Nostalgie im Mesekendahl

Klaus-Peter Kämper und Birgit Wegener-Kämper mit ihren Hondas CX 500, die vor drei Jahren den Oldtimer-Status erhielten.

SCHALKSMÜHLE -  Behutsam schiebt Wolfgang Schröder zwei schmucke Motorrad-Oldtimer von der Ladefläche seines Kleinbusses, während Olaf Karthaus von der Motorrad-Oldtimer-IG aus Schalksmühle ihm dabei zur Hand geht. Karthaus hat den Sammler aus Lennestadt dazu überredet, zwei seiner derzeit sechs historischen Motorräder beim Motorrad-Oldtimer-Treffen auf dem Gelände des Wildgeheges Mesekendahl zu zeigen.

Schröder gehören die wohl mit Abstand ältesten Zweiräder auf dem Platz. „Die 2-Takter Terrot ist aus dem Jahr 1925, die Ravat mit 4-Takt-Motor von 1928“, erklärt der Motorradspezialist, der zurzeit überwiegend französische Modelle in seiner Sammlung hat. Dass Wolfgang Schröder sein Hobby mit Leib und Seele lebt, wird schon dadurch deutlich, dass er zu jedem Motorrad auch die eine oder andere Anekdote parat hat. Da erfährt der geneigte Zuhörer zum Beispiel, dass die Firma „Terrot“ zunächst Strickmaschinen hergestellt hat und die „Ravat“ über eine so genannte „Verlustschmierung“ verfügt, bei der über ein Entlüftungsrohr die Primärkette geschmiert wird. „Weil dabei jede Menge Öl weg tropft, ist das natürlich alles andere als umweltfreundlich“, gibt Schröder zu.

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Motorrad-Oldtimer-Treffen Wildgehege Mesekendahl

Aber auch alle übrigen Teilnehmer beim Motorrad-Oldtimer-Treffen in Mesekendahl zeigten am Samstag eine Menge Leidenschaft für ihre Maschinen. Die Zweirad-Fans waren nicht nur aus Schalksmühle, sondern auch aus allen umliegenden Kommunen angereist, um ihre Schätze zu präsentieren.

Obwohl überwiegend Besitzer von klassischen Motorrädern vertreten waren, durften wie immer auch Fahrer neuerer Motorräder an der Veranstaltung teilnehmen. Wie oft das Treffen in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Namen bereits stattgefunden hat, kann der Vorsitzende der Motorrad-Oldtimer-IG Rudi Mähler nicht mehr so genau sagen, aber sechzehn oder siebzehn Mal kamen die Zweirad-Liebhaber mindestens schon zusammen, erklärt der Schalksmühler Motorradspezialist. Mähler war einmal mehr mit einer Tornax aus dem Jahr 1930 sowie einem 350er BK-Gespann von 1957 auf dem Treffen vertreten.

Veranstalter zeigen auch zwei Autos

Manfred Graf aus Lüdenscheid dagegen ist stolz auf seine DKW 175 RTS, Baujahr 1956. „Die habe ich im Jahr 2000 über eine Anzeige in der Zeitschrift ‚Oldtimer Praxis’ von einem Vorbesitzer aus Wiesbaden erstanden“, schwärmt Graf. Der Zustand sei so gut gewesen, dass er lediglich die Sitze erneuern und Lackierungsarbeiten vornehmen musste.

Die beiden Maschinen des Ehepaares Klaus-Peter Kämper und Birgit Wegener-Kämper aus Halver haben dagegen erst seit drei Jahren offiziell den Oldtimer-Status, den ein Motorrad nach 30 Jahren erhält. Beide sind stolze Besitzer je einer Honda CX 500, wobei Birgit Wegener-Kämper die Custom-Version des Anfang der 80er-Jahre gebauten Modells besitzt.

Als besondere Raritäten wurden diesmal sogar zwei Autos in Mesekendahl präsentiert, wobei es sich allerdings um ganz besondere Gefährte handelte. Ein wahres Schmuckstück ist die knallrote BMW Isetta 250 Export, Baujahr 1960, mit der Manfred Kempkes zum Treffen gekommen war. Das winzige Fahrzeug, in das der Fahrer durch eine Art Flügeltür an der Vorderseite, die das gesamte Armaturenbrett mit anhebt, einsteigt, würde heute gerade noch als Vehikel für eine Person durchgehen. Vor 50 Jahren bot das Auto, wie Kempkes zu erzählen wusste, auch locker zwei Erwachsenen und einem Kind Platz. In eine ähnliche Fahrzeugkategorie fällt der Messerschmidt KR 200 des Lüdenscheiders Norbert Peukert, der ebenfalls 1960 vom Band lief. Von seinem himmelblauen Prachtexemplar weiß Peukert zu berichten, dass er damals neu 2400 DM kostete, und damit gar nicht viel günstiger war als der deutlich geräumigere VW-Käfer, der mit 3500 DM zu Buche schlug. Sowohl mit der Isetta als auch mit dem Messerschmidt lässt sich eine bequeme Reisegeschwindigkeit mit rund 80 Stundenkilometern erreichen – alles, was darüber hinausgeht, artet in fahrerischem Stress aus, und den wollen Oldtimerliebhaber unbedingt vermeiden.

Da die Veranstalter des Motorrad-Oldtimer-Treffens diesmal mit strahlendem Sommerwetter belohnt wurden, nutzten am Samstag besonders viele Motorrad-Fans die Möglichkeit, auf dem Mesekendahl-Gelände von Zweirad-Schätze zu bewundern und den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten zu pflegen. -  bot

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