Offener Gesprächskreis über Christen in Syrien

Zum Vortrag von Pfarrer Michael Czylwik kamen zahlreiche interessierte Besucher ins Gemeindezentrum der Kreuzkirche. - Fotos: Salzmann

Schalksmühle -  Im Rahmen des Offenen Gesprächskreises der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück führte Pfarrer Michael Czylwik von der Kreuzkirche Brügge am Dienstag den Zuhörern die katastrophale Lage der „Christen in Syrien“ vor Augen.

„40 Prozent der Bevölkerung Syriens ist auf der Flucht. Angehörige aller Religionsgruppen fliehen“, erklärte er. Just am Tag der umstrittenen Präsidentschaftswahl in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land ging der Pfarrer im Gemeindezentrum der Kreuzkirche Am Mathagen auf die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle Situation christlicher Gemeinden in Syrien ein. 2005, damals noch Pfarrer in Porta Westfalica, war Czylwik selbst für zwei Monate im Land und ist daher mit der Materie bestens vertraut.

Sehr gut besucht war der Gesprächskreis zu brandaktueller Thematik. Eine rege Diskussion schloss sich an die Ausführungen des Pfarrers an, der mit seinen Schilderungen eine andere Blickrichtung auf die Ereignisse in Syrien eröffnete. In dem Satz: „Ich mag Assad nicht, aber ich wünsche nicht, dass die Islamisten ihn besiegen“, zeigte sich das Dilemma widersprüchlicher Gefühle. „Die Mehrheit der Christen wünscht sich, dass Assad bleibt. Die Christen haben Angst, dass radikale Islamisten die Oberhand gewinnen.“ Als Gast nahm Jemal Ell Alli aus Halver, selbst unter abenteuerlichen Bedingungen aus Syrien flüchtete, am Offenen Gesprächskreis teil.

Bis in die biblische Zeit verfolgte Michael Czylwik, der 2005 zwecks Beweismittelsuche für einen politischen Asylantrag in Syrien war, die Geschichte der dortigen Christen zurück. „Zehn Prozent der Bevölkerung sind Christen“, erklärte er. Auf die verschiedensten Konfessionen ging er ein. „Syrien ist ein Land, über das man viel aus der Bibel erfährt.“ Als Beispiele zog er unter anderem die Bekehrung des Paulus vor Damaskus, das Aramäische als Sprache Jesu („Es gibt noch heute aramäisch sprechende Gemeinden“) und das antike Antiochien als Zentrum des frühen Christentums heran.

Auch die Geschichte von Staatschef Baschar al-Assad, der zur Religionsgemeinschaft der Alawiten gehört, war Teil seiner Ausführungen. „Er ist eigentlich eine scheue Persönlichkeit und hat nie das Präsidentenamt angestrebt.“

Bekanntlich war sein älterer Bruder Basil al-Assad, der 1994 bei einem Autounfall ums Leben kam, als Nachfolger seines Vaters Hafiz vorgesehen. Baschar al-Assad durchlief unterdessen in London eine Ausbildung zum Augenarzt.

Eigentlich sei Syrien ein sehr liberaler Staat, was die Religion angehe, so Michael Czylwik. Aktuell sei die Lage der Christen in Syrien jedoch sehr verzweifelt. „Viele Kirchen werden immer menschenleerer.“ Von zwei Seiten – als Christ und Staatsbürger – betrachtete der Pfarrer die Flüchtlingsproblematik. Auf die Frage „Wollen wir nicht die verfolgten Christen bevorzugt aufnehmen?“ antwortete er: „Als Pastor ja, als Staatsbürger nein.“

Seinen eigenen Zwiespalt Assad gegenüber untermauerte er durch den O-Ton einer Radiosendung, in dem es hieß: „Wenn Assad geht, kann es nur schlimmer werden für die Christen. Wer wird Assad ersetzen?“

Von Monika Salzmann

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