Schalksmühler Traditionsfirma

Neuanfang: Unternehmen NVB wird abgewickelt - so geht es jetzt weiter

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An der Viktoriastraße findet trotz der Insolvenz der Firma NVB ein Neuanfang statt.

Schalksmühle - Nachdem das Traditionsunternehmen NVB Nachtrodt & vom Brocke GmbH & Co. in finanzielle Schieflage geraten war, musste die Geschäftsführung bekanntlich Anfang Juli Insolvenz anmelden. Nun gibt es aber erfreuliche Nachrichten.

Wie unsere Redaktion in einem Gespräch mit NVB-Geschäftsführer Gerhard vom Brocke erfuhr, handelte es sich damals zunächst um eine vorläufige Insolvenz. Sein Ziel war es, den Betrieb für Metall- und Kunststoffteile für unterschiedliche Schalter an der Viktoriastraße weiter zu führen. Auch der bereits stark reduzierte Mitarbeiterstamm sollte erhalten bleiben. 

Die Nachtrodt & vom Brocke GmbH wird abgewickelt.

Das Unternehmen sei nach Aussagen des Verantwortlichen unter anderem wegen des Handelskrieges zwischen den USA und China in Schwierigkeiten geraten. Die Konkurrenz aus Fernost dränge auf den Markt und mache die Preise im Baumarkt-Bereich, dem Hauptabsatzmarkt von NVB, kaputt. Zudem mache der starke Fachkräftemangel in der heimischen Region und der bevorstehende Brexit dem Betrieb zu schaffen. 

Gerhard vom Brocke hatte sich vorgenommen, während des weiteren Insolvenzverfahrens das Unternehmen auf Artikel mit Alleinstellungsmerkmalen zu konzentrieren. Der Plan ging allerdings nicht auf, wie nun zu erfahren war. Die wirtschaftliche Schieflage von NVB sei so groß, dass nur noch der Weg in die endgültige Insolvenz bleibe, heißt es. 

Sohn wird neuer Geschäftsführer

„Zunächst muss ich klarstellen, dass für die NVB Nachtrodt & vom Brocke GmbH & Co. KG laut Beschluss vom 1. Oktober dieses Jahres das Insolvenzverfahren eröffnet ist und das Unternehmen nun abgewickelt wird“, erklärt Nils vom Brocke, seit Anfang Oktober neuer Geschäftsführer der neu gegründeten N. vom Brocke Elektro-System GmbH. Dieses Unternehmen sei völlig eigenständig. Sein Vater bleibe bis zum Abschluss der Insolvenz Geschäftsführer des alten Betriebes. „Mein Vater steht mir zukünftig als Berater bei technischen Fragestellungen zur Verfügung.“ 

Mit Hilfe eines sogenannten Asset-Deals habe man die erforderlichen Maschinen und den Kundenstamm aufgekauft, damit das neue Unternehmen nahtlos weiter produzieren kann. „Wir haben in der vorläufigen Insolvenz unter Vollkosten weiterhin produziert und Aufträge bearbeitet und ausgeliefert. Die Abarbeitung der vorhandenen Aufträge hat mit der neuen Firma bereits am ersten Tag begonnen. Unsere Kunden sind über die Weiterführung des Geschäfts sehr erfreut und blicken in eine positive Zukunft. Neue Aufträge gehen nun nach und nach bei uns ein. Der Fokus liegt jedoch erst mal darauf, die Aufträge, die in den letzten Monaten liegen geblieben sind, abzuarbeiten.“ 

An der Viktoriastraße produziert nun die N. vom Brocke Elektro-System GmbH.

Auch für die Mitarbeiter, die während der vorläufigen Insolvenz dort gearbeitet haben, gab es erfreuliche Nachrichten. Laut Nils vom Brocke werden alle übernommen. „Wir schauen mit neuen Strukturen, neuen Produkten und einem neuen Marketingkonzept positiv in die Zukunft und werden den Turn Around schaffen“, gibt sich Nils vom Brocke zuversichtlich, auch in Sachen wirtschaftlicher Lage des Unternehmens. 

Bereits jetzt Einsparungen möglich

„Ziel des Asset-Deals war es, nur Teilbereiche von NVB aufzukaufen. Durch diese Vorgehensweise war es mir möglich, nur die wirtschaftlich interessanten Teile zu übernehmen. Somit habe ich bereits zum Start der neuen Firma meine monatlichen Kosten deutlich minimiert.“ Durch diesen Schritt und einigen Einsparungen in anderen Bereichen könne man nun wirtschaftlicher produzieren und die benötigten Materialien für die vorhandenen Aufträge wieder ordern. „Durch die Unterstützung meiner Hausbank können wir auch wirtschaftlicher einkaufen und planen. Somit können wir uns voll darauf konzentrieren, unsere Abläufe zu verbessern.“ 

Konzentration auf spezielle Produkte

Für den Konkurrenzkampf auf dem Markt sieht sich der neue Geschäftsführer das Unternehmen gerüstet. „Für unsere Produktpalette gibt es nur einige wenige Wettbewerber, denen wir uns stellen.“ Um bestehen zu können, habe man einige Schalter aus dem Programm genommen. „Somit konzentrieren wir uns auf die Produkte, die für uns wirtschaftlich interessant sind, bei denen wir ein Alleinstellungsmerkmal haben. Produkte, von denen wir nur wenige Stück im Jahr verkauft haben, werden wir nicht mehr produzieren.“ 

Weiterhin werde man mit einem befreundeten Unternehmen aus dem Bereich der smarten Steckdosen rund um den Bereich des VoltPort arbeiten, um diesen und seine in der Entwicklung befindlichen Geschwisterprodukte mit smarten Gadgets zu kombinieren. Ziel sei es, den steigenden Bedarf an Steckdosen und Gadgets im alltäglichen Leben zu bedienen und innovative Produkte mit den bewährten der Schalter-Technologie der NVB zu kombinieren.

Unternehmensförderung in NRW

Geschäftsführer Nils vom Brocke erhält für seine Produktideen rund um den sogenannten Volt-Port, eine automatisch ausfahrbare Stromstation mit zwei 230V-Steckdosen und einem USB-Anschluss für beispielsweise Smartphones oder Tablets, das Gründerstipendium.NRW aus dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie. Für innovative Ideen gibt es 1000 Euro pro Monat für ein Jahr. Das Stipendium NRW soll die Chance eröffnen, Geschäftsidee auf den Weg zu bringen und in die Gründerszene einzusteigen. Zudem bestehe die Gelegenheit, sich in Gründernetzwerken auszutauschen und sich durch individuelles Coaching begleiten zu lassen.

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