Radfahren in Schalksmühle

Noch kein gutes Pflaster für Radfahrer

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Schalksmühle  Die Erkenntnis, dass Schalksmühle wenig bis überhaupt nicht fahrradfahrerfreundlich ist, ist nicht sonderlich schwer zu erlangen. Doch die Probleme, die sich daraus ergeben, werden mit der stetig wachsenden Bedeutung der E-Mobilität zunehmend größer.

 Durch die technische Möglichkeit, Fahrräder auch mit elektrischer Hilfe voranzubringen, sind touristische, aber auch Alltagsradwege immer gefragter. „Fahrräder sind als ein Nahverkehrsmittel der Zukunft anzusehen, das auch in topografisch anspruchsvollen Regionen Akzente setzen wird“, sagt Ralf Bechtel, Leiter des Technischen Bauamtes. 

Der Gemeindemitarbeiter ist sich der größer werdenden Rolle der Fahrräder auch in der Gemeinde bewusst. „Der Trend geht dahin, dass der motorisierte Individualverkehr bundesweit zurückgedrängt wird.“ 

Ralf Bechtel ist maßgeblich an der 2017 vom Gemeinderat beschlossenen Fortschreibung des aus dem Jahr 1993 stammenden Verkehrsentwicklungsplan (VEP) beteiligt. Dieser soll komplett neu aufgestellt werden. Das Ziel des VEP ist es, Handlungsmöglichkeiten für die zukünftige Entwicklung, den aktuellen Stand und mögliche Entwicklungen des Straßenverkehrs in der Gemeinde aufzuzeigen. Politiker, Planer und Bürger sollen sich künftig an ihm orientieren können. Unterm Strich sollen durch Steuerung, Verlagerung und Verminderung des Verkehrsaufkommens die Lebensqualität in der Gemeinde erhöht und der Umweltschutz in den Fokus gerückt werden. 

„Der Radverkehr ist ein großes Thema im VEP, auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes.“ Doch, so zeigt es die Bilanz nach einer Bürgerbefragung und eigenen Bestandsaufnahme der beauftragten Planersozietät, weist Schalksmühle Defizite in diesem Punkt auf. Diese wurden unter anderem Mitte Oktober bei einem Arbeitskreis thematisiert. Dort wurde aufgeführt, dass unter anderem Gemeindeteile untereinander nicht durch einen Radweg verbunden sind, es generell kaum Fahrflächen für Radfahrer gibt, die wenigen oft, wie etwa die B 54, unterbrochen sind, und sich die Radfahrer die restlichen Flächen mit Fußgängern teilen müssen. Zudem komme es dort immer wieder zu Konflikten mit geparkten Autos. Die Anzahl der eingehenden Beschwerden sei gering, sagt Silvia Gonzalez, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste und Soziales. Gemeldet würden Probleme etwa an der Straße Ramsloh, die auch als Schulweg genutzt wird. Dort werde häufiger auf dem Geh- und Radweg geparkt, obwohl die Straße breit genug sei. Das komme trotz der vorhandenen Beschilderung vor. Eine entsprechende zusätzliche Markierung auf der Straße fehle, da das Wiederholen von Verkehrsschildern nicht mehr erlaubt sei. Man werde über Alternativen mit dem Märkischen Kreis sprechen und bei einem möglichen Ortstermin eine neue Beschilderung für den Radweg bis Kuhlenhagen prüfen, so die Gemeindemitarbeiterin. 

Auch an anderer Stelle kann Silvia Gonzalez, teilweise auch aus eigener Erfahrung, von Problemen sprechen, etwa an der Klagebach, der Bergstraße oder der Volmestraße. „Unter dem Strich wurden Defizite, die nicht gerade klein sind, in den vorhandenen Strukturen gefunden“, sagt Ralf Bechtel. Deshalb sei man an vielen entscheidenden Stellen bestrebt, den VEP moderner aufzustellen. Ideal wäre es, wenn man etwa in Gewerbegebieten keine Stellplätze für Autos mehr bräuchte, da andere Mobilitätskonzepte greifen. „Das ist aber ein langer Weg. Manchmal fehlt die nötige Vorstellungskraft. Und in der Übergangsphase müssen Einschränkungen toleriert werden.“ 

Neben Kompromissen sei es vor allem wichtig, neue Strukturen, etwa auch beim ÖPNV, zu schaffen. Um den VEP den aktuellen Bedingungen anpassen zu können, sei es wichtig, die Öffentlichkeit mitzunehmen. Deshalb wird es unter anderem am 15. Januar 2020 in der Grundschule Spormecke ein abendliches Bürgerforum zu dem Thema geben. Dabei sollen die Defizite und bisherigen Pläne sowie Visionen dargestellt und weitere Ideen der Schalksmühler aufgenommen werden. Ralf Bechtel: „Wir wollen dann auch für die Einschränkungen sensibilisieren und die Politik möchte ein Stimmungsbild abfragen.“ 

Der grobe Zeitplan der Verantwortlichen zeigt, dass man derzeit mit der Definition von konkreten Zielen beschäftigt ist. Anschließend stehen die Maßnahmenentwicklung- und Untersuchung an. Danach sollen die ersten Ergebnisse und Konzepte bewertet, bei Bedarf ein zweites Bürgerforum veranstaltet und abschließend handfeste Beschlüsse gefasst werden. Insgesamt hat man sich eine Bearbeitungszeit von rund 15 Monaten eingeräumt. 

Einige Maßnahmen aus dem Themenumfeld werden bereits jetzt umgesetzt. So kamen bei den Befragungen die Bemühungen um den Volmetalradweg, der unter anderem die Bundesstraße 54 als Route für Radfahrer ersetzen soll, gut an. Auch die geplante Radstation am Schnurrenweg, die dort bald vorhandenen E-Ladestationen oder die barrierefreie Umgestaltung der Bahnhofstraße seien erste Anzeichen des Umdenkens. 

Auch im weiteren Sinne mache man sich bereits Gedanken über die Mobilität in der Gemeinde. Silvia Gonzalez und ihre Mitarbeiter haben weiterhin die Eltern-Taxis an den Schulen im Blick. So möchte man etwa für Heedfeld anregen, den Schulweg mit dem Rad zu gestalten oder weiter das Absetzen der Kinder der Grundschule auf dem Schützenplatz zu etablieren. 

Auch das im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche angedachte offene Fahrradsicherheitstraining mit dem ADAC soll einen neuen Termin bekommen. Direkte Vorgriffe auf den VEP gebe es aber noch nicht. „Aktionismus macht keinen Sinn. Die Zeit, um auf die Ergebnisse zu warten, sollte man haben“, sagt der Bauamtsleiter Ralf Bechtel. Ein solider Zeit- und auch Haushaltsplan sei sehr wichtig, um den VEP konsequent umsetzen zu können und nicht unnötig Geld für voreilige Baumaßnahmen auszugeben.

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