Offener Gesprächskreis nach Suspendierung

Nach Suspendierung eines katholischen Pastors: Bistum hat selbst Strafanzeige gestellt

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Schalksmühle - Für viele Gemeindemitglieder ist es immer noch unfassbar, dass ein Pastor, der sonntags für sie von Gott und Glauben predigte, jetzt unter Verdacht steht, Kinderpornografie auf seinen PC geladen zu haben.

Die vielen Fragen zu dem Geistlichen, der zuletzt in der katholischen Gemeinde in Schalksmühle, der Halveraner Pfarrei Christus König und auch in Altena/Nachrodt tätig war, sollten nicht unbeantwortet bleiben. 

Pfarrer Claus Optenhöfel von der Katholischen Gemeinde Christus König und der vom Bistum Essen entsandte Psychologe und Supervisor Wolfgang Schab luden deshalb am Donnerstag in den Gemeindesaal an der Hälverstraße zu einem offenen Gesprächsabend ein, bei dem viele Fragen beantwortet wurden. 

Pfarrer Claus Optenhöfel (links) und der Psychologe und Supervisor Wolfgang Schab aus dem Bistum Essen luden am Donnerstag zu einem offenen Gesprächsabend ein.

Ist es nur ein Verdacht oder hat der Pastor wirklich Kinderpornografie heruntergeladen?

„Es gibt eine staatsanwaltliche Untersuchung gegen ihn“, klärte Pfarrer Optenhöfel auf. „Deshalb wurde er auch vom Dienst suspendiert. Mehr wissen wir nicht.“ Einen persönlichen, direkten Missbrauch hätte es nicht gegeben, so der Pfarrer weiter. Es soll sich lediglich um Medien handeln. Fest stehe auch, dass das Bistum Essen selbst die Strafanzeige gestellt hat. „Irgendetwas muss schon an der Sache dran sein, sonst hätten die das nicht gemacht.“ Und Wolfgang Schab ergänzte: „Eine blinde Vermutung wird nicht zur Staatsanwaltschaft weitergeleitet.“ 

Wie geht es nun mit dem beschuldigten Pastor weiter? 

„Er wird zurzeit betreut“, erklärte Schab auf Nachfrage. Claus Optenhöfel steht immer noch in Kontakt mit ihm und bestätigte: „Er ist jetzt da, wo jemand bei ihm ist und wo er sich erklären kann. Wäre er hiergeblieben, hätte er sich ständig in der Öffentlichkeit erklären müssen.“ Das Bistum gehe sehr sensibel mit dem Thema um, weil gerade in den vergangenen Jahren sehr viel Aufmerksamkeit darauf liegen würde. 

Muss ich mir um meine Kinder Sorgen machen?

„Es gab bereits ein Gesprächsangebot für Eltern der Kita-Kinder, bei dem diese Frage beantwortet wurde“,erklärte Optenhöfel. Der beschuldigte Pastor sei nie mit Kindern alleine gewesen, und es gäbe auch keinen Grund, sich in dieser Hinsicht Sorgen machen zu müssen. Generell gab der Psychologe den 17 Besuchern des Gesprächsabends noch einen Tipp: „Wenn wir in unsere Kinder reinhören, bekommen wir in der Regel mit, ob etwas vorgefallen ist. Jeder kann erkennen, ob und zu welchem Zeitpunkt sein eigenes Kind sich anders verhält als sonst.“ 

Wie geht es jetzt in der Gemeinde weiter? 

„Der Pastor ist vom Dienst freigestellt worden, aber immer noch Pastor hier“, erklärten Optenhöfel und Schab. Genau da läge auch das Problem. Sie würden, so lange das Verfahren läuft, auf Vertretungen angewiesen sein. Und das würde in der Regel über ein Jahr dauern. Es liefen regelmäßig Gespräche mit anderen Kirchengemeinden, deren Pfarrer in Schalksmühle und Halver aushelfen. So gibt es Unterstützung aus Meinerzhagen, Werdohl, Kierspe und Schwelm. Termine, die der Pastor in Altenheimen wahrgenommen hat, mussten leider aus personellen Gründen gestrichen werden. 

Kommt der Pastor zurück, wenn sich herausstellt, dass er unschuldig ist? 

Claus Optenhöfel sagte dazu: „Wenn er unschuldig ist, muss man damit rechnen, dass ihm der Verdacht so lange anhängen wird, dass er hier wohl nicht mehr tätig sein kann.“ Die Enttäuschung der Anwesenden, besonders auch der Mitarbeiter der Pfarrei, war mindestens genauso groß, wie die Verunsicherung. 

„Wir haben hier in Schalksmühle schon so oft in den Topf gegriffen. Wir verlieren das Vertrauen, ich will es einfach nicht glauben“, hieß es von einer Teilnehmerin. Die Befürchtung, dass es zu vermehrten Kirchenaustritten kommen wird, wurde ebenfalls laut. Aber es gab auch positive Ansätze: „Vor zehn Jahren wäre das gar nicht erst ans Tageslicht gekommen“, vermutete ein Besucher. „Dass es trotzdem aufgefallen ist, ist doch ein Zeichen dafür, dass die Kirche sich von innen heraus reformiert.“

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