochen Bernsdorf, so erzählt er auf Nachfrage, als er seine Tochter bei ihren Vorbereitungen für die Aufnahmetests an der Sporthochschule unterstützen wollte. „Für Intervalltrainings gibt es in der Gemeinde keine Alternative zum Jahnsportplatz. Die Sportanlage in Kuhlenhagen liegt weit außerhalb und ist zudem nicht öffentlich zugänglich.“ Er sei viel in der Region unterwegs und habe einige Dinge gesehen, die den nachfolgenden Generationen etwas bringen könnten. Wie kulturelle Dinge etwa durch die Förderung „Dritte Orte“ unterstützt werden, so könnte man auch Bewegung fördern, findet Bernsdorf. Dies könnte außerhalb des starren Korsetts eines Vereins, und zwar draußen unter freiem Himmel stattfinden. „Die Gemeinde überaltert, man sollte versuchen, einen Gegenpunkt zu setzen.“ Es sei wichtig, Dinge anzustoßen, die generationsungebunden sind, wie etwa Beachhandballplätze oder Mountainbike-Strecken für die Jüngeren und Boule-Flächen für die Älteren. 

„Das ganze Thema könnte etwas sein, das die Lebensqualität in Schalksmühle aufwertet, wie etwa der geplante Glörpark in Dahlerbrück oder der Mehrgenerationenpark im Ortskern. Der Platz könnte auch von Schülern und aufgrund der Nähe auch von den zukünftigen Besuchern der geplanten neuen Kita am Löh genutzt werden.“ Jochen Bernsdorf hat sich auch bereits Gedanken gemacht, wie man seinen Vorschlag auf sichere Füße stellen könnte. „Er müsste nicht eins zu eins umgesetzt werden.“ Finanziert werden könnte sie etwa durch eine Regionale-Förderung oder durch eine gemeinnützige GmbH, einen dafür gegründeten Verein, durch Institutionen, Verbände, Unternehmen oder durch die Gemeinde. Damit der Betrieb laufen könne und die Anlage gepflegt bleibe, würde Jochen Bernsdorf einen Manager, der vielleicht auch den Kiosk betreibt, einsetzen. 

Freizeitwerte stärken

Neben dem öffentlichen Diskurs möchte sich der Ideengeber auch an die Gemeinde wenden und – ähnlich wie bei zahlreichen anderen Projekten in der Vergangenheit – im Rahmen von Workshops mit Experten und interessierten Bürgern „die Grundlagen abklopfen“. „Es wird viel gemeckert, aber jeder kann sich für die Gemeinde engagieren. Wer Bock hat, der kann auch etwas verändern. Es gehört aber auch eine Portion Realismus dazu. Veränderung geschieht nur mit langsamen Schritten.“ Schalksmühle müsse seine Stärke, den Freizeitwert als Gemeinde im Grünen, stärken. „Wir müssen uns damit abfinden, dass die Aufwertung des Einzelhandels nicht möglich ist. Deshalb müssen wir das Wohnumfeld mit den guten Anbindungen an Rhein und Ruhr attraktiver machen.“

„Gemeinde muss priorisieren“

Die Idee zur möglichen zukünftigen Nutzung des Jahnsportplatzes von Jochen Bernsdorf, der eine öffentlich zugängliche Sportanlage für jedermann im Sinn hat, habe man auch im Rathaus bereits zur Kenntnis genommen, erklärt Bürgermeister Jörg Schönenberg im Gespräch mit unserer Redaktion. Man sei dankbar für jeden kreativen Vorschlag, aber eine konkrete Aussage dazu möchte er zu diesem frühen Zeitpunkt nicht machen. 

Der Verwaltungschef weist daraufhin, dass in Sachen Jahnsportplatz ein Schritt nach dem anderen gemacht werden müsse. So stünde zunächst die Aufgabe und anschließende Vermarktung der Holzhäuser an. Danach könnte man Idee sammeln, sie in einem interaktiven öffentlichen Prozess diskutieren und die Machbarkeiten prüfen. Zu guter Letzte stehe dann eine Entscheidung des Rates an. 

Viele offene Fragen 

Der Bürgermeister möchte gute Ideen nicht „zerreden“, doch man müsse immer, wenn man etwas will, vorab viele offene Fragen beantworten. So müsse man klären, ob so ein Vorhaben auch in die Nachbarschaft passt. Dabei spiele der Emissionsschutz eine wichtige Rolle – wie etwa damals, als man sich dazu entschied, den Kunstrasen nicht auf dem Jahnplatz, sondern in Kuhlenhagen zu verlegen. 

Außerdem sei zu prüfen, ob mit einem entsprechenden Vorhaben auch das Planungsrecht vereinbar sei oder ob man es ändern müsse. Und selbst, wenn man alle diese Dinge geprüft habe, bleibe immer die Frage „Können wir uns das überhaupt leisten?“. „Wir wollen kreative Ideen nicht im Keim ersticken. Aber so ein Vorhaben bindet auch immer stark Ressourcen.“ Dabei seien vor allem die Finanzierbarkeit und Nachhaltigkeit zu nehmen, so Jörg Schönenberg. „Wir haben viele Großprojekte in der Gemeinde, wie den Glörpark oder die energetische Turnhallensanierung. Auch das Thema Eventhalle ist nicht vom Tisch. Ich bezweifel, dass man das alles gleichzeitig händeln kann. Als Gemeinde muss man priorisieren.“

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