Gefährliche Körperverletzung oder Notwehr

Neue Erkenntnisse zum Kettensägen-Streit

+
Bei dem Streit Ende Februar verletzte ein 37-jähriger Werdohler einen 54-jährigen Schalksmühler so schwer an beiden Armen, dass dieser mit dem Hubschrauber in eine Klinik nach Dortmund geflogen werden musste.

Schalksmühle - Neue Ermittlungsergebnisse zum blutigen Kettensägenstreit am Gartenzaun einer zwangsversteigerten Immobilie am 23. Februar im Bereich Schnarüm/Römerweg gab die Staatsanwaltschaft Hagen am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung bekannt.

So habe sich der 37-jährige Ehemann der neuen Eigentümerin des Grundstücks, ein Landwirt aus Werdohl, laut eigener Aussage bewusst diesen Tag und die Mittagszeit ausgesucht, um Demontagearbeiten mit einer Kettensäge am Zaun durchzuführen. Denn für 12 Uhr hatten ein 54-jähriger Schalksmühler als Vorbesitzer der Immobilie, der bei der Auseinandersetzung schwerste Schnittverletzungen an beiden Unterarmen erlitt, und eine Mieterin – beide wohnen seit der Zwangsversteigerung im August 2015 weiterhin in dem Gebäude und weigern sich auszuziehen – eine Vorladung zum Landgericht Hagen erhalten.

Dort wurde die Berufung einer sogenannten Vollstreckungsabwehrklage der Zwangsräumung des Hauses, die die Mieterin eingelegt hatte, verhandelt – und endgültig abgewiesen (wir berichteten). „Der 37-Jährige hatte für die Mittagszeit damit gerechnet, dass sich die beiden Personen bei Gericht aufhalten und glaubte, in Ruhe arbeiten zu können“, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli.

Der Schalksmühler, der Kontakte zur Szene der sogenannten Reichbürger pflegt, erschien jedoch ohne Angaben von Gründen nicht im Landgerichtsgebäude, die Mieterin reichte ein Attest über ihre Verhandlungsunfähigkeit ein.

Plastik- statt Eisenstange

Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, war der Werdohler nicht nur mit seinem Sohn, sondern auch seinem Vater zum Grundstück am Römerweg gekommen. „Beide hatten den Sohn von der Schule abgeholt und sind dann nach Schnarüm gefahren. Der Sohn blieb aber die gesamte Zeit über im Auto sitzen“, sagte Pauli.

Zunächst bemerkte laut Staatsanwaltschaft die Mieterin, dass Vater und Großvater am Zaun arbeiteten. Sie habe daraufhin den 54-Jährigen informiert. „Dieser kam nach Aussage des Werdohlers schreiend auf Vater und Großvater zu und soll auch geschlagen haben“, sagte Pauli. Sprach die Staatsanwaltschaft zuvor immer von einer Eisenstange als möglicher Tatwaffe, war am Freitag aus Hagen von einer rund 80 Zentimeter langen Hartplastikstange die Rede.

Als der Schalksmühler sich dem 37-Jährigen aus Werdohl näherte, habe sich dieser am Zaun in einer beengten Position in der Hocke befunden und sich mit laufender Säge erhoben, nennt die Staatsanwaltschaft neue Details des Tathergangs.

Im Zuge der Auseinandersetzung erlitt der Schalksmühler so schwere Verletzungen mit hohem Blutverlust, dass er mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Der Werdohler ließ sich von der Polizei in unmittelbarer Tatortnähe widerstandslos festnehmen, wurde aber bereits nach einigen Stunden wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

In der Klinik

Der 54-jährige Schalksmühler liegt mit schweren Schnittverletzungen weiterhin in einer Klinik in Dortmund. Über den genauen Gesundheitszustand machte die Staatsanwaltschaft Hagen am Freitag keine Angaben. „Er konnte weiterhin nicht vernommen werden“, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli nur. Für die weiteren Ermittlungen soll zunächst die Aussage des 54-Jährigen abgewartet werden – falls dieser den zuständigen Behörden Auskunft gibt. Im Raum steht eine mögliche gefährliche Körperverletzung durch den Werdohler mit der Kettensäge, möglich sein könnte aber auch eine Notwehrhandlung. Wegen des Angriffs mit der Stange könnte auch gegen den Schalksmühler ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Kettensägen-Streit zeitgleich zu Verhandlung um Wohnrecht

Kettensägen-Streit: Schalksmühler weiter nicht vernehmungsfähig

Streit eskaliert: Werdohler (37) verletzt Schalksmühler (54) mit Kettensäge

Nach Kettensägen-Angriff in Schalksmühle: Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare