„Originelle, sachliche Bewerbung mit Tiefgang“

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Verbundschulleiterin Daniela Schröder (l.) begrüßte zahlreiche Vertreter Schalksmühler und Halveraner Unternehmen zum „Runden Tisch Berufswahlorientierung““, den ihr Kollege Olaf Weber (2.v.l.) initiiert hat. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Erstaunliche Einsichten, überraschende Erklärungen, einfache Lösungen – alles Dinge, die Praktiker nicht zwangsläufig mit dem Erkenntnisgewinn durch die Teilnahme an „Runden Tischen“ in Verbindung bringen. 

Der „Runde Tisch zur Berufswahlorientierung“, gestern unter der Leitung des Initiators Olaf Weber, war aber eines der positiven Beispiele.

Im Berufsorientierungsbüro „Bob“ traf sich die Runde aus Schalksmühler und Halveraner Unternehmen. Weber, Berufswahlkoordinator an der Verbundschule, stellte zunächst die umfangreichen Anstrengungen der Schule vor, um Schüler mit dem Thema Interessen- und Talentfindung, Berufsorientierung und Berufswahl vertraut zu machen. Das geht in den fünften Klassen los und zieht sich durch bis in die zehnte Klasse. Eine Fülle an theoretischen Informationen und auch viele praktische Erfahrungen kommen so zusammen. Lehrer Andreas Henke schilderte seine positiven Erfahrungen damit, dass sich die Schüler selbst Praktikumsplätze suchen. Superidee, aber wenn schon beim ersten Telefonat der denkbar schlechteste Eindruck hinterlassen werde – kein Gruß, keine Namensnennung, kein vollständiger Satz mit der Erklärung, was das Begehr des Anrufers sei – dann gebe es doch offensichtlich erhebliche Defizite bei einigen grundlegenden Tugenden. Auch und gerade die Elternhäuser stehen da in der Pflicht.

Die erstaunliche Einsicht: „Nichts von diesen theoretischen und praktischen Erfahrungen finden wir in den Bewerbungen, keine Hinweise darauf“, sagte die Personalexpertin Teuscher von der Firma Kaiser. Martin Eilbrecht (Lumberg) bestätigte diesen Eindruck und ergänzte: „Wir hatten den Fall, dass jemand bei uns ein Praktikum gemacht hat und später in seiner Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz schrieb, er hätte aus der Zeitung erfahren, dass bei Lumberg ein Auszubildender gesucht werde. Kein Wort davon, dass er unser Unternehmen schon von innen kannte“.

Überraschende Erklärung: „Unsere Schüler sind praktisch veranlagt, sie können sich aber nicht so gut verkaufen“, sagte Lehrerin Ingrid Papendick. Genau das müsse erlernt werden: Bewerbungen verfassen, die originell sind und ein wenig Tiefgang haben, die die Personalchefs neugierig machen, regte Bernd Jannack (Mayweg) an. Das alles in der Schule, im geschützten Raum, sei eine prima Idee, jedoch nur von geringer Durchschlagskraft.

Die einfache Lösung: Die Schüler müssen aus den Schulen in die Unternehmen. Nicht nur fürs Praktikum, sondern schon beim Bewerbertraining. Das bedeutet: eine richtige Bewerbung schreiben, die von richtigen Personalchefs gecheckt und in einem anschließenden, fast richtigen Bewerbungsgespräch kritisch analysiert wird. Noch eine überraschend einfache Lösung, die die Schule dankbar annahm:

Gerhard Bexkens, Personalchef bei der Firma Albrecht Jung, bot an, ab dem Sommer des kommenden Jahres als Ruheständler mit den jungen Leuten Bewerbertrainings an der Verbundschule zu machen: „Eine zackige, sachliche Bewerbung, ein ordentliches Foto – nicht eins zum Eierabschrecken – und kein rotes Mäppchen mit Verzierungen um die Bewerbung, dann wird auch ein Bewerber mit durchwachsenen Schulnoten noch zum Gespräch eingeladen“, sprach Bexkens aus jahrzehntelanger Erfahrung.

Teilnehmer des ersten „Runden Tisches“, der sich mit der Berufswahl-Information und -Orientierung der Verbundschüler befasst, waren gestern die Firmen Mayweg, Schnöring, Rutenbeck, Jung, Manz, Falkenroth, Lumberg, Spelsberg, Schriever und Kaiser. Für die Gemeinde als Schulträger war Nektarios Stefanidis vom Fachbereich Schule, Kultur und Sport vertreten; für die Verbundschule nahmen die Leiterin Daniela Schröder sowie die mit der Berufswahlvorbereitung befassten Kollegen Ingrid Papendick, Olaf Weber und Andreas Henke teil. ▪ bomi

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