Onkel soll Ermordung angekündigt haben

SCHALKSMÜHLE -  Zahlreich sind mittlerweile die angesammelten Beweismittel im A45-Mordprozess. Für die Kammer steht ihre Würdigung noch bevor. In dieser Situation ließ Donnerstag eine Äußerung von Dr. Frank Schreiber aufhorchen.

Der Vorsitzende Richter im ersten A45-Mordprozess, dessen Kammer Iptehals Cousin wegen Beihilfe zum Mord zu 14 Jahren Haft verurteilte, war als Zeuge geladen, weil die Angeklagten im damaligen Verfahren noch als Zeugen ausgesagt hatten.

Die Auswertung der Geodaten und der Verbindungsdaten der Handys der Angeklagten und des damals Verurteilten sowie die abwegigen nächtlichen Zeiten ihrer Telefongespräche ließen keine andere Erklärung zu als jene, dass die Angeklagten sich zu der Tat verabredet hatten, sagte Schreiber. „Die Beteiligten wussten alle, worum es ging.“ Zwar seien viele der Fakten im Einklang mit den Naturgesetzen auch anders erklärbar – nicht aber die Summe der Indizien, was Aufenthaltsorte und Kommunikation der Angeklagten in der Mordnacht angehe. Natürlich verständigte sich der Zeuge, der mittlerweile Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf ist, anschließend sehr schnell mit den Anwälten darüber, dass es sich bei seiner Äußerung um eine vorweggenommene „Beweiswürdigung“ handelte.

Doch vor dieser ersten vorläufigen Bewertung der Beweismittel berichtete der Richter im Zeugenstand von dem, was ihm Iptehals Mutter und der inzwischen ebenfalls angeklagte „deutsche“ Onkel mütterlicherseits erzählt hatten. Beide hatten berichtet, dass der „finnische“ Onkel mehrfach Iptehals Tötung angekündigt habe. Er sei ein Verrückter, ein Spieler, soll die Mutter über ihren Schwager behauptet haben. Plötzlich und unerwartet – quasi als Überraschungsgast – sei er kurz vor der Tat in Wuppertal bei seinem (später verurteilten) Neffen aufgetaucht, nachdem die Familie ihn jahrelang nicht gesehen hatte.

Aussagen des verurteilten Cousins der Iptehal durfte Dr. Schreiber nicht wiedergeben, weil der Cousin im aktuellen Verfahren von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte und dieses auch die Verwertung seiner bisher gemachten Aussagen betrifft. Doch auch sein Vater hatte die Schilderung seines Sohnes über die angeblichen Ereignisse in der Mordnacht berichtet: Demnach erbat Iptehals „finnischer“ Onkel von seinem Neffen in Wuppertal ein Auto, weil er „noch etwas zu erledigen“ habe. Der Neffe sollte ihn auch begleiten. Angeblich sei der junge Mann auf der Fahrt eingeschlafen und erst beim Stopp auf dem Autobahnparkplatz Sterbecker Siepen wieder wach geworden. Dort zwang ihn der Onkel angeblich mit vorgehaltener Waffe, einen leblosen Körper in den Wiesenbereich des Rastplatzes zu tragen. Erst zu diesem Zeitpunkt habe der junge Mann erkannt, dass es sich bei der Person um Iptehal handelte. „Wegen ihres Lebenswandels“ müsse sie weg, soll der Onkel erklärt haben, bevor er die junge Frau erschoss. Sein Neffe fuhr ihn anschließend in die Niederlande, von wo der mutmaßlich Mörder weiter flüchtete.

Der Prozess wird am Montag ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

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