Eis aus dem Kräutergarten

+
Dr. Hermann Thebrath und Bruno Sapere (von links) suchten im Kräutergarten nach den Zutaten für ein neues Eis.

SCHALKSMÜHLE - Sommerzeit ist Eiszeit. Momentan hat das Team der Eisdiele Venezia viel zu tun: Kugelweise wird geschleckt und geschlemmt. 28 Sorten haben Beatrice und Bruno Sapere im Angebot. Ständig suchen sie nach Ideen, erfinden neue Sorten oder verbessern Rezepturen. Die neueste Kreation: Zitrone mit asiatischem Basilikum und Schokominze.

Das Eis entsteht im Kopf. Zwischen Zeigefinger und Daumen zerreibt Bruno Sapere einige grüne Blätter. Er schließt die Augen und bewegt die Hand in Richtung seines Gesichtes. Der Geruch von Minze und Schokolade strömt ihm in die Nase: After-Eight aus dem Garten. „Das passt gut“, sagt Bruno Sapere zu Dr. Hermann Thebrath. Zusammen stehen die beiden Männer im Garten des Rechtsanwaltes und Notars am Wielsiepen. Zahlreiche Kräuter ranken in dem Hochbeet. Mit einer Schere schneidet Thebrath eine Handvoll von der Schokominze ab. Die anderen Minz-Sorten sind Sapere zu intensiv.

Der Eisdielenbesitzer ist auf der Suche nach neuen Zutaten für ein Sommereis. Nachdem er zum ersten Mal Zitrone mit Basilikum probiert hatte, erzählte Thebrath bei einem Eisdielenbesuch von seinem großen Kräutergarten. Bei dem Gespräch entstand die Idee, dass Bruno Sapere dort nach neuen Zutaten suchen könnte.

Weiter geht es über eine kleine Steintreppe ins Gewächshaus. Zwischen Tomaten und Peperoni wächst Basilikum. Neben der klassischen Sorte hat Thebrath auch griechisches und asiatisches Basilikum. Gedüngt werden die Pflanzen nur mit Brennnesseljauche. Dazu schneidet Thebrath die Nesseln ab und legt sie für eine Woche in Wasser ein. Diese Flüssigkeit helfe beispielsweise auch gegen Läuse.

Das asiatische Basilikum riecht süßlich-herb, leicht nach Nelke. „Da würde ich auch gerne Blätter von mitnehmen“, sagt Bruno Sapere. Mit einem Bündel Kräuter geht es in die Eisdiele.

Früh morgens beginnt Bruno Sapere in seinem Eislabor mit der Arbeit. Er rührt Zitronensaft, Wasser und Zucker zusammen. Ein „Zauberstab“ in überdimensionaler Größe heult auf. Die Flüssigkeit schäumt. Dann kommen die gewaschenen und zerkleinerten Blätter des asiatischen Basilikums dazu. Mit einem Löffel probiert Sapere die Masse. Zu herb. Schokominze folgt. Der Zauberstab zerreißt die Blätter in tausende Stücke. „Schon besser“, sagt Bruno Sapere, nachdem er erneut probiert hat. Immer wieder justiert er nach. „So passt es.“ Die fertige Masse füllt er in die Eismaschine. Wie eine Waschmaschine im Schleudergang vibriert sie. Es wummert leicht. Die Mousse wird bei minus 20 Grad elf Minuten lang geschleudert.

Unterdessen fertigt Sapere aus Blutorangensaft, Wasser und Co. die Masse für eine zweite Neuheit des Jahres. Außerdem hat er Holunder-Joghurt im Angebot.

Dann ist das Eis fertig. Wie Kuchenteig aus der Rührschüssel in die Form rutscht, quillt die grüngesprenkelte weiße Masse aus der Maschine. Bruno Sapere verstreicht die Creme in einer Form. Dann der erste Geschmackstest: Fruchtig, sauer, herb, süß – ein Geschmacksfeuerwerk. Je nach Konzentration der Blätter schmeckt das Eis stellenweise anders.

Bei den derzeit hohen Temperaturen stellt der 48-Jährige täglich bis zu 15 Eissorten her. Rund fünf Stunden verbringt er dann in der Eisküche, einem Hinterraum des Cafés. Dabei denkt er über neue Kreationen nach.

Im Herbst will er einen Kundenwunsch umsetzen: Schokolade mit Stückchen von Kirschen und Chili. - Matthias Clever

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare